Prüfkriterien

So werden Bauteile aktuell auf ihre Wetterfestigkeit hin überprüft

In Deutschland gibt es kein einheitliches Klassifizierungssystem für hagelsichere Baustoffe. Allerdings gibt es einige Prüfnormen für Hagelschlag. Vor allem Dachziegel, Lichtkuppeln und Photovoltaik-Anlagen werden hierzulande einer Hagelprüfung unterzogen, also auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen Hagelschlag geprüft. Entsprechende Baustoffe sind dann meistens mit der zugrundeliegenden DIN-Norm etikettiert, bei Dachziegeln ist das die DIN EN 13583. Nach dieser Norm werden auch weitere Bauelemente, etwa Dämmplatten, überprüft.

Ein Bauleiter berät eine Familie beim Hausbau.
© Elementa / Christina Haristes

Hagelprüfung in der Schweiz

Verbraucherfreundlicher ist die Schweiz: Dort gibt es Hagelprüfungen, die Baustoffe in fünf Hagelwiderstandsklassen (HW) einteilen. Sie richten sich nach dem Durchmesser der Hagelkörner: HW 1 beschreibt Hagelkörner mit einem Zentimeter, HW 5 Körner mit fünf Zentimetern Durchmesser. Auf entsprechend geprüften Baustoffen und Bauteilen können Endkundinnen und Endkunden so auf einen Blick erkennen, wie hagelsicher diese sind. Die Kategorisierung beruht auf den Richtlinien der Vereinigung der kantonalen Feuerversicherungen.

Hagelprüfung: Fast alle exponierten Baustoffe werden gecheckt

In der Schweiz werden eine ganze Reihe an Baustoffen auf ihre Hagelresistenz hin geprüft. Neben Dachziegeln, Lichtkuppeln und Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) werden auch Dämmplatten, Dachfenster, Rollläden, Pool-Überdachungen, Briefkästen und vieles mehr der Hagelprüfung unterzogen. Viele der für die Schweiz getesteten Bauteile finden Sie in unserem Bauteilregister.

Hagelprüfung: So geht‘s

Die Hagelprüfung erfolgt mithilfe einer Druckluftkanone oder einer Hagelarmbrust. Eiskugeln mit dem Durchmesser der entsprechenden HW (das entspricht ein bis fünf Zentimeter großen Hagelkörnern) werden in der Regel senkrecht (bzw. in festgelegtem Winkel) auf die Baustoffe „geschossen“. Kugeln der HW 2 (zwei Zentimeter Durchmesser, 3,6 Gramm schwer) erreichen dabei eine Endgeschwindigkeit von 19,5 Metern pro Sekunde (das entspricht gut 70 Stundenkilometern), Geschosse der HW 5 (fünf Zentimeter Durchmesser, 56,9 Gramm schwer) sind etwa 30,8 Meter pro Sekunde, also knapp 111 Stundenkilometer schnell. Auf die Baustoffe wirkt somit eine kinetische Energie von 0,69 Joule (HW 2) bis 27 Joule (HW 5). Widerstehen die Bauteile den Beschuss schadlos, erfüllen sie die jeweilige Hagelwiderstandsklasse.

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Mehr Informationen

Hagelprüfung: Wer hat’s erfunden?

Die Hagelwiderstandsklassen und damit auch die Hagelprüfung nach diesem Schema gehen auf eine Initiative der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) zurück. Inzwischen gibt es einige Institute und Forschungseinrichtungen, die auf Hagelwiderstandsklassen hin prüfen können. Hochwertige Hagelbeschuss-Anlagen gibt es in der Schweiz und in Österreich. Inzwischen hat auch das Institut zur Prüfung und Zertifizierung von Bauprodukten, Sicherheitstechnik und Schutzausrüstung (ift) Rosenheim eine Hagelbeschuss-Anlage und prüft Bauteile nach den VKF-Richtlinien.

Hagelprüfung für PV-Anlagen

In Deutschland sind mit Ausnahme der nun deutlich erweiterten Prüfmöglichkeiten am ift in Rosenheim vor allem Hagelschutzprüfungen von PV-Anlagen etabliert. Hier erfolgt der Beschuss normgerecht in der Regel unter Einsatz von Stahlkugeln.

Versicherungen verlangen Mindestschutz

In Regionen mit erhöhter Hagelgefahr in der Schweiz kann es sein, dass Gebäudeversicherungen für Neubauten oder Sanierungen eine HW-Mindestanforderung an die verwendeten Materialen empfehlen oder gar verlangen. Auch gibt es Kantone, die in besonders gefährdeten Regionen Auflagen erlassen.

Keine generelle Pflicht, eine HW in Deutschland zu erfüllen

In Deutschland gibt es keine generelle Pflicht, hagelsicher zu bauen. Aber auch hier kann es vom Versicherer empfohlen werden. Einige Gemeinden, Landkreise und Bundesländer fördern zudem hagelsicheres Bauen, insbesondere wenn es in Kombination mit energetischen Maßnahmen erfolgt. Außerdem gibt es in gefährdeten Regionen inzwischen vor allem beim behördlichen Bauen sowie bei Gewerbeimmobilien entsprechende Anforderungen in Ausschreibungen. Wie hoch die Hagelgefahr an Ihrem Wohnort ist, erfahren Sie hier.