Überflutung droht: Das können Sie tun
Durch lokal begrenzten, heftigen Starkregen oder großflächigen Dauerregen kann es entlang von Flüssen zu Hochwasser kommen. Steigt dieses so hoch, dass Häuser umspült werden, kann es gefährlich werden. In der Regel sind die Vorwarnzeiten bei einem Flusshochwasser – anders als bei einer Sturzflut – recht lang. Trotzdem ist schnelles und richtiges Handeln entscheidend, um größere Schäden zu vermeiden. Wir helfen Ihnen dabei, durch überlegtes, schnelles Handeln in der akuten Notsituation richtig zu reagieren.
Besteht akute Gefahr für Personen, setzen Sie sich schnellstmöglich mit der Rettungsleitstelle in Verbindung. Sie erreichen sie unter der bundeseinheitlichen Notrufnummer 112. Bleiben Sie möglichst ruhig und beantworten Sie am Notruftelefon die fünf W-Fragen: Wo ist der Notfall? Was ist passiert? Wie viele Personen sind betroffen? Wer ruft an? Warten auf Rückfragen. Die Rettungsleitstelle entscheidet auf Basis Ihrer Angaben die einzuleitenden Schritte, etwa das Alarmieren der Feuerwehr.

Eigenschutz beachten
Kein Wertgegenstand ist so wertvoll, dass es sich dafür lohnt, das Leben aufs Spiel zu setzen. Wenn bei Hochwasser bereits Wasser ins Gebäude eindringt, besteht akute Lebensgefahr. Türen lassen sich wegen des Wasserdrucks nicht mehr oder nur sehr schwer öffnen. Läuft der Keller voll, können eingeschlossene Personen ertrinken. Ist der Strom nicht abgestellt, kann das Wasser Strom leiten. Ein Stromschlag ist ebenfalls lebensgefährlich. Aufgeschwemmte Gegenstände im Wasser bergen erhebliche Verletzungsgefahr, zumal das Wasser oft trüb ist, Gefahrenquellen daher nicht erkannt werden können. Wenn Sie das Gefahrenpotenzial im überschwemmten Keller nicht abschätzen können, betreten Sie ihn nicht! Die folgenden Tipps sollten Sie daher nur anwenden, wenn Sie sich ihres Eigenschutzes sicher sind.
Wie gefährlich eindringendes Wasser sein kann, wollte das ZDF-Magazin Terra X wissen und hat einen Reporter in die Feuerwehr-Schule Würzburg geschickt.
Strom aus, Sicherung raus
Erreicht eindringendes Wasser elektrische Leitungen, drohen Kurzschlüsse und Brände. Außerdem kann das Wasser Strom leiten – es besteht akute Stromschlag- und damit Lebensgefahr! Sobald Wasser ins Haus einzudringen droht, stellen Sie den Strom im Keller ab, schalten Sie die Sicherung aus.
Wertgegenstände sichern, Abflüsse freiräumen
Sobald die Wahrscheinlichkeit besteht, dass ein Flusshochwasser Ihr Haus erreicht, sichern Sie Wertgegenstände. Dazu zählen insbesondere wichtige Dokumente. Auch Elektronikgeräte und Möbel sollten Sie schnellstmöglich in höhergelegene Gebäudeteile verbringen. Haben Sie Abflüsse im Keller, räumen Sie diese frei. Solange die Kanalisation noch nicht überlastet ist, kann eindringendes Wasser zumindest teilweise über diese Abflüsse ablaufen. Kann die Kanalisation kein abfließendes Wasser mehr aufnehmen, schließen Sie die Rückstauklappen, falls Sie manuelle Klappen installiert haben.
Vorbereitet sein
Je nachdem wie groß das Überschwemmungsrisiko am Standort Ihres Wohnhauses ist, sollten Sie auf mögliche Überflutungen vorbereitet sein. Empfindliche Gegenstände, die Sie im Keller lagern, sollten dann wasserdicht verpackt sein. Dazu gehören unter anderem wichtige Dokumente. Wertvolle Gegenstände sollten Sie so lagern, dass sie schnell in höhergelegene Gebäudeteile gebracht werden können. Waschmaschine und Trockner sollten erhöht aufgestellt werden, sodass sie zumindest gegen einige Zentimeter Wasser im Keller geschützt sind.
