Vorhersage

Die Hochwasservorhersage in Deutschland basiert auf einer Kombination aus meteorologischen und hydrologischen Methoden, die von den Bundesländern unterschiedlich umgesetzt und weiterentwickelt werden. Im Zentrum stehen insbesondere die Niederschlagsvorhersagen des DWD und weiterer Anbieter. Diese Prognosen sind entscheidend, um bei schnell ansprechenden, kleinen Einzugsgebieten rasch reagieren zu können. Ergänzt werden sie durch hydrologische Modelle, die Abflussmengen und Wasserverläufe simuliert und dabei wichtige Einflussgrößen wie die aktuelle Bodenfeuchte berücksichtigt. Für kurzfristige Vorhersagen kommen zunehmend Radardaten und sogenannte Nowcasting zum Einsatz. Sie ermöglichen eine flexible Korrektur von Prognosen, insbesondere bei Starkregenereignissen.

Stilisierter Wetterbericht mit Gewitter im Anzug.
© Elementa / Christina Haristes

Verbesserung des Hochwasserschutzes durch KI

Neben klassischen Verfahren halten zunehmend auch innovative Methoden Einzug in das Hochwassermanagement. Besonders vielversprechend ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen. KI-Modelle erkennen Muster in großen meteorologischen und hydrologischen Datensätzen, die klassischen Modellen oft verborgen bleiben, und können Datenströme aus Satelliten, Wetterstationen oder vergangenen Hochwasserereignissen in Echtzeit verarbeiten und dynamisch anpassen. Probabilistische Vorhersagemodelle bieten insbesondere in kleinen Einzugsgebieten neue Möglichkeiten, kurzfristige und dennoch robuste Prognosen mit einem Vorlauf von 24 bis 48 Stunden zu erstellen – selbst in schwer erfassbaren Regionen.

Ein Beispiel ist das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte nationale Hochwasservorhersagemodell, das KI-gestützt kleinräumige Prognosen bundesweit ermöglicht. Es greift auf öffentlich verfügbare hydro-meteorologische Datensätze zurück und könnte zukünftig wichtige Informationen für diese mit herkömmlichen Methoden schwer fassbaren Gebiete liefern.

Das Problem mit Datenlücken

Trotz dieser Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen. Die Qualität der Vorhersagen hängt wesentlich von der Güte der Eingangsdaten ab: Lücken, Messfehler oder veraltete Informationen können die Prognosegenauigkeit erheblich beeinträchtigen. Extremereignisse, wie die Flut im Ahrtal von 2021, wurden z.T. auch unzulänglich erfasst, weil an Pegeln die Messgeräte weggespült wurden und so das volle Ausmaß der Katastrophe nicht in Echtzeit ermittelt wurde.

Impact Forecasting

Selbst bei einer akkuraten Vorhersage von Pegelständen und Abflussmengen bleibt das Problem, dass diese Größen für nicht-Fachleute schwer interpretierbar sind, wenn nicht klar geregelt ist, ab welchem Schwellenwert welche Maßnahmen getroffen werden. Diese Entscheidung liegt je nach Ausdehnung des Ereignisses in der Regel einer fachfremden Person, z.B. im Gemeindevorstand oder dem Landratsamt. Um hier eine konkretere Handlungsgrundlage für Entscheidungen zu liefern, wird zunehmend das sogenannte Impact Forecastingwichtig. Hierbei wird die Vorhersage auf die konkreten Auswirkungen auf Menschen, Gebäude und Infrastruktur erweitert.

Hochaufgelöste Prognosen zu Überflutungsszenarien

Anders als klassische hydrologische Modelle liefert Impact Forecasting räumlich hochaufgelöste Prognosen zu Überflutungsflächen, -tiefen und -geschwindigkeiten.

