Planungshilfe für individuellen Gebäudeschutz

Zu Beginn der Planungen prüfen Sie, ob sich das Grundstück in einer Region mit hoher Starkregengefahr befindet. Die Starkregengefahrenkarten des DWD geben Ihnen eine erste Orientierung. Detailliertere Karten stehen für Hamburg, Teile Berlins und einige weitere Kommunen bereit. Informieren Sie sich frühzeitig beim zuständigen Amt. Bevor Sie mit der Gebäudeplanung beginnen, verschaffen Sie sich auf jeden Fall persönlich ein klares Bild von der topografischen Situation. Liegt das Grundstück am Fuß eines Hangs oder unterhalb einer Böschung, müssen Sie mit Sturzfluten rechnen. In solchen Lagen reicht ein mittleres Starkregenereignis aus, um große Wassermengen in Richtung des geplanten Bauwerks zu lenken. Eine Lage auf einer Kuppe oder Hangschulter ist deutlich sicherer.

Bauliche Maßnahmen schützen ein Haus vor Hochwasser.© Elementa / Christina Haristes

Gelände gezielt modellieren

Achten Sie auf Höhenunterschiede, mögliche Fließwege und auf Einmündungen zur Straße. Besonders bei tieferliegenden Garagenzufahrten oder niedrigen Bordsteinkanten kann Wasser ungehindert vom öffentlichen Raum auf das Grundstück laufen. Modellieren Sie das Gelände gezielt: schaffen Sie Böschungen, Mulden oder Schwellen, die Oberflächenwasser vom Haus weglenken. Vergessen Sie dabei nicht, dass Sie kein Wasser auf angrenzende Grundstücke umleiten dürfen, ggf. muss das Wasser in Mulden und/oder Rigolen zwischengespeichert werden.

Kommunale Geoportale checken

Ein weiterer, oft übersehener Indikator für die Anfälligkeit einer Gegend für Starkregenereignisse: Geoportale wie das der Stadt Berlin zeigen vergangene Feuerwehreinsätze bei Starkregen. Wenn es dort Häufungen in der Umgebung des zu beplanenden Objekts gibt, können Sie von wiederkehrenden Problemen ausgehen – etwa durch überlastete Kanalisation oder ungünstige Mikrotopografie.

Ein wichtiger Faktor: die Sickerfähigkeit des Bodens

Vermeiden Sie unnötige Versiegelung. Wenn Sie Flächen versiegeln, halten Sie das Wasser auf dem Grundstück und zwingen es zur Ableitung, statt es versickern zu lassen. Nutzen Sie stattdessen wasserdurchlässige Beläge, Rasengittersteine oder Muldenversickerungen, wo immer es möglich ist.

Baugrundgutachten anfordern

Analysieren Sie den Baugrund sorgfältig. Ein Baugrundgutachten liefert Ihnen die nötigen Informationen. Prüfen Sie insbesondere den Durchlässigkeitsbeiwert (kf-Wert). Wasser versickert in bindigen Böden wie Ton oder Lehm schlecht, besonders, wenn der Boden zusätzlich entweder von vornherein oder durch die Benutzung von schwerem Gerät verdichtet ist. Wenn der kf-Wert unter 10⁻⁶ m/s liegt, funktioniert auch eine Rigole nicht mehr zuverlässig, da das in der Rigole gespeicherte Wasser zu langsam versickert. Sandige Böden dagegen lassen Wasser schnell und effektiv versickern.

Baugrund und Oberboden gleichermaßen betrachten

Berücksichtigen Sie nicht nur den tiefen Baugrund, sondern auch den Oberboden. In vielen Fällen macht dieser die obersten 30 bis 50 Zentimeter aus und ist durchlässiger als der darunterliegende Horizont. Nutzen Sie ihn gezielt. Ein gut durchlässiger, lockerer Oberboden eignet sich hervorragend, um Regenwasser kurzfristig zwischenzuspeichern.

Außenwand abdichten – aber wie?

Nutzen Sie das Baugrundgutachten als Entscheidungsgrundlage für die Bauwerksabdichtung. Wenn Sie auf sandigem Boden mit guter Versickerung bauen, reicht oft ein einfacher Bitumenanstrich. Wenn das Wasser temporär aufstaut, greifen Sie zur zweilagigen Schwarzabdichtung mit Gewebeeinlage. Sobald Sie mit dauerhaft drückendem Wasser rechnen müssen, planen Sie eine Weiße Wanne. Rechnen Sie im Neubau grundsätzlich mit dem ungünstigsten Fall: aufstauendes Sickerwasser.

Wichtiger Blick auf vermeintliche Kleinigkeiten

Vergessen Sie die Details nicht. Führen Sie Leitungen und Rohrdurchführungen mit Dichteinsätzen und Futterrohren fachgerecht aus. In Hanglagen brauchen Sie zusätzlich eine funktionierende Drainage. Diese leitet das Sickerwasser kontrolliert ab und schützt die Kelleraußenwände.

Wasserrechtliche Vorgaben beachten

Stellen Sie Ihre Rückhaltesysteme nicht einfach so an die Kanalisation an. Passen Sie Ihre Systeme an die Kapazitäten der öffentlichen Infrastruktur an. In manchen Gemeinden dürfen Sie Oberflächenwasser gar nicht mehr in die Kanalisation einleiten – entweder aus Kapazitätsgründen oder aus wasserrechtlichen Vorgaben.

