Kommunale Maßnahmen zum Wasserrückhalt

Das kommunale Starkregenrisikomanagement ist eng mit den klassischen Aufgaben des Hochwasserschutzes verknüpft. Ziel ist es zum einen, zu verhindern, dass Wasser bei Starkregenereignissen unkontrolliert in städtische Räume eindringt und Siedlungen bedroht. Hierzu zählen Maßnahmen wie der Bau und die Instandhaltung von Stauwehren und Deichen. Zum anderen soll durch vorausschauendes Wassermanagement sichergestellt werden, dass die Pegelstände von Flüssen nicht gefährlich ansteigen – beispielsweise durch die Schaffung von Retentionsflächen oder durch Renaturierungsmaßnahmen. Im Folgenden wird dargestellt, welche Rolle zentrale Elemente des Starkregenmanagements auf kommunaler Ebene spielen und welche Aufgaben den Kommunen dabei zukommen. Aufgaben und Herausforderungen des regionalen Starkregenschutzes lesen Sie hier, die des überregionalen hier.

Regen, der aus einer Wolke fällt
Regenschleier in einer Mittelgebirgslandschaft.© Pixabay

Deiche

Deiche stellen eine klassische, technische Hochwasserschutzmaßnahme dar, deren Wirksamkeit jedoch auch im Hinblick auf Starkregenfolgen überprüft werden muss. Kommunen sind für die Planung, Unterhaltung und regelmäßige Kontrolle dieser Bauwerke zuständig. Dabei ist zu beachten, dass Deiche zwar vor Flusshochwasser schützen, gleichzeitig aber durch die Einengung des Flussbetts zu höheren Wasserständen führen können. Wo möglich, sollten natürliche Überschwemmungsflächen den Vorrang vor technischen Deichlösungen erhalten, da letztere häufig zur ökologischen Fragmentierung von Auenlandschaften führen. Das Versagen eines Deiches kann verheerende Folgen haben – umso wichtiger sind eine sorgfältige Wartung und das Vorhalten von Notfallplänen.

Retentionsflächen

Retentionsflächen spielen im kommunalen Starkregenmanagement eine zentrale Rolle. Sie nehmen bei Starkregenereignissen Wasser auf, speichern es temporär und lassen es langsam versickern. Kommunen sind für die Ausweisung und Pflege solcher Flächen verantwortlich, etwa in Form von Auen, Wiesen oder innerstädtischen Grünflächen. Idealerweise werden diese als Teil einer wassersensiblen Stadtentwicklung multifunktional genutzt – etwa als Parkanlagen oder naturnahe Biotope. So entsteht ein naturnaher Hochwasserschutz, der zugleich Biodiversität fördert und zur Grundwasserneubildung beiträgt. Allerdings stehen Retentionsflächen oft in Konkurrenz zu Siedlungsbauprojekten und erfordern regelmäßige Pflege und Kontrolle.

Regenrückhaltebecken

Regenrückhaltebecken sind dagegen technische Bauwerke, die große Wassermengen temporär speichern und anschließend kontrolliert wieder abgeben. Sie müssen an die spezifischen Starkregen-Szenarien vor Ort angepasst werden. Grundlage für deren Bemessungen sind unter anderem Starkregendaten des DWD (KOSTRA). Wo möglich, sollten Rückhaltebecken naturnah gestaltet werden – zum Beispiel durch bepflanzte Dämme – um ökologische Synergien zu nutzen. Ihre Vorteile liegen in der präzisen Steuerung von Abflussmengen und ihrer hohen Speicherkapazität. Gleichzeitig ist der ökologische Wert dieser Anlagen in der Regel geringer als bei natürlichen Retentionsflächen, zudem sind Bau- und Wartungskosten vergleichsweise hoch.

Renaturierung

Renaturierungsmaßnahmen zielen darauf ab, begradigte Flüsse und Bäche wieder in naturnahe Zustände zu überführen. Dies reduziert die Strömungsgeschwindigkeit, schafft zusätzliche Überflutungsflächen und verringert die Erosionsgefahr. Neben dem Hochwasserschutz tragen Renaturierungen auch zum Schutz empfindlicher Ökosysteme – etwa von Auwäldern – sowie zur Verbesserung des Grundwasserhaushalts bei. Kommunen sind hierbei gefordert, Nutzungskonflikte – insbesondere mit dem Siedlungsbau – im Rahmen der Raumplanung zu lösen.

Landschaftliche Strukturierung mitbedenken

Da solche Maßnahmen flächenintensiv sind und langfristiger Planung bedürfen, sollten sie frühzeitig in die kommunale Entwicklungsstrategie integriert werden. Ergänzend sind Maßnahmen zur Bodenbedeckung, Hangbepflanzung und landschaftlichen Strukturierung sinnvoll, um den Oberflächenabfluss bei Starkregenereignissen zusätzlich zu verringern – insbesondere in ländlich geprägten oder topografisch sensiblen Räumen.

Verklausung – eine Gefahr für Stauwehre

Ein besonderes Augenmerk gilt Stauwehren und potenziellen Verklausungen, also dem Verstopfen von Bauwerken durch Treibgut wie Äste oder Müll, das bei Starkregen mitgeführt wird. Solche Verklausungen können Rückstau und unkontrollierte Überflutungen verursachen. Kommunen können dem durch bauliche und organisatorische Maßnahmen begegnen: Beispielsweise durch den Einbau von Rechen oder Netzen oberhalb kritischer Infrastrukturen, durch regelmäßige Gewässerkontrollen und Räumungen vor der Starkregensaison sowie durch die Integration von Verklausungsrisiken in bestehende Alarm- und Einsatzpläne – inklusive der Vorhaltung von Räumtrupps. In waldreichen Regionen kann es sinnvoll sein, Schutznetze zu installieren, um das Einspülen von Holzresten bei Sturzfluten zu verhindern.

Wasser macht nicht vor Grenzen halt

Insgesamt zeigt sich: Ein wirksames kommunales Starkregenmanagement erfordert ein Zusammenspiel technischer, naturnaher und planerischer Maßnahmen. Kommunen tragen dabei eine zentrale Verantwortung – sowohl für die bauliche Umsetzung als auch für die strategische Einbindung in ihre Stadt- und Landschaftsplanung. Im kleinen wie im großen Maßstab muss berücksichtigt werden, welche Folgen das Handeln in der eigenen Kommune für umliegende Regionen haben kann. Die Eindämmung eines Flusses mag eine Siedlung schützen, kann aber stromabwärts verheerende Auswirkungen haben. Gleiches gilt schon auf der Ebene einzelner Grundstücke: Wenn ein Nachbar das Wasser von seinem Grundstück ableitet, dürfen die anderen nicht darunter leiden. Es ist daher unerlässlich, wenn auch leider nicht selbstverständlich, Starkregenschutz ebenso wie Hochwasserschutz regional und überregional zu denken und sich mit benachbarten Gemeinden abzustimmen.