Mögliche Hagelschäden am Gebäude
Hagel kann an Wohngebäude unterschiedliche Schäden verursachen. Von kleinen Beulen und Dellen an Alu-Rollläden oder Garagen-Blechdächern über Löcher in der Fassade und zerschlagene Rollläden bis hin zu großflächig zertrümmerten Dachziegeln mit massivem Wasserschaden durch eindringenden Niederschlag ist vieles möglich. Hagelrisiko besteht in ganz Deutschland, wenn auch in unterschiedlicher Intensität.

Hagelgröße und -form bestimmen den Schaden
Die maximale Größe von Hagelkörnern bestimmt maßgeblich, wie stark der Schaden am Boden ausfällt. Vor allem bei größeren Körnern spielt nicht nur die Größe, sondern auch deren Dichte und die Form eine wichtige Rolle. Große Hagelkörner sind selten perfekt rund – sie entwickeln oft unregelmäßige, komplexe Formen mit rauer Oberfläche oder tropfsteinartigen Auswüchsen. Besonders spitze oder gezackte Formen verstärken bestimmte Schadensarten zusätzlich. Mehr zur Entstehung von Hagel lesen Sie hier.
Schadenpotenzial richtet sich nach dem größten Hagelkorn im Sturm
Fachleute verwenden zur Bewertung des Schadenpotentials das größte gemessene Hagelkorn (maximaler Durchmesser) und nicht den mittleren Durchmesser. Grob lässt sich sagen, dass Hagel ab einem Zentimeter Durchmesser Schäden an Getreide und zarten Pflanzen verursacht, ab zwei Zentimetern sind Gebäudeschäden möglich, während ab fünf Zentimetern Gefahr für Menschen und Tiere besteht.
Aufprallenergie ist wichtig
Doch nicht nur die Größe zählt: Entscheidend ist die Aufprallenergie. Diese hängt direkt mit der Aufprallgeschwindigkeit zusammen, welche wiederum von der Hagelgröße und den Windverhältnissen beeinflusst wird. Ein Beispiel: Fällt haselnussgroßer Hagel bei Windstille, kann er Obst beschädigen oder Pflanzen abbrechen. Doch wenn starker Wind dieselben Hagelkörner antreibt, können sie Fensterscheiben zerschlagen oder Autokarosserien eindellen.
Welche Energie setzen Hagelkörner frei?
Welche Energie setzen Hagelkörner frei?
Die folgende Tabelle basiert auf experimentellen Daten und realen Beobachtungen. Sie zeigt, wie sich die maximale Hagelkorngröße auf die Aufprallgeschwindigkeit und die damit verbundene kinetische Energie auswirkt (in Joule pro Quadratmeter). Man beachte dabei die überproportional ansteigende kinetische Energie bei ansteigender Korngröße.
| Hageldurchmesser (cm) | Aufprallgeschwindigkeit (km/h) | Kinetische Energie (J/m2) |
|---|---|---|
| 1 | 56,5 | 0,0 |
| 2 | 65,1 | 0,1 |
| 3 | 72,0 | 0,4 |
| 4 | 77,8 | 9,5 |
| 5 | 83,0 | 26,0 |
| 6 | 90,2 | 58,9 |
| 7 | 95,6 | 117,7 |
| 8 | 99,2 | 214,5 |
| 9 | 108,8 | 363,9 |
| 10 | 126,5 | 584,1 |
„Es hagelt Bowlingkugeln“
Um die durch Hagel verursachte kinetische Energie besser einordnen zu können, helfen anschauliche Vergleiche:
100 J/m²: entspricht dem Aufprall eines kräftig geschossenen Fußballs
200 J/m²: vergleichbar mit einem Ziegelstein, der aus 1,5 bis zwei Metern Höhe fällt
300 J/m²: ähnlich wie der Aufprall einer Bowlingkugel aus zwei Metern Höhe
500 J/m²: entspricht einem starken Schlag mit einem Vorschlaghammer.
Diese Werte zeigen, dass schon mittelgroßer Hagel erhebliche Kräfte entfalten kann, gerade wenn starke Winde hinzukommen.
Die TORRO-Hagelskala: Wie man Hagelstürme einstuft
Die TORRO-Hagelskala: Wie man Hagelstürme einstuft
Ähnlich wie es bei Windgeschwindigkeiten (Beaufort-Skala) oder Erdbeben (Richterskala) der Fall ist, existiert auch für Hagel eine standardisierte Bewertungsskala: die TORRO Hailstorm Intensity Scale. Sie stuft Hagelereignisse in elf Kategorien von H0 bis H10 ein.
