Schritt für Schritt zum hochwassersicheren Haus
Die Gefahren durch Naturschäden steigen. Hagel und Sturm, Starkregen und Hochwasser nehmen nachweislich zu. Das sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie ein neues Haus bauen oder ihr bestehendes sanieren wollen. Klar, die Baukosten eines gut geschützten Hauses sind etwas höher als bei einfacher Bauweise. Auf längere Sicht hingegen spart es seinen Besitzerinnen und Besitzern aber Geld. Nicht nur, weil sich so mögliche Schäden vermeiden lassen. Viele schützende Bauelemente zahlen auf die Energieeffizienz Ihres Hauses ein. Das senkt die Heizkosten. Auch die Gebäudeversicherung ist oft billiger, wenn das versicherte Haus bereits geschützt ist.

Wie können Sie Ihr Haus schützen?
Wir haben eine einfache Checkliste zusammengestellt, mit der Sie vor Beginn einer Haussanierung überprüfen können, ob Ihr Gebäude bereits über einen gewissen Starkregen- und Hochwasserschutz verfügt. Für Bauherrschaften, die einen Neubau planen, ist vor allem die Risikobewertung wichtig. Nach dieser sollten Sie Ihre Materialwahl treffen.
Schritt für Schritt hochwassersicher sanieren
Schritt 1: Risikobewertung
Zuerst prüfen Sie, wie groß die Überschwemmungsgefahr an Ihrem Standort ist, etwa ob Ihr Gebäude oder Ihr Grundstück in einer Überflutungszone liegt oder Gefahr durch schnell fließendes Wasser entsteht. Zusätzlich ist eine genaue Betrachtung der Gegebenheiten vor Ort sehr zu empfehlen. Je nach Ergebnis sind vorbeugende Maßnahmen sinnvoll, können sogar verpflichtend sein.
Schritt 2: Vorhandenes prüfen
Vergewissern Sie sich, wie überschwemmungssicher die bereits vorhandenen Bauteile an Ihrem Gebäude sind. Überprüfen Sie, ob die Kellerfenster und Keller-Außentüren vor anstehendem Wasser geschützt sind oder selbst druckwasserdicht sind. Auch Hauszuleitungen sollten gegen eindringendes Wasser geschützt sein. Wenn Sie ein Haus kaufen, besteht die Möglichkeit, anhand von Rechnungen und Lieferscheinen der vorher dort wohnenden Person Art und Herkunft und damit die Widerstandsfähigkeit der verwendeten Bauelemente gegen eindringendes Wasser zu ermitteln. Schauen Sie, welche Wege das Haus umspülende Hochwasser nimmt, in welche Richtung etwa Gefälle liegen und wie hoch das Wasser im Abwasserkanal steigen kann (Rückstauhorizont).
Schritt 3: Nach Bedarf sanieren
Am besten geschützt ist Ihr Haus mit Bauteilen, die allesamt druckwasserdicht sind. Natürlich ist es aber immer auch eine Kostenfrage, ob Sie Ihr Gebäude von außen vollumfänglich sanieren. Wenn die Sanierung in mehrere Bauabschnitte geteilt werden soll, kann der bestmögliche Hochwasserschutz natürlich auch nach und nach aufgebaut werden. Mehr erfahren Sie in unserer beispielhaften Kosten-Nutzen-Rechnung.
Hauseingänge
Wasser beginnt am tiefsten Punkt, in ein Gebäude einzudringen. Vorhandene Karten zeigen die Fließrichtung von möglichem Oberflächenwasser und helfen bei der Einschätzung, wo an einem Gebäude sich dieses Wasser stauen könnte. Beim Gang um das Haus lässt sich zudem leicht erkennen, wo Oberflächenwasser hinfließen könnte. Erster Anlaufpunkt: Die Kellereingänge. Hat das Haus einen außenliegenden Kellerabgang, sollte dieser geschützt sein. Entweder wird die Treppe mit einer Schwelle über dem vermuteten Stauhorizont versehen, oder die Kellertür selbst ist druckwasserdicht, anstehendes Wasser kann also nicht ins Gebäude gelangen. Solche Türen finden Sie zukünftig in unserem Bauteilregister.
Gleiches gilt für Kellerfenster und Lichtschächte. Lichtschächte sollten mit einer Mauer versehen werden, deren Krone mindestens der Höhe des Rückstauhorizonts entspricht. Besser noch ist es, die Höhe auf ein potenzielles Hochwasser anzupassen. Ob dieses einem Extremhochwasser entspricht oder das Gebäude vor weniger gravierenden Überflutungen geschützt werden soll, ist letztlich eine ästhetische und eine Kostenfrage. Wer Fenster und Lichtschächte nicht abmauern will, greift zu druckwasserfesten Bauteilen. Verfügt Ihr Haus über eine tiefliegende Garage, sollte auch diese vor eindringendem Wasser geschützt werden. Dies gelingt entweder über eine leichte Schwelle vor der Zufahrt oder über ein druckwasserdichtes Garagentor.