Hauszugänge sichern
Sind Fenster und Türen gefährdet, sollten sie mit Sandsäcken oder mobilen Hochwasserbarrieren gesichert werden. Tür- und Fensterrahmen können zusätzlich mit Folie und Klebeband abgedichtet werden. Je nach Risikogebiet sollten Sie über den Einbau von druckwasserbeständigen Fenstern und Türen nachdenken.
Notvorrat bereit haben
Wenn Sie in einem von Flusshochwasser gefährdeten Gebiet wohnen, lohnt es sich, einen Notvorrat vorzuhalten. Dieser beinhaltet Sandsäcke oder mobile Hochwasserbarrieren. Taschenlampen mit Ersatzbatterien, Tauchpumpen und Wassersauger. Ganz allgemein für Notfälle ist es zudem ratsam, einen Lebensmittelvorrat anzulegen. Informationen darüber gibt es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
Feuerwehr und Rettungskräfte alarmieren
Besteht in Ihrem Haus Gefahr für Leib und Leben, alarmieren Sie die Rettungskräfte über die allgemeine Notrufnummer 112. Das beinhaltet insbesondere, wenn eine Person in einem überfluteten Bereich des Hauses eingeschlossen und wenn ein Kurzschluss oder ein dadurch ausgelöster Brand zu befürchten ist, dadurch Personen bedroht sind. Wenn die Flut die Bausubstanz so stark angreift, dass ein (Teil-)Einsturz des Hauses droht, alarmieren Sie ebenfalls umgehend die Einsatzkräfte. Auch wenn Heizöl-, Gas- oder Chemikalientanks bedroht sind, sollten Sie umgehend die 112 wählen.
Feuerwehr ist kein Pumpen-Dienstleister
Wenn Ihr Haus zwar vom Hochwasser betroffen ist, aber keine akute Gefahr besteht, ist es nicht nötig, die Rettungskräfte zu alarmieren. Im Gegenteil: In einer Großschadenslage wie einem großflächigen Flusshochwasser ist es die Aufgabe von Feuerwehr, THW und den anderen Rettungsorganisationen, zuallererst lebensbedrohliche Situationen zu entschärfen und die kritische Infrastruktur zu schützen. Sie sind nicht dafür da, Keller auszupumpen, wenn dort keine akute Gefahr besteht. Unnötig abgesetzte Notrufe können die Leitstellen überlasten, Telefonleitungen blockieren und dadurch eine bedrohliche Gesamtlage zusätzlich verschärfen.
So alarmieren Sie richtig
Die deutschlandweit gültige Notrufnummer für Feuerwehr und Rettungsdienst ist die 112. Um der Notrufleitstelle schnell die wichtigsten Informationen zukommen lassen zu können, sind die so genannten fünf W-Fragen wichtig:
Die fünf W-Fragen
Wo? Nennen Sie den genauen Ort und die Adresse des vom Hochwasser gefährdeten Hauses
Was? Nennen Sie möglichst genau, was passiert ist. Beispielsweise starker Wassereinbruch im Keller mit einer eingeschlossenen Person.
Wer? Nennen Sie Ihren Namen und eine Rückrufnummer.
Wie viele? Nennen Sie möglichst genau die Anzahl der akut gefährdeten Personen. Bei gefährdeten Kindern nennen Sie auch deren Alter.
Warten auf Rückfragen. Wichtig ist, nicht sofort aufzulegen. Die Rettungsleitstelle beendet das Gespräch. So können Sie sicher sein, dass alle relevanten Rückfragen der Person in der Leistelle von Ihnen ausreichend beantwortet sind.
Bleiben Sie ruhig
Insgesamt gilt: Bleiben Sie ruhig und handeln Sie überlegt. Das ist im akuten Schadenfall gar nicht so einfach. Wenn Sie sich die wichtigsten Schritte aber regelmäßig vergegenwärtigen, erlangen Sie darin eine Routine, die Ihnen im Notfall hilft, besonnen zu bleiben.
