Vorhersage
Die Hochwasservorhersage in Deutschland basiert auf einer Kombination aus meteorologischen und hydrologischen Methoden, die von den Bundesländern unterschiedlich umgesetzt und weiterentwickelt werden. Im Zentrum stehen insbesondere die Niederschlagsvorhersagen des DWD und weiterer Anbieter. Diese Prognosen sind entscheidend, um bei schnell ansprechenden, kleinen Einzugsgebieten rasch reagieren zu können. Ergänzt werden sie durch hydrologische Modelle, die Abflussmengen und Wasserverläufe simuliert und dabei wichtige Einflussgrößen wie die aktuelle Bodenfeuchte berücksichtigt. Für kurzfristige Vorhersagen kommen zunehmend Radardaten und sogenannte Nowcasting zum Einsatz. Sie ermöglichen eine flexible Korrektur von Prognosen, insbesondere bei Starkregenereignissen.

Verbesserung des Hochwasserschutzes durch KI
Neben klassischen Verfahren halten zunehmend auch innovative Methoden Einzug in das Hochwassermanagement. Besonders vielversprechend ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen. KI-Modelle erkennen Muster in großen meteorologischen und hydrologischen Datensätzen, die klassischen Modellen oft verborgen bleiben, und können Datenströme aus Satelliten, Wetterstationen oder vergangenen Hochwasserereignissen in Echtzeit verarbeiten und dynamisch anpassen. Probabilistische Vorhersagemodelle bieten insbesondere in kleinen Einzugsgebieten neue Möglichkeiten, kurzfristige und dennoch robuste Prognosen mit einem Vorlauf von 24 bis 48 Stunden zu erstellen – selbst in schwer erfassbaren Regionen.
Ein Beispiel ist das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte nationale Hochwasservorhersagemodell, das KI-gestützt kleinräumige Prognosen bundesweit ermöglicht. Es greift auf öffentlich verfügbare hydro-meteorologische Datensätze zurück und könnte zukünftig wichtige Informationen für diese mit herkömmlichen Methoden schwer fassbaren Gebiete liefern.
Das Problem mit Datenlücken
Trotz dieser Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen. Die Qualität der Vorhersagen hängt wesentlich von der Güte der Eingangsdaten ab: Lücken, Messfehler oder veraltete Informationen können die Prognosegenauigkeit erheblich beeinträchtigen. Extremereignisse, wie die Flut im Ahrtal von 2021, wurden z.T. auch unzulänglich erfasst, weil an Pegeln die Messgeräte weggespült wurden und so das volle Ausmaß der Katastrophe nicht in Echtzeit ermittelt wurde.
Impact Forecasting
Selbst bei einer akkuraten Vorhersage von Pegelständen und Abflussmengen bleibt das Problem, dass diese Größen für nicht-Fachleute schwer interpretierbar sind, wenn nicht klar geregelt ist, ab welchem Schwellenwert welche Maßnahmen getroffen werden. Diese Entscheidung liegt je nach Ausdehnung des Ereignisses in der Regel einer fachfremden Person, z.B. im Gemeindevorstand oder dem Landratsamt. Um hier eine konkretere Handlungsgrundlage für Entscheidungen zu liefern, wird zunehmend das sogenannte Impact Forecastingwichtig. Hierbei wird die Vorhersage auf die konkreten Auswirkungen auf Menschen, Gebäude und Infrastruktur erweitert.
Hochaufgelöste Prognosen zu Überflutungsszenarien
Anders als klassische hydrologische Modelle liefert Impact Forecasting räumlich hochaufgelöste Prognosen zu Überflutungsflächen, -tiefen und -geschwindigkeiten.
