Build Back Better
Neu – aber besser
Build Back Better steht für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Schäden an Gebäuden durch Naturgefahren. Es geht nicht mehr nur darum, beschädigte Bausubstanz zu reparieren – sondern darum, beim Wiederaufbau oder bei der Sanierung gezielt Maßnahmen umzusetzen, die zukünftige Schäden vermeiden oder zumindest wesentlich abmildern. Besonders relevant ist dieses Prinzip im Zusammenhang mit Extremwetterereignissen, wie sie durch den Klimawandel zunehmen – allen voran Starkregen mit Überflutung und Sturzfluten.

Build Back Better: Mehr als Status Quo erhalten
In der Praxis bedeutet das: Wiederaufbau soll nicht bloß den vorherigen Zustand wiederherstellen, sondern besser und robuster gestaltet sein – funktional, materiell und konstruktiv. Für Planerinnen und Planer ist dies eine klare Aufforderung, vorhandene Schwachstellen konsequent zu identifizieren und in tragfähige, standortangepasste Lösungen zu übersetzen. Die Umsetzung erfolgt dabei idealerweise in Kombination mit energetischen und nachhaltigen Sanierungsstrategien (Build Back Greener), sodass ein Mehrwert auf mehreren Ebenen entsteht: baulich, ökologisch, wirtschaftlich.
Ausgangspunkt: Die technische und kontextuelle Schadensanalyse
Jede Maßnahme beginnt mit der fachlich fundierten Schadensanalyse. Hier ist insbesondere die Rolle der Architekten und Fachplaner entscheidend, um Ursachen, Schwachstellen und Potenziale systematisch zu erfassen. Wichtige Fragen sind etwa: Welche baulichen Elemente waren besonders betroffen? Auf welchem Wege drang das Wasser ein? Welche Rolle spielte die Topographie des Grundstücks, die Ausrichtung des Gebäudes, die Gestaltung der Außenanlagen oder die Nachbarbebauung? Einen ersten Hinweis geben unsere Risikokarten.
Baukörper und Haustechnik
Basierend auf der Analyse kann ein individueller Maßnahmenkatalog erstellt werden, der sich an den konkreten Schadensursachen orientiert. Bereits mit geringem baulichem Aufwand lassen sich viele wirksame Schutzmaßnahmen realisieren. Dazu zählen u. a. die Anhebung von Hauseingängen über die zu erwartende Überflutungshöhe sowie der Einbau von barrierearmen, aber wasserdichten Türschwellen. Idealerweise sollte auf bodentiefe Fenster im Untergeschoss verzichtet werden. Lichtschächte können abgedeckt und abgemauert werden. Bei Außentreppen und Einfahrten wird das Gefällte so optimiert, dass Wasser von den neuralgischen Orten weggeführt wird. Einige starkregensichere Bauelemente finden Sie in unserem Bauteilregister.
Gebäudetechnik hochwassersicher installieren
Die technische Gebäudeausrüstung ist ein besonders sensibler Bereich: Heizkessel, Stromverteilungen, Sicherungskästen und Tankanlagen sollten nicht nur hochwassersicher installiert, sondern auch zugänglich und servicefreundlich positioniert werden – idealerweise außerhalb überflutungsgefährdeter Zonen. Heizöltanks sind gegen Auftrieb zu sichern oder ganz zu vermeiden. Elektrik sollte, sofern möglich, nicht in Sockelnähe untergebracht werden. Wichtig ist auch zu prüfen, ob Rückstauverschlüsse (Klappen, Schleifen mit Hebeanlage) eingebaut werden müssen, um Schäden durch Kanalrückstau zu verhindern, gerade wenn der tiefste Ablaufpunkt unterhalb des Rückstauhorizonts der Kanalisation liegt.
