Hochwasser – das sollten Planerinnen und Planer, Architektinnen und Architekten beachten
Flusshochwasser können entlang kleiner, mittelgroßer und großer Flüsse auftreten und mitunter enorm weitläufige Gebiete überfluten. Statistisch betrachtet sind Hagel- und Sturmschäden häufiger als Schäden durch Überflutung. Wenn es aber zu Starkregen oder Flusshochwasser kommt, sind die Schäden am Gebäude oft (deutlich) gravierender – wie die Ereignisse im Ahrtal (2021) oder an der Donau (2024) eindrücklich gezeigt haben. Für die Planung und Bestandssanierung ist daher eine differenzierte Risikobewertung der Überflutungsgefährdung unerlässlich.

Karten zur Risikoabschätzung
Für die Gefährdungsabschätzung stehen verschiedene Kartenwerke zur Verfügung. Bundesweit geben Hochwasserkarten Aufschluss über die amtlichen Überflutungsgebiete. Ob es auf einem konkreten Grundstück tatsächlich zu Schäden kommt, hängt jedoch maßgeblich von der Mikrotopographie, dem Grad der Flächenversiegelung sowie dem lokalen, regionalen und überregionalen Hochwasserschutz ab.
Fließwege beachten
Zu berücksichtigen sind u. a. die Höhenlage des Grundstücks, Hangneigungen mit potenziellen Fließwegen, die Position im Einzugsbereich großflächig versiegelter Areale sowie die Beschaffenheit der Entwässerungsinfrastruktur. Besondere Aufmerksamkeit verdienen tief liegende Gebäudeteile wie Tiefgaragen, Lichtschächte oder Kellerabgänge, da sich dort das anspülende Hochwasser zuerst sammelt.
Hochwasser – örtlich begrenzt, doch mit erheblichem Schadenspotenzial
Hochwasser ist an Bach- und Flussläufe gebunden – kann dort aber auch großflächige Schäden verursachen. Das Auftreten extremer Niederschläge ist in Deutschland regional unterschiedlich geprägt, beeinflusst durch Orographie, Urbanisierung und zunehmend auch durch klimawandelbedingte Veränderungen der atmosphärischen Dynamik. Alles nicht lokal zurückgehaltene Regenwasser fließt über die Vorfluter und Flüsse ab. Je nach Größe und Regenintensität kann daraus Hochwasser entstehen. Dabei unterscheidet sich auch die Wirkweise: Kurzzeitige Starkregen mit hoher Intensität (v. a. bei konvektiven Ereignissen) führen häufig zu schnellem Oberflächenabfluss. Bei langanhaltendem, flächigem Starkregen (z. B. bei Vb-Wetterlagen) wird zunächst die Bodeninfiltration ausgeschöpft, dann ist der Oberflächenabfluss dominant. Mehr zur Entstehung von Starkregen lesen Sie hier. Das sorgt für unterschiedliche Verläufe eines daraus resultierenden Hochwassers. Langanhaltender, großflächiger Dauerregen ist bestenfalls berechenbarer als kurzzeitiger, lokal begrenzter extremer Starkregen, bietet daher auch eine längere Vorwarnzeit.
Großflächige Schäden drohen
Die Folgen von Starkregen sind vielfältig: Reißende Wassermassen bei Gefällelagen, hydrostatischer Druck in tieferliegenden Gebäudeteilen, Rückstau aus der Kanalisation oder diffuse, großflächige Überflutungen in ebenem Gelände. Selbst bei geringer Fließgeschwindigkeit kann großflächiger Wasseranstau zu massiven Schäden an Gebäudehülle und Ausstattung führen. Hinzu kommen sekundäre Risiken wie Fäkaleintrag aus dem Kanalnetz, Kontamination durch Heizöl oder baustrukturelle Schäden infolge durchfeuchteter Tragwerke.
Risiko berücksichtigen
Für den Planungsprozess ergibt sich daraus: Eine vorausschauende Berücksichtigung des Hochwasserrisikos ist essenziell. Bauliche Schutzmaßnahmen – etwa die Ausbildung druckwasserdichter Bauwerksabdichtungen („weiße Wanne“ oder „schwarze Wanne“), Einbau rückstausicherer Entwässerungselemente oder die topographisch günstige Geländemodellierung – lassen sich oft kostenneutral oder mit vertretbarem Aufwand in Sanierung oder Neubau integrieren.
Wasserführung auf dem Grundstück
Zusätzliche Maßnahmen wie barrierefreie Wasserführung über das Grundstück, Anhebung der Schwellenhöhe, gezielte Entwässerungsrinnen oder befahrbare Flutmulden erhöhen die Resilienz weiter. Ergänzt werden sollte dies durch organisatorische Vorsorge wie Notfallpläne, Rückstausicherung der Haustechnik und Sensibilisierung der Bewohnerinnen und Bewohner. Denn auch bei adäquater Bauweise verbleibt ein Restrisiko – insbesondere bei Extremereignissen.
Vorsorge schützt umfassend
Versicherungen können die materiellen Schäden absichern. Sie schützen aber nicht vor psychischen Belastungen der Betroffenen, Nutzungsausfällen nach dem Schaden und während der Wiederherstellungsphasen – das schafft nur eine kluge Vorsorge. Im Schadenfall müssen zunächst Notmaßnahmen zur Gebäudesicherung umgesetzt, anschließend versicherungsrelevante Dokumentationen erstellt und die fachgerechte Sanierung geplant und durchgeführt werden – unter Umständen bei gleichzeitiger temporärer Unbewohnbarkeit des Objekts.
Werden Sie sich der Gefahren bewusst
Wer auf Naturgefahren vorbereitet ist, der minimiert Gesundheitsgefahren und Schäden. Dazu gehört, schon weit im Voraus Vorbereitungen zu treffen – womöglich sogar bauliche. Auch lohnt es sich, einige Verhaltensregeln für den akuten Ernstfall zu verinnerlichen und so für den Notfall gewappnet zu sein.
Fazit
Die frühzeitige Einbindung von Überflutungsschutz in Planung und Bauausführung lohnt sich – funktional, wirtschaftlich und aus Gründen der Nutzer- und Gebäudesicherheit. Fachleute in Architektur und Planung tragen hier eine zentrale Verantwortung, nicht nur für eine normgerechte, sondern auch für eine zukunftsfähige und klimaresiliente Bauweise.