Mobile Schutzbarrieren
Türen, Fenster und Garagentore können auch mit mobilen Schutzbarrieren gesichert werden. Die bekannteste Version ist der Sandsack. Es gibt zudem mobile Hochwasserschotts in unterschiedlichen Bauweisen. Einige finden Sie in unserem Bauteilregister. Diese Schotts gibt es als Maßanfertigung oder in Universalgrößen. Sie schützen natürlich nur, wenn sie rechtzeitig vor einem Starkregen- oder Hochwasserereignis aufgebaut werden.
Zuleitungen
Die Zuleitung von Kabeln ins Gebäude kann eine Schwachstelle sein, an der Wasser eindringt. Silikon allein ist nicht geeignet, einen Hausanschluss dauerhaft wasserdicht zu bekommen. Besser sind druckwassersichere Zuleitungsdichtungen, die auch nachträglich eingebaut werden können.
Abwasserleitungen
Über ungeschützte Abwasserleitungen kann Schmutzwasser bei Rückstau zurück ins Gebäude drücken. Mit dem Wasser gelangen dann oft auch Fäkalkeime ins Gebäude, die für zusätzliche Schäden und erhöhten Sanierungsaufwand sorgen können. Dazu kann sich bei Betroffenen ein Ekelgefühl einstellen, das mitunter noch Wochen und Monate nachwirkt. Davor schützen verschiedene bauliche Vorkehrungen. Einfache Rückstauklappen eignen sich, wenn sich unterhalb des Rückstauhorizonts nur die Abflüsse etwa der Waschmaschine und eines einfachen Waschbeckens befinden. Diese Klappen lassen sich relativ leicht und kostengünstig nachrüsten. Sie können aber auch verklemmen und haben daher ein geringes Restrisiko für Rückstau ins Gebäude.
Elektronische Rückstauklappen schließen mithilfe eines Motors. Sie haben eine aktive Verschlusssteuerung, die ein automatisches und ein manuelles Schließen zulassen. Zudem können sie mit einer Warn- und Notfallfunktion ausgestattet werden. Sind sie blockiert, erfolgt eine Warnung. Sie sind wartungsintensiver und mit höheren Kosten verbunden als einfache Rückstauklappen. Dafür eignen sie sich auch für höherwertige Räume, etwa Wohnräume im Souterrain.
Eine Rückstauschleife ist der zuverlässigste Rückstauschutz. Dabei wird das Abwasser des Hauses oberhalb der Rückstauebene in den Kanal geleitet. Die Rückstauebene ist in der Regel die Straßenoberfläche, in der der Kanal verläuft. Bei darunter liegenden Abflüssen wird das Abwasser über eine Hebeanlage in den Hausabfluss gepumpt. Um eine solche Rückstauschleife zu installieren, muss mitunter der alte Hausabfluss stillgelegt und versiegelt, ein neuer Hausabfluss sowie die Hebeanlage installiert werden. Der Vorteil dieser sehr aufwändigen Maßnahme: Sie schützt am zuverlässigsten vor Rückstau, außerdem können die Abflüsse im Haus auch dann noch genutzt werden, wenn es in der Kanalisation schon zu einem deutlichen Rückstau gekommen ist.
Gartengestaltung
Die Gartengestaltung kann einen Beitrag leisten, einen Starkregen gar nicht erst zum Hochwasser werden zu lassen. Zwar bietet selbst ein entsiegelter Garten mit hohem Retentionswert bei einem großflächigen Flusshochwasser keinen Schutz mehr. Verbinden sich in einer Region aber viele entsiegelte und versickerungsgünstig gestaltete Gärten zu einer großen Retentionsfläche, trägt der eigene, entsprechend gestaltete Garten wie ein Mosaikstein seinen Teil zum großen Ganzen bei: der Verhinderung eines großflächigen Hochwassers. In der Ausführung bedeutet das: Sickermulden im Garten anlegen, Regenwasser sammeln, vielfältig bepflanzen. Wichtig bei der Gartengestaltung: Das so genannte Sankt-Florians-Prinzip ist nicht erlaubt. Sie dürfen mögliches Überschwemmungswasser nicht wissentlich und aktiv etwa auf Ihr Nachbargrundstück leiten oder Dämme und Wälle so anlegen, dass Ihr Haus zwar vom Hochwasser geschützt ist, die Nachbarhäuser dafür aber umso eher überflutet würden. Hierzu gibt es strenge rechtliche Regelungen.