Was ist eine gute Bemessungsgröße für den Starkregen?

Eine gute Einschätzung für die regional zu erwartende Intensitäten eines Starkregenereignisses liefern die KOSTRA-Daten des DWD (hier auch als Karte abrufbar). Sie dienen auch als Bemessungsgröße für die Dimensionierung der Kanalisation. Wenn Sie es genauer wissen wollen, greifen Sie auf lokale Stationsdaten zurück. Diese Daten spiegeln das tatsächliche Klimageschehen besser wider als gemittelte Karten wie es die Daten von KOSTRA sind.

Mögliche Quellen:

  • der KNMI Climate Explorer. Dort wählen Sie unter „GHCN-D“ die Option „precipitation“, geben den Namen eines nahegelegenen Orts ein oder suchen über Koordinaten. Ein Klick auf „Get Stations“ zeigt Ihnen geeignete Wetterstationen in der Umgebung. Mit „Get data“ erhalten Sie die Niederschlagsdaten als Grafik. Direkt oberhalb dieser Grafik finden Sie den etwas versteckten Link zu den Rohdaten („raw data“), die Sie herunterladen und selbst weiterverarbeiten können.

Bauen Sie das Gebäude widerstandsfähig – schützen Sie Keller und Technik

Vermeiden Sie hochwertige Nutzungen in gefährdeten Bereichen. Platzieren Sie keine Wohnräume, Büros oder Technikzentralen im Untergeschoss, wenn ein Risiko besteht. Installieren Sie sensible Technik wie Heizungen, Server oder elektrische Hauptverteilungen möglichst in oberen Geschossen. Wenn Sie Kellerräume nutzen, wählen Sie robuste, wasserresistente Materialien. Setzen Sie auf Steinfliesen statt Teppich, auf mineralische Putze statt Gipskartonplatten.

Sichern Sie alle Öffnungen, durch die Wasser eindringen kann. Verwenden Sie druckwasserdichte Fenster, Lichtschächte und Türen. Achten Sie auf geprüfte Produkte. Unser Bauteilregister hilft Ihnen bei der Auswahl. Wenn Sie mehr über aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse erfahren möchten, schauen Sie regelmäßig auf der Elementa-Plattform vorbei.

Sensorik

Für Gebäude in gefährdeten Gebieten gibt es technische Lösungen, die auch im privaten Bereich die Vorwarnzeiten verlängern: Sensoren im Keller und in kritischen Räumen warnen frühzeitig vor eindringendem Wasser. Verbunden mit Smart-Home-Systemen warnen sie die Bewohnerinnen und Bewohner und können erste Schutzmaßnahmen automatisiert einleiten. Diese Sensoren können gleichzeitig vor Trinkwasserschäden warnen und etwa im Schadenfall die Hauptzuleitung zum Gebäude automatisch schließen.

Neue Wege gehen

Wird ein Gebäude komplett neu errichtet, lohnt der Blick ins Nachbarland Niederlande. Dort werden in gefährdeten Gebieten schwimmfähige Häuser gebaut. Diese Bauweise ist in Deutschland noch nahezu unbekannt – könnte aber ein Ansatz sein, das Bauen in gefährdeten Gebieten sicherer zu machen.

Verhindern Sie Rückstau

Fragen Sie sich: Brauchen Sie Entwässerung unterhalb der Rückstauebene wirklich? Falls ja, sichern Sie alle Abläufe zuverlässig gegen Rückstau. Bei Räumen mit geringem Wert reicht oft ein Rückstauverschluss. Bei hochwertiger Nutzung setzen Sie auf Hebeanlagen. Denken Sie auch an Reinigungsöffnungen, Bodenabläufe und Schächte – sie alle brauchen ebenfalls Schutz.

Dokumentation und Wartung

Dokumentieren Sie jede Rückstausicherung vollständig. Halten Sie fest, was Sie eingebaut haben, wann es gewartet werden muss und wie Reparaturen möglich sind. Diese Informationen sind für spätere Eigentümer, Verwalter oder Hausgemeinschaften unverzichtbar.

Notwasserwege

Ein Aspekt, der in der Planung oft übersehen wird, ist das Thema Notwasserwege und temporäre Entlastung. Wenn ein Rückstau oder Überdruck im System auftritt, braucht das Wasser eine definierte Möglichkeit, schadlos abzufließen oder sich zu stauen – zum Beispiel über Entlastungsmulden, Notüberläufe oder Retentionsflächen außerhalb des Gebäudes. Ohne diese Notwege besteht die Gefahr, dass das Wasser sich seinen Weg sucht – und zwar durch Fenster, Türen oder Bodenabläufe. In Risikogebieten sollten Sie diese Entlastung aktiv mitplanen, beispielsweise über wasserführende Mulden oder Retentionsflächen im Außenbereich.

Unbedingt sichern: Heizöltanks

Sichern Sie Heizöltanks gegen Aufschwimmen. Nutzen Sie dafür Behälter, die dem Außendruck durch Wasser standhalten. Diese können mit einem gut befestigten Haken am Boden gehalten werden. Diese einfache Maßnahme verhindert, dass Heizöl austritt und in die Bausubstanz eindringt und so ggf. irreversiblen Schaden anrichtet.