Gebäudenutzung und Grundrissplanung
Bei der Planung von Bestandsumbauten oder Neubauten ist zu prüfen, ob einzelne Gebäudeteile als Überflutungszone bewusst vorgesehen oder konsequent geschützt werden. Wenn ein Keller bei extremem Ereignis kontrolliert geflutet wird, muss er entsprechend vorbereitet sein: keine wertvolle Haustechnik, keine dauerhafte Möblierung, keine Wohnnutzung. Lagerräume sollten übersichtlich und leeräumbar sein, Materialien wasserresistent.
Integrale Planung verbindet Schutz und Funktionalität
Auch Grundriss und Nutzungseinheiten sollten überdacht werden: Kann das Wohnen konsequent in höhergelegene Geschosse verlagert werden? Ist ein ebenerdiger Zugang bei hohem Gefährdungspotenzial vertretbar – oder wäre ein zurückgesetzter Eingang mit Treppe oder Rampe die bessere Lösung? Hier ist integrale Planung gefragt, die Schutz, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit verbindet.
Außenräume und Wasserführung
Nicht nur das Gebäude selbst, auch die umgebenden Freiflächen sollten mit Blick auf Überflutungsschutz gestaltet werden. Versiegelte Flächen wie Terrassen, Stellplätze oder Zufahrten könnten – je nach Gefälle – Wasser gezielt in gefährdete Gebäudeteile lenken. Hier ist eine Planung erforderlich, die Versickerung, Rückhaltung und sichere Ableitung kombiniert.
Entsiegelung schützt zusätzlich
Wichtig sind hier eine Entsiegelung und die Verwendung wasserdurchlässiger Beläge. Es empfiehlt sich ebenfalls eine Modellierung des Gefälles weg vom Gebäude und hin zu Mulden und Rigolen, wo das Wasser versickern kann. Regenwasser kann weiterhin in Zisternen oder Retentionsflächen gespeichert werden, dort steht es für die weitere Nutzung zur Bewässerung oder als Brauchwasser zur Verfügung – ein sehr günstiger ökologischer und ökonomischer Nebeneffekt.
Bäume und Sträucher sind besser als Rasen und Schotter
Darüber hinaus kann die Bepflanzung eine wichtige Funktion übernehmen. Bäume, Sträucher und Stauden mit tiefem Wurzelwerk stabilisieren den Boden, erhöhen die Verdunstungsleistung und können kurzfristig erhebliche Wassermengen aufnehmen. Große Rasenflächen oder gar Schottergärten leisten dagegen kaum einen Beitrag zur Regenwasserrückhaltung und sollten vermieden werden.
Multigefahrenschutz im Auge behalten
Extremwetterereignisse treten selten isoliert auf. Häufig gehen Starkregen, Sturm und Hagel gemeinsam nieder. Daher lohnt es sich, bei der Planung verschiedene Gefahren gleichzeitig mitzudenken. Viele Maßnahmen wirken mehrdimensional, so schützen druckwasserdichte Fenster auch gegen Hochwasser und Hagelschlag. Robuste Fassadensysteme mit Stoß- und Schlagschutz schützen gegen Treibgut und Aufpralllasten.
Extremwetterschutz und energetische Sanierung kombinieren
Zudem lassen sich Resilienz-Maßnahmen ideal mit energetischen Sanierungszielen kombinieren: Hochgedämmte Gebäudehüllen, moderne Haustechnik, Fenster mit Dreifachverglasung oder dezentrale Lüftungsanlagen bieten nicht nur Komfort und Klimaschutz – sie können auch den Schutz bei Extremereignissen verbessern.
Planer sind essenziell für kluges Build Back Better
rchitektur und Planung übernehmen dabei eine zentrale Rolle – nicht nur als technische Expertise, sondern auch als Beratung, Übersetzung und Vermittlung zwischen Bauherrschaft, Behörden und Versicherungen. Wer frühzeitig Risiken benennt und Lösungen anbietet, kann nicht nur Schäden verhindern, sondern Lebensräume schaffen, die auch unter Extrembedingungen funktionieren.