Dadurch steigert Impact Forecasting die Verständlichkeit von Warnungen: Wenn explizit benannt wird, welche Straßenzüge oder Einrichtungen betroffen sein könnten, steigt die Handlungsbereitschaft der Bevölkerung. Behörden und Einsatzkräfte wiederum profitieren von präzisen Lagebildern, die gezielte Schutzmaßnahmen ermöglichen – von der Deichsicherung über die Einrichtung von Rettungspunkten bis zur Evakuierung von Pflegeeinrichtungen. Zurzeit befinden sich Warnsysteme in der Testphase, bei denen etwa der Personalbedarf der Feuerwehr im Vorfeld eines Extremereignisses prognostiziert wird, um so eine rechtzeitige Mobilisierung zu ermöglichen. Allerdings ist Impact Forecasting komplex und in der Entwicklung begriffen, eine flächendeckende Anwendung wird also noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Dadurch steigert Impact Forecasting die Verständlichkeit von Warnungen: Wenn explizit benannt wird, welche Straßenzüge oder Einrichtungen betroffen sein könnten, steigt die Handlungsbereitschaft der Bevölkerung. Behörden und Einsatzkräfte wiederum profitieren von präzisen Lagebildern, die gezielte Schutzmaßnahmen ermöglichen – von der Deichsicherung über die Einrichtung von Rettungspunkten bis zur Evakuierung von Pflegeeinrichtungen. Zurzeit befinden sich Warnsysteme in der Testphase, bei denen etwa der Personalbedarf der Feuerwehr im Vorfeld eines Extremereignisses prognostiziert wird, um so eine rechtzeitige Mobilisierung zu ermöglichen. Allerdings ist Impact Forecasting komplex und in der Entwicklung begriffen, eine flächendeckende Anwendung wird also noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Warnstufen und Warnsysteme

Es gibt vielfältige Hochwasser-Warnsysteme in Deutschland, von öffentlichen und privaten Anbietern. Zu beachten ist, dass die Bundesländer die Warnstufen unterschiedlich definieren. Dies ist wichtig, da für die Herausgabe von Warnmeldungen etwa über das zentrale Warnportal die jeweiligen Länder zuständig sind. Bei Pegeln, die auf der Grenze zweier Bundesländer stehen, gäbe es also zwei verschiedene Warnstufen. In der Praxis wird dann die mit dem geringeren Schwellenwert verwendet.

