Hochwasser: So gefährdet ist mein Haus wirklich

Hochwasser ist entlang von Flussufern am wahrscheinlichsten. Große Überschwemmungen können aber – je nach Geländeprofil – auch weit vom Fluss entfernte Gebiete heimsuchen. Im langjährigen Mittel ist die Gefahr von Hagel- oder Sturmschäden am Haus zwar höher als von Hochwasser oder Starkregen. Wenn der Ernstfall aber eintritt, verursachen Sturzfluten und Flusshochwasser deutlich höhere Schäden. Das zeigen nicht zuletzt die Überschwemmungen an der Donau 2024 und im Ahrtal 2021. Daher sollten Sie als Hausbesitzer und Hausbesitzerin oder Bauherrschaft ganz genau darauf achten, wie überflutungsgefährdet Ihr Grundstück ist.

Neubaugebiet mit Bachlauf.
Ein Neubaugebiet am Flussufer am Fuße eines Mittelgebirges. © Elementa / Christina Haristes

Für alle Flusseinzugsgebiete in Deutschland gibt es adressgenaue Karten, die Auskunft darüber geben, ob und wie stark ein Grundstück durch Sturzfluten und Flusshochwasser gefährdet ist. In diesen Karten sind in der Regel die Geländeform und der bestehende öffentliche Hochwasserschutz abgebildet. Ob anstehendes Hochwasser letztlich Schäden am Haus verursacht – und wenn ja, wie hoch dieser ausfällt -, liegt maßgeblich am individuellen Schutz des Gebäudes. Sie als Bauherrschaft oder Hausbesitzer und Hausbesitzerin können also selbst viel tun, um Ihr Hab und Gut zu schützen.

Generell sollten Sie sich zuerst selbst ein genaues Bild über die Lage Ihrer Immobilie machen. Achten Sie dabei auf folgende Punkte rund um Ihr Grundstück:

  • Lage auf einer Anhöhe: Befindet sich Ihr Haus auf der Kuppe eines Hügels oder einer Erhebung, ist das Risiko für eine Überflutung gering – bei Starkregen und Flusshochwasser.
  • Hanglage: Liegt das Haus an einem Hang oder am Fuß eines Hanges, ist das Risiko bei einem Starkregenereignis erhöht. Liegt das Grundstück in der Talaue, kommt eine zusätzliche mögliche Gefährdung durch Flusshochwasser dazu.
  • Versiegelung: Ist Ihr Grundstück stark versiegelt oder befindet es sich unterhalb großer versiegelter Flächen (z. B. Parkplätze, breite Straßen), kann das Wasser schlechter versickern – das Überflutungs-Risiko steigt.
  • Entwässerungssituation: Die Leistungsfähigkeit der örtlichen Kanalisation lässt sich anhand von bloßem Augenschein schwer einschätzen. Häufig kommt es zu Engpässen, wenn eine Neubaugebiet an eine bestehende Kanalisation angeschlossen wird, ohne jedoch deren Kapazität anzupassen. Dennoch gibt es „oberflächliche“ Hinweise: Sind Bordsteine niedrig und gibt es wenige, ungünstig platzierte Gullys, kann Wasser von der Straße leicht in Einfahrten oder Keller laufen. Achtung: Die Aufnahmekapazität der Entwässerungssysteme ist häufig nicht in Hochwassergefahrenkarten berücksichtigt.
  • Gibt es Senken oder Anhöhen auf Ihrem Grundstück, die einen Abfluss etwa in eine Tiefgarage oder einen Keller begünstigen könnten?

Rechtliche Grundlagen beachten!

