Die Säulen erfolgreicher
Hochwasser-Vorsorge
Dass Bäche und Flüsse aufgrund langanhaltender oder besonders heftiger Niederschläge anschwellen und es zu Hochwasser kommt, lässt sich nicht verhindern. In Zukunft wird es aufgrund des Klimawandels sogar zu häufigeren und schwerwiegenderen Starkregen kommen – da ist sich die Forschung weitgehend einig. Sehr wohl aber können wir unsere Umwelt so gestalten, dass die Gefahren durch Hochwasser für Leib und Leben sowie für Sachwerte minimiert werden. Hochwasser- und Starkregenschutz muss dabei zwingend auf mehrere Schultern verteilt werden. Dabei ist ein Management nötig, das Schäden verhindert, nicht verteilt oder verschiebt.

Hochwasserschutz baut auf mehreren Säulen auf
Flusshochwasser treten in der Regel in einem bekannten und klar abgrenzbaren Gebiet auf. Trotzdem ist der Schutz vor Hochwasser eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und geht uns alle an. Um Schäden an Gebäuden, der Verkehrs- und technischen Infrastruktur sowie landwirtschaftlichen Flächen zu vermeiden, bedarf es daher konzertierter Anstrengungen verschiedener Akteure. Ganz individuell können Gebäudebesitzer und -besitzerinnen durch resilientes Bauen dafür sorgen, dass Schäden durch Hochwasser am Wohngebäude möglichst gering ausfallen. Das aber wird großflächige Überflutungen nicht verhindern. Vielmehr müssen die Gesellschaft und Verantwortliche auf unterschiedlichen Ebenen dazu beitragen, dass Überflutungen entweder unterbunden oder – je nach Ereignis – kontrollierbar werden.
Starkregen- und Hochwasserschutz – politischer und regionaler Spielball
Eine naheliegende Reaktion auf zu viel Wasser ist, es möglichst schnell und kontrolliert ab- und umzuleiten, sodass es an Ort und Stelle keine Schäden anrichtet. Das gilt kleinräumlich wie großflächig. Das Wasser ist dann aber nicht weg, sondern nur an einen anderen Ort verdrängt. Überschwemmungsschutz beginnt also im Grunde dort, wo Regenwasser auf den Boden trifft – endet dort aber beileibe nicht. Ein Starkregen kann im Oberlauf eines Gewässers zu einer Sturzflut führen, im weiteren Verlauf zu einem Flusshochwasser werden. Der Starkregen löst eine Kettenreaktion aus, der konzertiert begegnet werden sollte. Da Überschwemmungs- und Hochwasserschutz aber Geld, Platz und weitere Ressourcen kosten, sind entsprechende Planungen oft umstritten.
Siedlungen und Landnutzung
Deutschland ist dicht besiedelt, liegt im EU-Vergleich hinter den Niederlanden und Belgien auf dem dritten Rang. 230 Menschen teilen sich hierzulande im Durchschnitt einen Quadratkilometer. Entsprechend umkämpft ist die Landnutzung. Siedlungs- und Gewerbegebiete, Verkehrsflächen und landwirtschaftliche Flächen sowie Wälder konkurrieren miteinander. Darum fallen Diskussionen oft heftig aus, wenn große Flächen als Überflutungsgebiete mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten ausgewiesen werden sollen. Zumal wenn diese Flächen nicht oder nur kaum dem unmittelbaren Schutz der Anrainer, sondern womöglich weit flussabwärts lebenden Menschen dienen. Regionale, politische und wirtschaftliche Interessen stoßen hier aufeinander. Am Ende stehen Abwägungsentscheidungen, die nicht zwangsläufig zum bestmöglichen Überschwemmungsschutz führen.
So positioniert sich Elementa – Zentrum Naturgefahren
Nur wenn alle Ebenen ihren Beitrag leisten, ist ein umfassender Schutz vor Überflutungen möglich. So, wie eine komplizierte Mechanik nur dann funktioniert, wenn alle Zahnräder ineinandergreifen, gelingt effektiver Hochwasserschutz nur gemeinsam. Gleichzeitig ist Überschwemmungsschutz von komplexen Variablen abhängig, sodass übergeordnete Planungen ohne kleinräumliche Differenzierungen nicht möglich sind. Genau das macht den umfassenden Schutz vor Überflutungen so schwierig. Eine Wechselwirkung zwischen lokalen Maßnahmen und überregionalen Vorgaben ist also unerlässlich – und sollte möglichst großflächig koordiniert werden.