Dadurch steigert Impact Forecasting die Verständlichkeit von Warnungen: Wenn explizit benannt wird, welche Straßenzüge oder Einrichtungen betroffen sein könnten, steigt die Handlungsbereitschaft der Bevölkerung. Behörden und Einsatzkräfte wiederum profitieren von präzisen Lagebildern, die gezielte Schutzmaßnahmen ermöglichen – von der Deichsicherung über die Einrichtung von Rettungspunkten bis zur Evakuierung von Pflegeeinrichtungen. Zurzeit befinden sich Warnsysteme in der Testphase, bei denen etwa der Personalbedarf der Feuerwehr im Vorfeld eines Extremereignisses prognostiziert wird, um so eine rechtzeitige Mobilisierung zu ermöglichen. Allerdings ist Impact Forecasting komplex und in der Entwicklung begriffen, eine flächendeckende Anwendung wird also noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Dadurch steigert Impact Forecasting die Verständlichkeit von Warnungen: Wenn explizit benannt wird, welche Straßenzüge oder Einrichtungen betroffen sein könnten, steigt die Handlungsbereitschaft der Bevölkerung. Behörden und Einsatzkräfte wiederum profitieren von präzisen Lagebildern, die gezielte Schutzmaßnahmen ermöglichen – von der Deichsicherung über die Einrichtung von Rettungspunkten bis zur Evakuierung von Pflegeeinrichtungen. Zurzeit befinden sich Warnsysteme in der Testphase, bei denen etwa der Personalbedarf der Feuerwehr im Vorfeld eines Extremereignisses prognostiziert wird, um so eine rechtzeitige Mobilisierung zu ermöglichen. Allerdings ist Impact Forecasting komplex und in der Entwicklung begriffen, eine flächendeckende Anwendung wird also noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Warnstufen und Warnsysteme
Es gibt vielfältige Hochwasser-Warnsysteme in Deutschland, von öffentlichen und privaten Anbietern. Zu beachten ist, dass die Bundesländer die Warnstufen unterschiedlich definieren. Dies ist wichtig, da für die Herausgabe von Warnmeldungen etwa über das zentrale Warnportal die jeweiligen Länder zuständig sind. Bei Pegeln, die auf der Grenze zweier Bundesländer stehen, gäbe es also zwei verschiedene Warnstufen. In der Praxis wird dann die mit dem geringeren Schwellenwert verwendet.
Die Definition der Hochwassermeldestufen je Bundesland
Die Definition der Hochwassermeldestufen je Bundesland
| Bundesland (verlinkt) | Kleines Hochwasser | Mittleres Hochwasser | Großes Hochwasser | Sehr großes Hochwasser |
| Baden-Württemberg | ≥ 2-jährl. Hochwasser | ≥ 10-jährliches Hochwasser | ≥ 20-jährliches Hochwasser | ≥ 50-jährliches Hochwasser |
| Bayern | Meldestufe 1: Stellenweise kleinere Ausuferungen | Meldestufe 2: Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen. | Meldestufe 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtl. Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich. | Meldestufe 4: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang erforderlich. |
| Berlin | Gefahrenstufe I: Flussbett ist bordvoll, stellenweise kleine Ausuferungen/ Überschreitung des oberen Betriebswasserstands. | Gefahrenstufe II: Teilweise unbebaute Grundstücke/Grünflächen betroffen. Teilweise unbebaute Grundstücke/Grünflächen betroffen. Einzelne Gebäude gefährdet. | Gefahrenstufe III: Teilweise einzelne bebaute Grundstücke betroffen. | Gefahrenstufe IV: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet. |
| Brandenburg | Alarmstufe 1: Beginn der Ausuferung der Gewässer | Alarmstufe 2: Überflutung von Grünland oder forstwirtschaftl. Flächen, Ausuferung bis an den Deichfuß. | Alarmstufe 3: Überflutung einzelner Grundstücke, Straßen oder Keller, Vernässung von Polderflächen durch Drängewasser, Deichwasserstände bis halbe Deichhöhe | Alarmstufe 4: Überflutung größerer Flächen einschließlich Straßen und Anlagen in bebauten Gebieten. |
