Hochwasser – Vorbeugen, bevor der Schaden eintritt

Die Uferbereiche von Flüssen sind grundsätzlich hochwassergefährdet. Je nach Geländestruktur können aber auch weiter vom Ufer entfernt gelegene Gebiete von Hochwasser erreicht werden. Wie sehr Ihr Wohnhaus von Hochwasser gefährdet ist, erfahren Sie hier. Ob ein Haus überflutet wird, hängt von vielen Faktoren ab, das Gefährdungspotenzial kann sich von Grundstück zu Grundstück unterscheiden. Wer sicher gehen will, dass am eigenen Wohnhaus der Schaden so gering wie möglich bleibt, sollte es tatsächlich überflutet werden, der kann sich vorbereiten.

© Elementa / Christina Haristes

Sandsäcke und mobile Dämme

Wer die Schwachstellen seines Hauses kennt, kann vorbeugen. Kellertüren, tief liegende Garagenzufahrten, Lichtschächte und Kellerfenster lassen sich durch Sandsäcke oder mobile Dämme schützen. Zwar werden Sandsäcke heute in der Regel nicht mehr empfohlen, im Notfall sind sie aber besser als nichts. Wichtig ist dabei die richtige Anwendung und die korrekte Lagerung. Denn Sandsäcke lassen sich nicht beliebig lange aufheben.

Getrennt lagern

Unbenutzte Sandsäcke lagern sie bestenfalls getrennt – Säcke und Sand gesondert. So sind die Säcke viele Jahre einsetzbar. Bereits gefüllte Sandsäcke halten nicht ganz so lange – je nach Material etwa ein bis fünf Jahre. Wichtig bei gefüllten und ungefüllten Säcken: Lagern Sie sie möglichst trocken und vor UV-Licht geschützt. Sorgen Sie dafür, dass der Sand nicht verklumpt, sondern rieselfähig bleibt.

Schutzwände für Tür und Tor

Mobile Schutzwände und Hochwasserschotts gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Aktuelle Modelle lassen sich in der Regel recht leicht in Tür- und Fensterrahmen oder Garagentore klemmen, es gibt sie in verschiedenen Ausführungen. Für Freiflächen gibt es zudem selbststabilisierende Flutwände. Das Angebot ist groß, eine Auswahl finden Sie in unserem Bauteilregister.

Flutsicher bauen

Wer komplett auf Nummer Sicher gehen will, baut seinen Keller – oder bei Bedarf auch weitere Stockwerke – gleich hochwasser- und starkregensicher. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei einem Neubau lässt sich der gesamte Keller inklusive Bodenplatte als wasserdichte, sogenannte Weiße Wanne konzipieren. Wichtig dabei ist, dass das Gebäude nicht aufschwimmen kann. Schon wenige Millimeter können der Statik des Gebäudes irreparable Schäden zuführen.

Der Kelleraufbau des Neubaus ist als weiße Wanne ausgeführt.
Ein als weiße Wanne ausgeführter Kelleraufbau eines Neubaus.© Adobe Stock

Bei einem bereits bestehenden Haus lassen sich die Kellerwände entweder von innen oder von außen abdichten. Bei einer Abdichtung von außen werden die Wände frei gelegt und dann mit einer Isolierschicht abgedichtet. Auch eine Bodenplatte kann von unten abgedichtet werden, das geschieht meistens durch Injektionen, bei denen eine Dichtmasse unter die Bodenplatte gespritzt wird, was aber ein sehr teures, aufwändiges Verfahren darstellt. Einfacher ist es, die Wände von innen abzudichten. Dann werden Wände und Bodenplatte so beschichtet, dass keine Feuchtigkeit mehr ins Innere gelangen kann. Hier besteht aber die Gefahr, dass die Wände selbst durchfeuchtet werden und so langfristig Schaden nehmen.

Kontrolliertes Fluten

Es gibt Gebäude, die so gebaut werden, dass das unterste Geschoss – also meistens der Keller – überflutet werden kann. Wird ein Haus so geplant, kann der Keller aber in der Regel nicht mehr als Wohnbereich genutzt werden, eignet sich nur als Lagerfläche. In einem solchen Fall sind technische Einrichtungen wie etwa die Heizung und die elektrische Infrastruktur im darüberliegenden Stockwerk untergebracht. Alles, was in einem solchen auf Überflutung ausgelegten Keller gelagert ist, sollte möglichst leicht zu bewegen sein. Im Notfall wird dann alles, was sich im Keller befindet und nicht nass werden darf, in höhere Gebäudeteile gebracht. Ein solcher Keller ist wegen der längeren Vorwarnzeit im Bereich von Flusshochwassern eine echte Alternative. In Teilen kann ein solcher Keller für Gebäude in nachweislich hochwassergefährdeten Gebieten eine Bauauflage oder baurechtliche Vorgabe sein.