Die Definition der Hochwassermeldestufen je Bundesland

Bundesland (verlinkt)Kleines HochwasserMittleres HochwasserGroßes HochwasserSehr großes Hochwasser
Baden-Württemberg≥ 2-jährl. Hochwasser≥ 10-jährliches Hochwasser≥ 20-jährliches Hochwasser≥ 50-jährliches Hochwasser
BayernMeldestufe 1:
Stellenweise kleinere Ausuferungen
Meldestufe 2:
Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.
Meldestufe 3:
Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtl. Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich.
Meldestufe 4:
Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang erforderlich.
BerlinGefahrenstufe I:
Flussbett ist bordvoll,
stellenweise kleine Ausuferungen/
Überschreitung des oberen Betriebswasserstands.
Gefahrenstufe II:
Teilweise unbebaute Grundstücke/Grünflächen betroffen.
Teilweise unbebaute Grundstücke/Grünflächen betroffen.
Einzelne Gebäude gefährdet.
Gefahrenstufe III:
Teilweise einzelne bebaute Grundstücke betroffen.
Gefahrenstufe IV:
Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet.
BrandenburgAlarmstufe 1:
Beginn der Ausuferung der Gewässer
Alarmstufe 2:
Überflutung von Grünland oder forstwirtschaftl. Flächen, Ausuferung bis an den Deichfuß.
Alarmstufe 3:
Überflutung einzelner Grundstücke, Straßen oder Keller, Vernässung von Polderflächen durch Drängewasser, Deichwasserstände bis halbe Deichhöhe
Alarmstufe 4:
Überflutung größerer Flächen einschließlich Straßen und Anlagen in bebauten Gebieten.
BremenHochwasser-Meldestufe 1:
Meldung
Beginn des überregionalen Hochwasserdienst (NI)
Hochwasser-Meldestufe 2:
Meldung
Eintritt des Hochwassers in die Überschwemmungsgebiete
Hochwasser-Meldestufe 3:
Kontrolle
Überflutung größerer Flächen in den Überschwemmungsgebieten
Hochwasser-Meldestufe 4:
Bereitschaft / Warnung
Weser: Hochwasserabflussrinne
Werdersee/Kleine Weser aktiv
HamburgMittlere Warnstufe:
Beginnende Ausuferungen an den Gewässern
Hohe Warnstufe:
Größere Überschwemmungen auf landwirtschaftlich und forstlich genutzten Flächen, Überflutung bebauter Grundstücke
HessenMeldestufe I:
Meldebeginn überschritten, stellenweise kleine Ausuferungen.
Meldestufe II:
Flächenhafte Überflutung ufernaher Grundstücke, leichte Verkehrsbehinderungen auf Gemeinde- und Hauptverkehrsstraßen, Gefährdung einzelner Gebäude, Überflutung von Kellern.
Meldestufe III:
Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet, Sperrung von überörtlichen Verkehrsverbindungen, Einsatz von Deich- und Wasserwehr erforderlich.
Mecklenburg-VorpommernAlarmstufe I:
Wasserstandsmeldedienst
Alarmstufe II:
Kontrolldienst
Alarmstufe III:
Wachdienst
Alarmstufe IV:
Hochwasserabwehr
NiedersachsenHochwasser-Meldestufe 1:
Bordvoller Abfluss und stellenweise Beginn der Ausuferung.
Hochwasser-Meldestufe 2:
Ausuferungen hauptsächlich in land- und forstwirtschaftlichen Flächen.
Hochwasser-Meldestufe 3:
Überflutung größerer Flächen und Überflutung einzelner Grundstücke, Straßen und Keller möglich.
Nordrhein-WestfalenInformationswert 1:
Ggfs. Ausuferung des Gewässers, land- und forstwirtschaftliche Flächen können überflutet werden; leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen sind möglich.
Informationswert 2:
Gefahr der Überflutung einzelner bebauter Grundstücke oder Keller; Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr (Feuerwehr, Katastrophenschutz) möglich.
Informationswert 3:
Bebaute Gebiete in größerem Umfang können überflutet werden; Einsatz der Wasser- oder Dammwehr (Feuerwehr, Katastrophenschutz) in großem Umfang möglich.
Rheinland-Pfalz≥ 2-jährliches Hochwasser≥ 10-jährliches Hochwasser≥ 20-jährliches Hochwasser≥ 50-jährliches Hochwasser
SaarlandMeldestufe 1:
Gefahr von kleineren Ausuferungen am Gewässer
Meldestufe 2:
Landwirtschaftliche Flächen, evtl. auch einzelne Gebäude überflutet, örtlich leichte Verkehrsbehinderungen
Meldestufe 3:
Bebaute Gebiete überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen
Meldestufe 4:
Überflutung von Gebieten in größerem Umfang, Gefährdung für Menschen, Tiere, Objekte und Anlagen
SachsenAlarmstufe 1 (Meldebeginn):
Beginn der Ausuferung der Gewässer
Alarmstufe 2 (Kontrolldienst):
Überschwemmung land- und forstwirtschaftlicher Flächen und einzeln stehender Gebäude oder leichte Verkehrsbehinderung; bei eingedeichten Gewässern Ausuferung bis an den Deichfuß
Alarmstufe 3 (Wachdienst):
Überschwemmung von Teilen zusammenhängender Bebauung oder überörtlicher Strassen und Schienenwege; bei Volldeichen Wasserstand etwa in halber Deichhöhe, Vernässung von Polderflächen
Alarmstufe 4 (Hochwasserabwehr):
Überschwemmung größerer bebauter Gebiete mit sehr hohen Schäden, unmittelbare Gefährdung für Menschen und Tiere; bei Volldeichen Erreichen des Bemessungswasserstandes oder unmittelbare Gefahr von Deichbrüchen
Sachsen-AnhaltAlarmstufe 1:
Flussbett bordvoll, stellenweise kleine Ausuferungen.
Alarmstufe 2:
Ausuferungen beginnen, die bei eingedeichten Gewässern bis an den Deichfuß reichen. Land- und forstwirt. Flächen sind überflutet, teilweise leichte Verkehrsbehinderungen an Straßen
Alarmstufe 3:
Überflutung einzelner Grundstücke, Straßen oder Keller möglich. Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen. Bei eingedeichten Gewässern steht das Wasser bis zur halben Deichhöhe
Alarmstufe 4:
Überflutung größerer Flächen, unmittelbare Gefährdung für Menschen, Tiere, Objekte und Anlagen. Standsicherheit der Deiche ist gefährdet. Gefahr der Deichüberströmung.
Schleswig-HolsteinNicht definiertNicht definiertNicht definiertNicht definiert
ThüringenMeldebeginnMeldestufe 1:
Kontrolldienst an wasserwirtschaftlichen Anlagen und Gefährdungspunkten
Meldestufe 2:
Ständiger Wachdienst an wasserwirtschaftlichen Anlagen und Gefährdungspunkten.
Meldestufe 3:
Hochwasserabwehr