Die Skala wurde von der Tornado and Storm Research Organisation (TORRO) für die britischen Inseln entwickelt, lässt sich jedoch auch auf mitteleuropäische Verhältnisse – etwa in Deutschland – übertragen. Wichtig zu wissen ist dabei, dass sich die TORRO-Skala in erster Linie am Schadensbild und nicht an der Hagelkorngröße orientiert. Das bedeutet, das in Regionen mit weniger widerstandsfähigen Gebäuden dieselbe Hagelintensität zu deutlich größeren Schäden führt. Das hat Einfluss auf die Einordnung innerhalb der TORRO-Skala.
| TORRO-Skala | Intensitätskategorie | Typischer Hageldurchmesser (mm) | Typische Schadensauswirkungen |
|---|---|---|---|
| H0 | Harter Hagel | 5 | Kein Schaden |
| H1 | Potenziell schädlich | 5–15 | Geringe allgemeine Schäden an Pflanzen und Feldfrüchten |
| H2 | Signifikant | 10–20 | Erhebliche Schäden an Obst, Feldfrüchten und Vegetation |
| H3 | Schwerwiegend | 20–30 | Schwere Schäden an Obst und Feldfrüchten, Schäden an Glas- und Kunststoffstrukturen, Kratzer an Lack und Holz |
| H4 | Schwerwiegend | 25–40 | Weit verbreitete Glasschäden, Schäden an Fahrzeugkarosserien |
| H5 | Zerstörerisch | 30–50 | Vollständige Zerstörung von Glas, Schäden an Ziegeldächern, erhebliches Verletzungsrisiko |
| H6 | Zerstörerisch | 40–60 | Dellen an geparkten Flugzeugen, Abplatzungen an Ziegelwänden |
| H7 | Zerstörerisch | 50–75 | Schwere Dachschäden, Risiko schwerer Verletzungen |
| H8 | Zerstörerisch | 60–90 | Schwere Schäden an Flugzeugkarosserien |
| H9 | Super-Hagelstürme | 75–100 | Umfassende strukturelle Schäden, Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen für Personen im Freien |
| H10 | Super-Hagelstürme | >100 | Umfassende strukturelle Schäden, Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen für Personen im Freien |
Welche Schäden können durch Hagelschlag am Gebäude entstehen?
Direkte Schäden durch Hagel:
- Dachschäden:
Dacheindeckungen etwa aus Ziegel oder Bitumen werden häufig durch Hagelkörner beschädigt. Typisch sind Risse, Bruchstellen oder komplette Durchschläge der Dachhaut, wodurch das Dach undicht wird. - Beschädigung von Dachaufbauten:
Lichtkuppeln, Dachfenster, Solaranlagen, Antennen, Klimaanlagen und andere Aufbauten auf dem Dach sind besonders gefährdet und können beschädigt werden. - Fassadenschäden:
Hagelkörner können Putz von der Hauswand abschlagen, Risse in Fassadenverkleidungen verursachen oder sogar massive Mauerwerke beschädigen. - Fenster- und Rollladenschäden:
Glasflächen, Fensterrahmen und Rollläden (insbesondere aus Kunststoff oder Aluminium) werden häufig durch Hagel stark beschädigt oder zerstört. - Beschädigung technischer Anlagen:
Außenliegende technische Anlagen wie Klimageräte, Wärmepumpen, Lüftungshauben oder Rolltore können durch Hagel stark in Mitleidenschaft gezogen werden.
Typische Folgeschäden nach Hagel
Da Hagelgewitter typischerweise mit starken Regenfällen einhergehen, sind massive Feuchteschäden häufige Sekundärschäden:
- Wassereinbruch:
Durch beschädigte Dächer, Fenster oder Fassaden kann Regenwasser ungehindert ins Gebäude eindringen. Dies führt zu Feuchtigkeitsschäden an Wänden, Decken und Böden. - Durchfeuchtung der Dämmung:
Die Wärmedämmung unterhalb der Dachhaut oder in der Fassade kann sich mit Wasser vollsaugen, wodurch ihre Dämmwirkung verloren geht und teure Sanierungen erforderlich werden. - Schäden an der Bausubstanz:
Eindringende Feuchtigkeit kann Putz, Estrich, Holzbauteile und Mauerwerk schädigen. Langfristig drohen Schimmel, Schwammbefall und strukturelle Schäden. - Schäden an der Gebäudetechnik:
Wasser kann elektrische Installationen, Brandmeldeanlagen, Beleuchtung oder Maschinen beschädigen, was zu Ausfällen und hohen Reparaturkosten führt. - Schäden am Inventar:
Möbel, Elektronik, Textilien und andere Einrichtungsgegenstände können durch eindringendes Wasser ebenfalls beschädigt oder zerstört werden.
So werden Hageleinschläge im Labor untersucht
Um die Auswirkungen von Hagelschlag unter Laborbedingungen untersuchen zu können und letztlich Zertifizierungen von Bauteilen bezüglich ihrer Resistenz gegen Hagelschlag vornehmen zu können, werden Hagelwerfer verwendet. Bei den Tests wird das geprüfte Element unter exakt vorgegebenen Bedingungen mit unterschiedlich großen Kugeln aus Klareis an definierten Stellen mehrfach beschossen und überprüft, ob sich Schäden feststellen lassen. Details dazu finden Sie hier.