Wasserdichte Fenster, Türen und Zuleitungen

Wasser dringt vor allem an Schwachpunkten ins Gebäude. Das sind fast immer Fenster, Türen und die Wanddurchbrüche für Ver- und Entsorgungsleitungen. Wer in einem potenziellen Überschwemmungsgebiet lebt, kann wasserdichte Türen, Fenster und Zuleitungen nutzen, um die Gebäudehülle abzudichten. In besonders gefährdeten Gebieten kann das sogar eine Auflage sein, um das Gebäude überhaupt versichern zu können. Wasserdichte Bauelemente finden Sie in unserem Bauteilregister.

Schwellen und Mauern

Für Überflutungsereignisse gibt es unterschiedliche Prognosen. Gehen diese von einem Wasserstand ums Gebäude von „nur“ einigen Zentimetern aus, kann es bereits ausreichen, eine Garagenzufahrt mit einer leichten Schwelle zu versehen, Lichtschächte abzumauern und außenliegende Kellerzugänge mit einer Trittstufe zu versehen. Je nach Lage des Grundstücks und des Wohngebiets können auch großflächigere Maßnahmen wie etwa Dämme ums Grundstück oder um die Siedlung eingeplant werden. Hier greift dann der Hochwasserschutz der öffentlichen Hand.

Bauliche Maßnahmen schützen ein Haus vor Hochwasser.© Elementa / Christina Haristes

Persönliche Schutz- und Notfallausrüstung

Bei örtlichen Naturkatastrophen kann es vorkommen, dass Sie sich eine Weile selbst versorgen müssen, da Wege unpassierbar oder die örtlichen Supermärkte geschlossen sind. Auch flächendeckende, länger anhaltende Stromausfälle sind möglich. Dann kann auch die Trinkwasserversorgung ausfallen. Darum empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), einen Lebensmittelnotvorrat, inklusive Trinkwasser, im Haus zu haben. Dazu kommen Medikamente und Verbandmaterial sowie Hygieneartikel. Vermeiden Sie es aber, Dinge unnötig zu horten. Das BBK gibt Hilfestellung, wie ein vernünftiges Versorgungspaket für zuhause aussieht. Außerdem empfiehlt das BBK, eine Dokumentenmappe mit allen wichtigen Unterlagen immer griffbereit und wasserdicht zu halten. Es lohnt sich auch, wichtige Dokumente in Kopie in einer (verschlüsselten) Cloud digital abzulegen.

Eine Checkliste des BBK können sie hier herunterladen (PDF).

Checkliste: Haus auf Hochwasser vorbereiten

Hochwasser kann große Schäden verursachen. Dabei sind nicht nur ufernahe Häuser betroffen. Wer sein Haus gezielt vorbereitet, kann Schäden deutlich verringern oder sogar ganz vermeiden. Die folgende Checkliste hilft, typische Schwachstellen zu erkennen und zu sichern.

Schwachstellen am Haus analysieren

☐ Prüfen, ob das Haus in einem gefährdeten Gebiet liegt

☐ Schwachstellen wie Kellertüren, Lichtschächte, Garageneinfahrten identifizieren

Sandsäcke & mobile Dämme

☐ Sandsäcke oder mobile Dämme zur Sicherung tiefliegender Zugänge bereithalten

☐ Sandsäcke getrennt lagern: Sand & Säcke getrennt, trocken und lichtgeschützt

☐ Haltbarkeit gefüllter Sandsäcke beachten (1 bis 5 Jahre je nach Material)

Schutzwände für Türen und Fenster

☐ Mobile Hochwasserschotts oder Schutzwände anschaffen

☐ Passende Modelle für Türen, Fenster, Garagen und Freiflächen auswählen

Gebäude baulich sichern (bei Neubau oder Sanierung)

☐ ggf. Weiße Wanne bei Neubauten planen (wasserdichte Bodenplatte und Kellerwände)

☐ Bestehende Keller abdichten – von innen oder außen

☐ Abdichtung der Bodenplatte ggf. durch Injektionen ergänzen

Keller kontrolliert flutbar gestalten (in Überschwemmungsgebieten)

☐ Keller als Lagerraum nutzen, nicht als Wohnraum

☐ Technische Anlagen im Erdgeschoss oder höher unterbringen

☐ Bewegliche Lagerung von Gegenständen ermöglichen

Wasserdichte Bauelemente verbauen

☐ Fenster, Türen und Versorgungsleitungen auf Dichtheit prüfen

☐ ggf. auf wasserdichte Elemente umrüsten – in Risikogebieten ggf. Pflicht

Bauliche Maßnahmen

☐ Schwellen an Garagenzufahrten installieren

☐ Lichtschächte abmauern, Kellerzugänge mit Stufen versehen

☐ Dämme ums Grundstück oder Siedlung ggf. mit Kommune abklären

Notfall- und Schutzausrüstung

☐ Lebensmittel- und Wasservorrat nach BBK-Empfehlung anlegen

☐ Notfallapotheke und Hygieneartikel griffbereit halten

☐ Dokumentenmappe wasserdicht und digital gesichert bereithalten

Kopieren Sie diese Checkliste und fügen Sie sie in die Notizen-App Ihres Smartphones ein. Unter Google Keep wird sie automatisch als abhakbare Liste importiert. Auf dem iPhone lässt sie sich mit einem Klick in eine abhakbare Liste umwandeln.