Kosten-Nutzen-Rechnung

Ordnen Sie selbst bereits vor dem Planungsstart grob ein, welche Maßnahmen an Ihrem Wohngebäude sinnvoll sind.

Nicht immer lohnt es sich, sein Gebäude konsequent hochwassersicher aus- oder umzubauen. Zwar kann Hochwasser an vielen Orten und auch Abseits des direkten Ufers großer Flüsse vorkommen. An manchen Standorten ist die Gefahr eines schweren Hochwassers aber größer als anderswo. Insgesamt kann es sich an exponierten Standorten und in deren Umgebung auszahlen, bei Neubauten oder Sanierungen an den Hochwasserschutz zu denken.

Familie berät über finanzielle Belastungen durch eine Sanierungsmaßnahme.
Die Elementa-Familie rechnet eine geplante naturgefahrensichere Sanierung durch. © Elementa / Christina Haristes

Statistische Gefährdungslage Ihres Gebäudes bei Hochwasser

Laut einer Untersuchung im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) liegen mehr als 320.000 der insgesamt rund 22.350.000 Adressen in Deutschland auf einem von Hochwasser gefährdeten Gebiet (HQ 100). Noch mehr Gebäude wären bei einem noch extremeren Hochwasser in Gefahr. Der Großteil dieser Häuser (rund 80 Prozent) liegt auf einem amtlich anerkannten Überschwemmungsgebiet, die übrigen etwa 20 Prozent auf einem im Wasserhaushaltsgesetz als Hochwassergefahrenfläche bezeichneten Areal. Zwar dürfen Neubaugebiete eigentlich auf einer Überschwemmungsfläche nicht neu ausgewiesen werden. Der Gesetzgeber lässt hier aber viel Spielraum. So sind, ebenfalls laut GDV, in den vergangenen 20 Jahren mehr als 32.000 Wohngebäude auf Überschwemmungsgebieten neu errichtet worden.

Mögliche Schutzmaßnahmen detailliert planen

Möglichkeiten gibt es viele, sein Haus vor Schaden durch Flusshochwasser zu schützen. Was genau für Ihr Gebäude sinnvoll ist, müssen Sie selbst entscheiden. Wichtig sind dabei zwei Kriterien: Die Wirtschaftlichkeit und die immateriellen Schadenfolgen. Die Wirtschaftlichkeit zu berechnen ist dabei vergleichswiese leicht: Sobald die Investitionskosten einen möglichen Schaden übersteigen, ist die rein materielle Wirtschaftlichkeit der Maßnahme nicht mehr gegeben. Bedenken Sie bei der finanziellen Bewertung einer möglichen Ertüchtigung auch die langfristigen Investitionen, so etwa eine niedrigere Versicherungsprämie für gut geschützte Häuser.

Immaterieller Schaden, Stress, psychische Belastungen

Umfassender Hochwasserschutz fängt auf dem eigenen Grundstück an, setzt sich aber an der Grundstücksgrenze fort. Wer auf seinem Grundstück Hochwasserschutzmaßnahmen trifft, muss darauf achten, dass dadurch keine Nachbargrundstücke gefährdet werden. Mauern, Aufschüttungen oder Wasserumleitungen dürfen den natürlichen Wasserabfluss nicht blockieren oder umlenken. Andernfalls drohen rechtliche Konsequenzen wie Unterlassungsansprüche, Schadensersatzforderungen oder behördliche Auflagen. Besonders kritisch wird es, wenn durch eigene Schutzbauten Wasser gezielt auf Nachbarflächen gelenkt wird (siehe auch eine aktuellen Beitrag zu dem Thema). Daher ist es ratsam, geplante Maßnahmen fachlich prüfen zu lassen und frühzeitig mit der Nachbarschaft abzustimmen. Insgesamt lohnt es sich, Starkregen- und Hochwasserschutz in der Nachbarschaft zu koordinieren. Am einfachsten ist das in einem Neubaugebiet. Es bedarf Engagement und Abstimmung. Bestenfalls hat die Verwaltung bereits im Bebauungsplan einen koordinierten Hochwasserschutz festgeschrieben.

Koordinierter Überflutungsschutz

Zwar besteht kein genereller einklagbarer Anspruch auf kommunalen oder übergeordneten Überflutungsschutz. Trotzdem ist die öffentliche Hand verpflichtet, diesen etwa bei der Aufstellung örtlicher Bauleitplanungen mitzuberücksichtigen. In bestimmten Fällen ist ein kommunaler und übergeordneter Hochwasserschutz sogar einklagbar. Das aber ist juristisch anspruchsvoll und einzelfallabhängig. Grundsätzlich kann umfassende Schadenvorbeugung nur dort gelingen, wo individuelle, lokale, regionale und überregionale Maßnahmen ineinandergreifen. Es ist Ihr gutes Recht, von Ihrer Kommune einen gewissen Überschwemmungsschutz einzufordern.

Hochwasserpass des Hochwasser-Kompetenz-Centrums (HKC)

Das bundesweite Netzwerk Hochwasser-Kompetenz-Centrum bietet für Wohngebäude den so genannten Hochwasserpass an. Er ist eine fundierte Risikoeinschätzung für einzelne Häuser. Die Basis ist eine Beratung durch eine geschulte sachkundige Person. Er führt eine detaillierte Bewertung des Gebäudes durch und gibt konkrete Empfehlungen für die Eigenvorsorge. Das Ergebnis dient auch als Basis für eine passende Elementarschaden-Police.

Fazit

Wie weitreichend Ihr persönlicher Hochwasserschutz am Wohngebäude gehen soll, entscheiden letztlich Sie selbst. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung für Hochwasserschutzmaßnahmen sollte sowohl materielle als auch immaterielle Faktoren berücksichtigen. Wirtschaftlich lohnen sich Schutzmaßnahmen in der Regel dann, wenn die potenziellen Schadenskosten höher sind als die Investitionskosten. Schwerer zu beziffern, aber ebenso wichtig sind Belastungen, die durch Schäden entstehen können – etwa Stress oder langfristige gesundheitliche Folgen. Auch höhere Versicherungsprämien für ungeschützte Gebäude fließen in die Gesamtrechnung ein. Eine sorgfältige Abwägung dieser Aspekte hilft, fundierte Entscheidungen zur individuellen Starkregenvorsorge zu treffen.