| Bremen | Hochwasser-Meldestufe 1: Meldung Beginn des überregionalen Hochwasserdienst (NI) | Hochwasser-Meldestufe 2: Meldung Eintritt des Hochwassers in die Überschwemmungsgebiete | Hochwasser-Meldestufe 3: Kontrolle Überflutung größerer Flächen in den Überschwemmungsgebieten | Hochwasser-Meldestufe 4: Bereitschaft / Warnung Weser: Hochwasserabflussrinne Werdersee/Kleine Weser aktiv |
| Hamburg | Mittlere Warnstufe: Beginnende Ausuferungen an den Gewässern | Hohe Warnstufe: Größere Überschwemmungen auf landwirtschaftlich und forstlich genutzten Flächen, Überflutung bebauter Grundstücke | ||
| Hessen | Meldestufe I: Meldebeginn überschritten, stellenweise kleine Ausuferungen. | Meldestufe II: Flächenhafte Überflutung ufernaher Grundstücke, leichte Verkehrsbehinderungen auf Gemeinde- und Hauptverkehrsstraßen, Gefährdung einzelner Gebäude, Überflutung von Kellern. | Meldestufe III: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet, Sperrung von überörtlichen Verkehrsverbindungen, Einsatz von Deich- und Wasserwehr erforderlich. | |
| Mecklenburg-Vorpommern | Alarmstufe I: Wasserstandsmeldedienst | Alarmstufe II: Kontrolldienst | Alarmstufe III: Wachdienst | Alarmstufe IV: Hochwasserabwehr |
| Niedersachsen | Hochwasser-Meldestufe 1: Bordvoller Abfluss und stellenweise Beginn der Ausuferung. | Hochwasser-Meldestufe 2: Ausuferungen hauptsächlich in land- und forstwirtschaftlichen Flächen. | Hochwasser-Meldestufe 3: Überflutung größerer Flächen und Überflutung einzelner Grundstücke, Straßen und Keller möglich. | |
| Nordrhein-Westfalen | Informationswert 1: Ggfs. Ausuferung des Gewässers, land- und forstwirtschaftliche Flächen können überflutet werden; leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen sind möglich. | Informationswert 2: Gefahr der Überflutung einzelner bebauter Grundstücke oder Keller; Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr (Feuerwehr, Katastrophenschutz) möglich. | Informationswert 3: Bebaute Gebiete in größerem Umfang können überflutet werden; Einsatz der Wasser- oder Dammwehr (Feuerwehr, Katastrophenschutz) in großem Umfang möglich. | |
| Rheinland-Pfalz | ≥ 2-jährliches Hochwasser | ≥ 10-jährliches Hochwasser | ≥ 20-jährliches Hochwasser | ≥ 50-jährliches Hochwasser |
| Saarland | Meldestufe 1: Gefahr von kleineren Ausuferungen am Gewässer | Meldestufe 2: Landwirtschaftliche Flächen, evtl. auch einzelne Gebäude überflutet, örtlich leichte Verkehrsbehinderungen | Meldestufe 3: Bebaute Gebiete überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen | Meldestufe 4: Überflutung von Gebieten in größerem Umfang, Gefährdung für Menschen, Tiere, Objekte und Anlagen |
| Sachsen | Alarmstufe 1 (Meldebeginn): Beginn der Ausuferung der Gewässer | Alarmstufe 2 (Kontrolldienst): Überschwemmung land- und forstwirtschaftlicher Flächen und einzeln stehender Gebäude oder leichte Verkehrsbehinderung; bei eingedeichten Gewässern Ausuferung bis an den Deichfuß | Alarmstufe 3 (Wachdienst): Überschwemmung von Teilen zusammenhängender Bebauung oder überörtlicher Strassen und Schienenwege; bei Volldeichen Wasserstand etwa in halber Deichhöhe, Vernässung von Polderflächen | Alarmstufe 4 (Hochwasserabwehr): Überschwemmung größerer bebauter Gebiete mit sehr hohen Schäden, unmittelbare Gefährdung für Menschen und Tiere; bei Volldeichen Erreichen des Bemessungswasserstandes oder unmittelbare Gefahr von Deichbrüchen |