In der EU regelt die Richtlinie 2007/60/EG die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken. In Deutschland definiert das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) Überschwemmungsgebiete als Areale, die bei Hochwasser überflutet oder zur Entlastung bzw. Rückhaltung von Hochwasser genutzt werden. Die Landesregierungen sind verpflichtet, diese Gebiete per Rechtsverordnung auszuweisen – das betrifft in der Regel solche, in denen statistisch alle 100 Jahre Hochwasser zu erwarten ist. Für diese Gebiete gelten z. B. Bauverbote und andere öffentliche Hochwasserschutzmaßnahmen. Noch nicht festgesetzte Gebiete sind vorläufig zu sichern. Zudem besteht eine allgemeine Vorsorgepflicht für alle potenziell Betroffenen. Die Länder können durch Abweichungskompetenz eigene Regelungen erlassen; bisher nutzte nur Bayern diese Möglichkeit. Informieren Sie sich im Bedarfsfall über konkrete Pflichten der Kommune bezüglich des Schutzes ihrer Immobilie. Informationen über die ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete finden Sie auf den entsprechenden Portalen Ihres Bundeslandes. Meist stimmen die amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebiete mit Flächen überein, die bei einem 100-jährlichen Hochwasser überflutet würden („HQ100 Überschwemmungsgebiete“). Abweichungen ergeben sich beispielsweise durch die Definition von Polderflächen, oder der Übernahme von in der Vergangenheit definierten Überschwemmungsflächen.

Flusshochwasser – örtlich begrenzt, aber oft verheerend

Flusshochwasser tritt entlang von Fließgewässern auf. Flachland, breite Täler mit ebenem Grund und alle Gebiete in unmittelbarer Flussnähe sind potentiell gefährdet. Flusshochwasser hat je nach Jahreszeit unterschiedliche Ausprägungen und Ursachen. Effekte des Klimawandels werden zukünftig das Risiko für Flusshochwasser erhöhen.

Hochwasser: Ursachen und Auswirkungen unterscheiden sich

Sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit, wie er bei starken Gewitterstürmen vorkommen kann, sorgt in der Regel für plötzlichen Oberflächenabfluss. Dem Boden fehlt die Zeit, die gesamte Regenmenge versickern zu lassen. Auf versiegelten Flächen fehlen die Abflusskapazitäten, die Zuläufe zur Kanalisation sind überlastet. Beides führt dazu, dass das Regenwasser zum Großteil oberflächig abfließt. Bei langanhaltendem, großflächigen Starkregen erschöpft sich die Aufnahmefähigkeit des Bodens. Ab dann kann Regenwasser nicht mehr versickern. Auch die Kanalisation insgesamt kommt irgendwann an ihre Aufnahmegrenze und nimmt kein weiteres Wasser mehr auf. Als Ergebnis kann das weitere Regenwasser auch hier nur oberflächig abfließen. Unmittelbar kann daraus eine Sturzflut entstehen. Mittelbar fließt dieses Wasser vom Vorfluter in die größeren Flusssysteme, kann im Folgenden zum Flusshochwasser anschwellen.

Kurze Vorwarnzeit bei Starkregen

Flusshochwasser, das durch kurzzeitigen Starkregen ausgelöst wird, tritt meist nach sehr kurzer Vorwarnzeit von nur wenigen Stunden auf. Der Pegel des betroffenen Gewässers steigt dann innerhalb weniger Stunden rasch und deutlich an, erreicht in kurzer Zeit seinen Höchststand und fällt anschließend ebenfalls schnell wieder ab – oftmals normalisiert sich der Wasserstand bereits innerhalb eines Tages.

Im Gegensatz dazu entsteht Hochwasser durch langanhaltenden Starkregen häufig mit einer längeren Vorlaufzeit: Die Wettervorhersagen ermöglichen in solchen Fällen eine Warnung bereits mehrere Tage im Voraus. Der Pegel der Flüsse steigt langsamer an, das Hochwasser hält länger an (typischerweise mehrere Tage) und der Wasserstand geht anschließend nur langsam zurück, sodass die Hochwassersituation über Tage oder sogar über eine Woche andauern kann.

Unterschiedliche Ereignisse – ähnliche Folgen für das Gebäude

Wasser ist für Wohngebäude eigentlich kein Problem. Dacheindeckung, Regenrinnen und Kanalisation führen den Regen vom Gebäude weg. Auch Fenstern, Türen und Wänden kann ein regelmäßiger Regenguss nichts anhaben. Anders sieht es aus, wenn der Regen nicht von oben, sondern über die Oberfläche in Form eines Hochwassers das Haus erreicht. Das sucht sich seinen Weg hin zu den tiefsten Punkten im Gelände. Bei großflächigem Hochwasser versagen Abflüsse und Drainagen. Steht das Hochwasser am Gebäude, hilft nur ein umfassender präventiver Schutz vor der Überflutung im Haus.

