Klimawandel und Flusshochwasser: Zunehmende Risiken
durch mehr Wetterextreme

Der Klimawandel wird die Gefahr von Flusshochwasser in Deutschland künftig deutlich beeinflussen – allerdings auf komplexe und regional unterschiedlich ausgeprägte Weise. Eine zentrale Rolle spielen dabei die zunehmenden Starkregenereignisse, die sowohl im Sommer als auch im Winter häufiger und intensiver auftreten werden.

Hochwasser am Rhein.
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Stabile Wetterlagen sind gefährlich

Insgesamt ist eine Tendenz zu langanhaltenden, stabilen Wetterlagen zu beobachten. Bleibt eine Wetterlage über längere Zeit bestehen (eine „blockierende Wetterlage„) und bringt anhaltenden Niederschlag über ein Gebiet, kann dies zur Übersättigung der Böden führen – mit der Folge, dass sich flussgebietsweite Hochwasserereignisse häufen. Ähnlich wirken sich langanhaltende Trockenphasen aus, denen intensive Regenperioden folgen: Durch die ausgetrockneten und verkrusteten Böden kann das Wasser kaum versickern und fließt verstärkt oberflächlich ab. Das erhöht das Risiko für Sturzfluten und lokal bis regional ausgeprägte Hochwasserereignisse.

Weltklimarat: In Zukunft mehr Hochwasser

Der aktuelle Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC bestätigt diese Entwicklung mit hoher Sicherheit: Für Mitteleuropa – und damit auch für Deutschland – wird bis zum Ende des Jahrhunderts ein signifikanter Anstieg von Flusshochwassern oberhalb der 100-jährlichen Wiederkehrwahrscheinlichkeit erwartet, mit einer möglichen Zunahme von bis zu 18 Prozent. Diese Prognose ist besonders bedeutsam, da die 100-jährliche Hochwasserwahrscheinlichkeit eine zentrale Bezugsgröße für die Planung von Hochwasserschutzmaßnahmen darstellt.

Weniger Frost und Schnee – oder doch nicht?

Gleichzeitig zeigen sich gegenläufige Entwicklungen bei bestimmten Hochwasserursachen: Die Zahl der Tage mit Bodenfrost sowie die Bildung von Eisschollen auf Flüssen wird künftig deutlich zurückgehen. Das Risiko für winterliche Hochwasser durch Eisstau wird dadurch langfristig abnehmen. Dennoch können langanhaltende Blockadelagen mit polaren Luftmassen im Winter auch in Zukunft zu Phasen mit intensiver Kälte führen – mit entsprechendem Risiko für frostbedingte Hochwasserereignisse.

Schneefall als Störgröße

Ein weiterer gesicherter Trend betrifft den Rückgang der Schneefälle in den Mittelgebirgen und Alpen. Weniger Schnee bedeutet auch weniger Hochwasser durch Schneeschmelze im Frühjahr.

Allerdings ist die Entwicklung bei extremen Schneefallereignissen schwerer vorherzusagen. Obwohl insgesamt weniger Schnee fällt, kann es infolge wärmerer Ozeane zu vermehrten starken Schneefällen kommen: wenn feuchtwarme Luftmassen auf kalte subpolare Luft treffen, kann dies zu intensivem Schneefall führen. Schmilzt eine solche Schneedecke bei raschem Temperaturanstieg – möglicherweise noch verstärkt durch Regen –, kann dies große Abflussmengen verursachen und zu Schneeschmelze-bedingtem Hochwasser führen.

Regionale Aspekte beachten

Angesichts dieser komplexen Entwicklungen wird deutlich: Hochwasserschutzstrategien müssen an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst werden. Der Klimawandel sorgt insgesamt für häufigere und intensivere Hochwasserereignisse, insbesondere durch Starkregen. Gleichzeitig bleiben präzise Vorhersagen zu künftigen Pegelständen und Abflussspitzen schwierig, da zahlreiche Einflussfaktoren zusammenwirken – darunter Niederschlagsmuster, Schneeverhältnisse, Bodenfeuchte sowie regionale Besonderheiten.

Der menschliche Einfluss

Entscheidend ist zudem das Zusammenspiel zwischen Klimaeinflüssen und menschlichen Eingriffen in die Landschaft. Regionale und lokale Bedingungen – von der Flächenversiegelung über Flussbegradigungen bis hin zu weiträumigen Renaturierungsmaßnahmen – können die Auswirkungen des Klimawandels erheblich verstärken oder abmildern. Deshalb sollte jede Bewertung des zukünftigen Hochwasserrisikos stets im lokalen Kontext erfolgen und die jeweilige Landnutzung sowie das Einzugsgebietsverhalten berücksichtigen.