| Sachsen-Anhalt | Alarmstufe 1: Flussbett bordvoll, stellenweise kleine Ausuferungen. | Alarmstufe 2: Ausuferungen beginnen, die bei eingedeichten Gewässern bis an den Deichfuß reichen. Land- und forstwirt. Flächen sind überflutet, teilweise leichte Verkehrsbehinderungen an Straßen | Alarmstufe 3: Überflutung einzelner Grundstücke, Straßen oder Keller möglich. Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen. Bei eingedeichten Gewässern steht das Wasser bis zur halben Deichhöhe | Alarmstufe 4: Überflutung größerer Flächen, unmittelbare Gefährdung für Menschen, Tiere, Objekte und Anlagen. Standsicherheit der Deiche ist gefährdet. Gefahr der Deichüberströmung. |
| Schleswig-Holstein | Nicht definiert | Nicht definiert | Nicht definiert | Nicht definiert |
| Thüringen | Meldebeginn | Meldestufe 1: Kontrolldienst an wasserwirtschaftlichen Anlagen und Gefährdungspunkten | Meldestufe 2: Ständiger Wachdienst an wasserwirtschaftlichen Anlagen und Gefährdungspunkten. | Meldestufe 3: Hochwasserabwehr |
Informationsportale und Warnsysteme
Warnapps
Wichtig für die zeitnahe Warnung der Bevölkerung vor Hochwasser sind Warnsysteme:
- Verfügbar als App, SMS (auch für nicht-Smartphone)
- Herausgeber: Fraunhoferinstitut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS)
- Entwickelt im Auftrag der öffentlichen Versicherer
- Sehr lokale Informationen basierend auf NINA und den lokalen Behörden, Einrichtungen und Leitstellen; wird aber nur in bestimmten Städten und Gemeinden verwendet
- Zeichnet keine Bewegungsprofile auf (anders als BIWAPP und NINA)
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


MehrWetter
MehrWetter
- Verfügbar als App
- Herausgeber: Verband der öffentlichen Versicherer e.V.
- Entwickelt vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme
- Bis zu zehn Tage ortsbezogene Wettervorhersage, Push-Nachrichten zum Wetter für ausgewählte Aktivitäten (etwa Radfahren, Grillen, Wintersport…)
- ortsbezogene Unwettermeldungen von UBIMET
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


NINA
NINA
- verfügbar als App, SMS (als push-Nachricht, keine echte SMS), Web-Widget, und online-Webseite
- Herausgeber: Agentur Marktplatz GmbH
- Regionale bis Informationen basierend auf NINA; weiterhin geben Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und Städte Warnmeldungen an BIWAPP
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


DWD WarnWetter App.
DWD WarnWetter App.
Cell Broadcast
Cell Broadcast
- Cell Broadcast ist ein standardisiertes Warnsystem für Mobilgeräte, das Behörden ermöglicht, standortbasierte Warnmeldungen direkt auf Mobiltelefone innerhalb eines bestimmten geografischen Gebiets zu senden – auch ohne installierte App.
Kommunale Warnsysteme & Sirenenanlagen
Kommunale Warnsysteme & Sirenenanlagen
Diese arbeiten teilweise unabhängig von den klassischen Warn-Apps und richten sich an Bevölkerung, Kommunen, Fachstellen und Einsatzkräfte:
Führt die Hochwasserportale der Bundesländer zusammen (Siehe Tabelle oben), biete aktuelle Pegelstände, -Prognosen und Warnungen
Hochwasserzentralen (HWZ):
- Digitale Sirenen- und Lautsprechersysteme:.
- Ampelsysteme an hochwassergefährdeten Straßen und Brücken
- Kommunale Webseiten, Newsletter und SMS-Systeme:
- Einige Städte wie Köln, Dresden oder Passau nutzen E-Mail-Newsletter, SMS-Dienste oder Messenger-Gruppen zur Warnung
- Fliwas: Hochwasserkrisenmanagementsystem, für die kommunale Verwendung entwickelt
Wetterdienste mit spezialisierten Diensten (i.d.R. kostenpflichtig)
Wetterdienste mit spezialisierten Diensten (i.d.R. kostenpflichtig)
WetterKontor, UBIMET, kachelmannwetter.com u. a. bieten Frühwarnung und spezifische Gefahrenanalysen für:
- Bauprojekte
- Industrieanlagen