Kein Schaden ist wie der andere

Ob alles mit sich reißende Sturzfluten oder großflächige Überschwemmungen – für Sie und Ihr Haus bedeutet beides eine unmittelbare Gefahr. Ob und wie ihr Haus Schaden nimmt aber unterscheidet sich von Fall zu Fall. Treibgut kann das Gebäude treffen und beschädigen, Heizöl von Ihnen oder einem ihrer Nachbarn ins Mauerwerk einziehen, Fäkalien aus der Kanalisation das Haus mit Keimen fluten. Das Wasser kann die Gebäudestruktur schädigen, die Elektroinstallation lahmlegen, elektrische Geräte und Möbel zerstören. Nicht zuletzt kann Wasser im Gebäude auch lebensgefährlich sein.

Werden Sie sich der Gefahren bewusst

Wer auf Naturgefahren vorbereitet ist, der minimiert Gesundheitsgefahren und Schäden. Dazu gehört, schon weit im Voraus Vorbereitungen zu treffen – womöglich sogar bauliche. Auch lohnt es sich, einige Verhaltensregeln für den akuten Ernstfall zu verinnerlichen und so für den Notfall gewappnet zu sein.

Stress, Sorgen, Verluste

Machen Sie sich bewusst: Jeder Schaden geht mit Ärger einher. Auch, wenn Sie Ihr Hab und Gut durch eine Elementarschadenversicherung abgesichert haben, die immateriellen Schäden kann sie nicht ersetzen. Der akute Schadenfall sorgt für erheblichen Stress. In den Tagen nach dem Notfall gesellen sich Sorgen dazu: Was genau ist zerstört, was kann gerettet werden? Sind Sie ausreichend versichert? Welche Schritte müssen Sie nun gehen? Finden Sie auf die Schnelle Handwerker, die Ihnen helfen?

Nicht einfach lossanieren

Nach einem Schaden am Haus rücken viele andere Dinge in den Hintergrund. Zuerst muss das Gebäude notdürftig gesichert werden. Dauerhafte Reparaturen hingegen sollten erst erfolgen, wenn alle versicherungsrelevanten Fragen geklärt sind – und die lassen sich oft nur durch einen Berg Papierkram beantworten. Kann die Reparatur los gehen, entstehen oft über eine längere Zeit Baulärm und Einschränkungen in den Wohnumständen.

Denn ist der Schaden größer, Ihr Haus womöglich vorerst unbewohnbar, brauchen Sie eine Bleibe – vielleicht sogar für die nächsten Wochen und Monate. Haben Sie Kleidung, Nahrungsmittel und Geld? Noch bis weit nach der Katastrophe bleiben Unsicherheiten: Wann kommt das nächste Hochwasser? Wird Ihr Haus dann verschont? Reichen die Vorkehrungen das nächste Mal aus? Das alles sind Belastungen, die Sie nicht unterschätzen sollten.

Prävention ist möglich

Wasser ist für Wohngebäude eigentlich kein Problem. Dacheindeckung, Regenrinnen und Kanalisation führen den Regen vom Gebäude weg. Auch Fenstern, Türen und Wänden kann ein regelmäßiger Regenguss nichts anhaben. Anders sieht es aus, wenn der Regen nicht von oben, sondern über die Oberfläche in Form eines Hochwassers das Haus erreicht. Das sucht sich seinen Weg hin zu den tiefsten Punkten im Gelände. Bei großflächigem Hochwasser versagen Abflüsse und Drainagen. Steht das Hochwasser am Gebäude, hilft nur ein umfassender präventiver Schutz vor der Überflutung im Haus.

Von Vornherein auf Naturgefahren achten

Bedenken Sie bei Neubau- und Sanierungsarbeiten immer die möglichen Naturgefahren. Zwar sind sichere Bauteile in der Anschaffung etwas teurer als „einfache“ Bauteile. Ihr Einbau lohnt sich aber vielleicht schon beim ersten kleineren Hochwasser – nicht nur finanziell. Denn mit ihnen erkaufen Sie sich auch ein sichereres Gefühl und ersparen sich alle materiellen und immateriellen Nachteile eines großen Schadens. Es kann sich also je nach Standort Ihres Hauses lohnen, bei einer ohnehin anstehenden Sanierung oder beim Neubau von vornherein auf den Gebäudeschutz vor Naturgefahren zu achten.