Schritt für Schritt zum hochwassersicheren Neubau
Risikobewertung
Im Grunde fußt beim Neubau alles auf der belastbaren Risikobewertung. Prüfen Sie zuerst also, ob Ihr Grundstück in einem Überschwemmungsgebiet liegt oder durch schnell strömendes Wasser betroffen sein kann. Bedenken Sie dabei stets auch die Zukunftsprognosen. Aufgrund des menschengemachten Klimawandels kann es regional zu Verschiebungen kommen. Hochwasser beschränken sich nicht mehr auf die ausgewiesenen Überflutungsflächen, sondern steigen immer öfter immer höher. Hier spielt der vor Ort umgesetzten oder geplanten Hochwasserschutz eine große Rolle. Scheuen Sie sich nicht, den aktuellen Status bei den zuständigen Behörden nachzufragen.
Nach Bedarf bauen
Am besten geschützt ist Ihr Haus mit Bauteilen, die allesamt nachweislich hochwasser- und starkregensicher sind. Natürlich ist es aber immer auch eine Kostenfrage, ob Sie Ihr Gebäude vollumfänglich sichern. Je nach Risikogebiet und Ihrer persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung kann es durchaus wirtschaftlich sein, nur einzelne Teile des Gebäudes vor Starkregen und Hochwasser zu schützen. Wichtig ist dabei aber immer, dass neben den Kosten auch weitere Aspekte bedacht werden sollten, etwa die psychischen Belastungen durch einen massiven Hochwasserschaden und – nicht zuletzt – Gesundheitsgefahren.
Keller
In einigen Baugebieten kann es untersagt sein, ein Haus zu unterkellern. In anderen gibt es enge Vorschriften, wie der Keller auszuführen ist. Auskünfte gibt der Bebauungsplan. Unabhängig davon lässt sich der Keller als wasserdichte Wanne („weiße Wanne“) ausführen, der auch bei anstehendem Hochwasser und hochdrückendem Grundwasser absolut trocken bleibt. Diese Bauweise wird vor allem in ohnehin eher feuchtem Untergrund gewählt, in dem das Grundwasser in der Regel den Bauhorizont berührt. Wenn der Keller als Wohnraum geplant ist, empfehlen Baufachleute ebenfalls eine weiße Wanne. Bei Gebäuden auf in der Regel trockenem Untergrund wird eine so genannte schwarze Wanne errichtet. Auf der gegossenen Bodenplatte wird der Keller gemauert, die am Erdreich anliegenden Mauern werden mit Bitumenbahnen oder ähnlichem Material abgedichtet.
Hauseingänge
Ihr Planungs- und Architekturbüro sollte das Thema Oberflächenwasser stets mitberücksichtigen. Tiefliegende Hauseingänge sind besonders gefährdet. Außenliegende Kellerabgänge, Kellerfenster, Lichtschächte und Garagenzufahrten sollten daher gut geschützt sein. Auch ebenerdige Zugänge sind Eintrittsstellen für Hochwasser und Überflutungen durch Starkregen. Lichtschächte sollten bis über den berechneten Hochwasserscheitelpunkt abgemauert, Kellerabgänge und Garagenzufahrten mit Schwellen geschützt sein. Alternativ: Druckwasserdichte Fenster, Türen und Tore. Ebenerdige Zugänge sollten ebenfalls druckwasserdicht sein, vor allem Terrassen- und Haustüren. Denn diese wollen wir im Alltag nur ungern über eine hohe Schwelle überschreiten.
Die Türschwelle ist versicherungsrelevant
Tritt trotz aller Vorkehrungen ein Wasserschaden im Haus auf, macht es einen großen Unterschied, wie das Wasser ins Haus gelangt ist. So sind Schäden, die durch eindringendes Grundwasser entstehen, meistens nicht versichert. Kommt es etwa zu langanhaltendem, moderatem Regen, der zu steigendem Grundwasserspiegel und einem mit Wasser gesättigten Boden führt, liegt eine Unterflutung, keine Überflutung vor. Nur die Überflutung ist von der Elementarschadenversicherung abgedeckt. Vereinfacht gesprochen: Tritt das Wasser überirdisch über die Türschwelle ins Haus ein, greift die Elementarschadenversicherung.
Zuleitungen
Die Zuleitung von Kabeln ins Gebäude kann eine Schwachstelle sein, an der Wasser eindringt. Silikon allein ist nicht geeignet, einen Hausanschluss dauerhaft wasserdicht zu bekommen. Besser sind druckwassersichere Zuleitungsdichtungen.
