Build Back Better
Aus Schaden wird man klug:
Hagelsichere Sanierung beschädigter Gebäude
Unter „Build Back Better“ („besserer (Wieder-)Aufbau“) versteht man das Prinzip, Renovierungen nach einem Schadenereignis so auszuführen, dass so etwas nicht erneut passieren kann. Besonders nach Naturkatastrophen kommt „Build Back Better“ eine wichtige Bedeutung zu. Denn es bewirkt eine wirksame und zielgerichtete Anpassung an Klimafolgen, zu denen auch immer häufiger und intensiver auftretender Hagelschlag gehört. Ursprünglich aus dem Katastrophenschutz für übergeordnete Schutzmaßnahmen entwickelt, wird „Build Back Better“ immer mehr auch für einzelne Wohngebäude adaptiert.

„Build Back Better“ an Wohngebäuden
Konkret beziehen sich Maßnahmen des „Build Back Better“ auf Wohngebäude, die nach Schadenfällen wie Naturkatastrophen komplett neu errichtet oder grundlegend saniert werden müssen. Dabei soll die Resilienz gegen die Ursachen des aufgetretenen Schadens erhöht werden. Ziel der „Build Back Better“-Maßnahmen ist, ähnliche Schäden am sanierten Gebäude tunlichst zu vermeiden. In der Praxis werden solche Arbeiten oft mit „Build Back Greener“-Maßnahmen verknüpft, also klimaschonende und energieeffiziente Lösungen für das neue Gebäude.
Die Analyse nach einem Schadenfall
Um einen wirksamen „Build Back Better“-Plan zu erstellen, müssen unterschiedliche Expertinnen und Experten den aufgetretenen Schaden zuerst umfänglich analysieren. Ursachen, Wirkungen und mögliche Verbesserungen sollten dabei klar benannt werden. Dabei spielt nicht nur der Schaden an einem Gebäude selbst eine Rolle. Auch die Begleitumstände – etwa die Ausrichtung des Gebäudes, sein Standort, die umgebende Bebauung und das allgemeine Landschaftsbild – können relevant sein. Wichtig im spezifischen Fall des Hagelschadens: Wie hoch ist das allgemeine Risiko für schwere Hagelunwetter?
Naturgefahren: Ein Milliardenrisiko
In den Statistiken der deutschen Versicherer nimmt der Aufwand nach Naturschadenereignissen Jahr für Jahr zu – mit einem bisherigen traurigen Höchststand im Jahr 2021 mit versicherten Schäden in Höhe von 13,9 Milliarden Euro. Die verheerenden Flutkatastrophen im Ahrtal und in der nordrhein-westfälischen Eifel allein sind dabei für versicherungsrelevante Schäden von rund 10,9 Milliarden Euro verantwortlich.
Gefahr Hagel
In den Statistiken der Versicherer nehmen Sturm- und Hagelschäden in „normalen“ Jahren ohne großflächige Überschwemmungen und Sturzfluten den größten Einzelposten ein. Hagelkörner verursachen unmittelbare und mittelbare Schäden an Gebäuden. Unmittelbar können Hagelkörner Dacheindeckungen, Fenster, Rollläden und Fassaden beschädigen. Mittelbar sorgen diese Schäden dafür, dass Wasser durch beschädigte Bauteile ins Gebäude gelangen kann. Hagel und begleitende Fremdkörper wie Laub, Schlamm oder Geröll können zudem die Entwässerung eines Gebäudes beeinträchtigen. Dann fließt Niederschlagswasser nicht mehr kontrolliert ab und kann dadurch ins Gebäude eindringen.
„Build Back Better“: Keine Vorschrift in Deutschland
Anders als in Österreich und der Schweiz gibt es in Deutschland keine konkreten Bauvorschriften, die Hagelgefahr adressieren. Daher beruhen Planungen zu „Build Back Better“ bei Hagelschäden auf dem konkreten Schadenfall und allgemeinen Erfahrungen. Auch die umfangreiche Arbeit unserer südlichen Nachbarn können hierzulande in Planungen einfließen. So unterscheidet das Hagelregister der Vereinigung Kantonaler Versicherer in der Schweiz fünf Hagelwiderstandsklassen (HW 1 bis HW 5) für Baustoffe. Für deren Prüfung haben die Eidgenossen gemeinsam mit Experten aus Österreich eigens Normen entwickelt.
Orientierung an Hagelwiderstandsklassen
„Build Back Better“-Maßnahmen sollten sich an diesen Hagelwiderstandsklassen orientieren. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfiehlt etwa, beim Wiederaufbau nach einem Hagelschaden mindestens HW 3 zu erreichen. Die Erfahrungen aus Österreich und der Schweiz zeigen: Viele hagelresistente Bauteile sind nicht teurer als vergleichbare Bauteile ohne nachgewiesenem Hagelschutz. Somit fällt in den allermeisten Fällen eine Kosten-Nutzen-Rechnung positiv zugunsten der hagelresistenten Bauteile aus. Vor allem, wenn man die Kosten einer möglichen Reparatur nach einem weiteren Hagelschaden und die Möglichkeit geringerer Versicherungskosten mit einberechnet.