Informationsportale und Warnsysteme

Warnapps

Wichtig für die zeitnahe Warnung der Bevölkerung vor Hochwasser sind Warnsysteme:

KATWARN

  • Verfügbar als App, SMS (auch für nicht-Smartphone)
  • Herausgeber: Fraunhoferinstitut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS)
  • Entwickelt im Auftrag der öffentlichen Versicherer
  • Sehr lokale Informationen basierend auf NINA und den lokalen Behörden, Einrichtungen und Leitstellen; wird aber nur in bestimmten Städten und Gemeinden verwendet
  • Zeichnet keine Bewegungsprofile auf (anders als BIWAPP und NINA)
  • Zielgruppe: Privatpersonen
  • App beziehen:

MehrWetter

  • Verfügbar als App
  • Herausgeber: Verband der öffentlichen Versicherer e.V.
  • Entwickelt vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme
  • Bis zu zehn Tage ortsbezogene Wettervorhersage, Push-Nachrichten zum Wetter für ausgewählte Aktivitäten (etwa Radfahren, Grillen, Wintersport…)
  • ortsbezogene Unwettermeldungen von UBIMET
  • Zielgruppe: Privatpersonen
  • App beziehen:

NINA

  • verfügbar als App
  • Herausgeber: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
  • Warnungen sind regionsbezogen
  • Zielgruppe: Privatpersonen
  • NINA stellt als bundesweites Warnportal die Quelle für regionale und lokale Warnsysteme wie BIWAPP und KATWARN dar
  • App beziehen:

BIWAPP

  • verfügbar als App, SMS (als push-Nachricht, keine echte SMS), Web-Widget, und online-Webseite
  • Herausgeber: Agentur Marktplatz GmbH
  • Regionale bis Informationen basierend auf NINA; weiterhin geben Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und Städte Warnmeldungen an BIWAPP
  • Zielgruppe: Privatpersonen
  • App beziehen:

Meine Pegel

  • Verfügbar als App
  • Herausgeber: LAWA-AH-Kleingruppe Länderübergreifendes Hochwasserportal
  • Aktuelle Pegelstände und -vorhersagen sowie Warnungen per Push-Nachricht
  • Zielgruppe: Privatpersonen
  • Zeichnet keine Bewegungsprofile auf (anders als BIWAPP und NINA)
  • App beziehen:

DWD WarnWetter App.

  • Verfügbar als App
  • Herausgeber: DWD
  • Wetterwarnungen inkl. Hochwasserwarnungen mit Push-Funktion
  • Teilfunktionen sind kostenpflichtig
  • Zielgruppe: Privatpersonen
  • App beziehen:

Cell Broadcast

  • Cell Broadcast ist ein standardisiertes Warnsystem für Mobilgeräte, das Behörden ermöglicht, standortbasierte Warnmeldungen direkt auf Mobiltelefone innerhalb eines bestimmten geografischen Gebiets zu senden – auch ohne installierte App.

Kommunale Warnsysteme & Sirenenanlagen

Diese arbeiten teilweise unabhängig von den klassischen Warn-Apps und richten sich an Bevölkerung, Kommunen, Fachstellen und Einsatzkräfte:

Führt die Hochwasserportale der Bundesländer zusammen (Siehe Tabelle oben), biete aktuelle Pegelstände, -Prognosen und Warnungen

Hochwasserzentralen (HWZ):

  • Digitale Sirenen- und Lautsprechersysteme:.
  • Ampelsysteme an hochwassergefährdeten Straßen und Brücken
  • Kommunale Webseiten, Newsletter und SMS-Systeme:
    • Einige Städte wie Köln, Dresden oder Passau nutzen E-Mail-Newsletter, SMS-Dienste oder Messenger-Gruppen zur Warnung
  • Fliwas: Hochwasserkrisenmanagementsystem, für die kommunale Verwendung entwickelt

Wetterdienste mit spezialisierten Diensten (i.d.R. kostenpflichtig)

WetterKontor, UBIMET, kachelmannwetter.com u. a. bieten Frühwarnung und spezifische Gefahrenanalysen für:

  • Bauprojekte
  • Industrieanlagen