Abwasserleitungen
Über ungeschützte Abwasserleitungen kann Schmutzwasser bei Rückstau zurück ins Gebäude drücken. Mit dem Wasser gelangen dann oft auch Fäkalkeime ins Gebäude, die für zusätzliche Schäden und erhöhten Sanierungsaufwand sorgen können. Dazu kann sich bei Betroffenen ein Ekelgefühl einstellen, das mitunter noch Wochen und Monate nachwirkt. Davor schützen verschiedene bauliche Vorkehrungen. Einfache Rückstauklappen eignen sich, wenn sich unterhalb des Rückstauhorizonts nur die Abflüsse etwa der Waschmaschine und eines einfachen Waschbeckens befinden. Sie können aber auch verklemmen und haben daher ein geringes Restrisiko für Rückstau ins Gebäude.
Elektronische Rückstauklappen schließen mithilfe eines Motors. Sie haben eine aktive Verschlusssteuerung, die ein automatisches und ein manuelles Schließen zulassen. Zudem können sie mit einer Warn- und Notfallfunktion ausgestattet werden. Sind sie blockiert, erfolgt eine Warnung. Sie sind wartungsintensiver und mit höheren Kosten verbunden als einfache Rückstauklappen. Dafür eignen sie sich auch für höherwertige Räume, etwa Wohnräume im Souterrain.
Eine Rückstauschleife ist der zuverlässigste Rückstauschutz. Dabei wird das Abwasser des Hauses oberhalb der Rückstauebene in den Kanal geleitet. Die Rückstauebene ist in der Regel die Straßenoberfläche, in der der Kanal verläuft. Bei darunter liegenden Abflüssen wird das Abwasser über eine Hebeanlage in den Hausabfluss gepumpt. Bei einem Neubau ist die Rückstauschleife der sinnvollste Rückstauschutz, da sie (mit Ausnahme der nötigen Hebeanlage) keine zusätzlichen Kosten verursacht, sondern sogar günstiger sein kann als Rückstauklappen. Sie benötigt außerdem keinerlei Wartung, weil sie keine mechanischen Bauteile beinhaltet. Die Rückstauschleife schützt am zuverlässigsten vor Rückstau, außerdem können die Abflüsse im Haus auch dann noch genutzt werden, wenn es in der Kanalisation schon zu einem deutlichen Rückstau gekommen ist.
Gartengestaltung
Die Gartengestaltung kann einen Beitrag leisten, einen Starkregen gar nicht erst zum Hochwasser werden zu lassen. Zwar bietet selbst ein entsiegelter Garten mit hohem Retentionswert bei einem großflächigen Flusshochwasser keinen Schutz mehr. Verbinden sich in einer Region aber viele entsiegelte und versickerungsgünstig gestaltete Gärten zu einer großen Retentionsfläche, trägt der eigene, entsprechend gestaltete Garten wie ein Mosaikstein seinen Teil zum großen Ganzen bei: der Verhinderung eines großflächigen Hochwassers. In der Ausführung bedeutet das: Sickermulden im Garten anlegen, Regenwasser sammeln, vielfältig bepflanzen. Wichtig bei der Gartengestaltung: Das so genannte Sankt-Florians-Prinzip ist nicht erlaubt. Sie dürfen mögliches Überschwemmungswasser nicht wissentlich und aktiv etwa auf Ihr Nachbargrundstück leiten oder Dämme und Wälle so anlegen, dass Ihr Haus zwar vom Hochwasser geschützt ist, die Nachbarhäuser dafür aber umso eher überflutet würden. Dies ist gesetzlich verboten.
Clever vorausplanen
Wer sich rechtzeitig und umfassend Gedanken zum Schutz seines Gebäudes macht – ob Neubau oder Bestand -, sorgt vor und spart dabei sogar Geld. Denn der Schutz vor Naturgefahren muss in der Praxis nicht zwangsläufig teuer sein. Zumal, wenn man Kosten und Aufwand eines Schadenfalls bedenkt.
Zur Vorausplanung gehört auch, für einen großen Schadenfall gewappnet zu sein. Denn zwar können Garagenzufahrten und Kellerabgänge mit Schwellen geschützt, Lichtschächte abgemauert werden. Doch nur bis zu einer gewissen Höhe. Steigt das Wasser höher, helfen mobile Schutzeinrichtungen. Dazu gehören Sandsäcke, mobile Hochwasserschotts für Türen, Tore und Fenster sowie freistehende Hochwasserbarrieren. Hier greifen auch die Vorsorgemaßnahmen, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt.
