Hagelvorhersage – eine schwierige Aufgabe
Hagelstürme stellen eine besondere Herausforderung für die Wettervorhersage dar. Sie entstehen aus komplexen Prozessen und treten meist sehr kleinräumig auf – oft erstreckt sich ein Hagelereignis nur über wenige Kilometer. Das macht die Hagelvorhersage besonders schwierig. Solche Ereignisse frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu warnen, ist hier die Kernaufgabe. Selbst die möglichst präzise Einschätzung der aktuellen Wetterentwicklung in Echtzeit (sog. Nowcasting) – stößt bei Hagel an Grenzen.

Hagelvorhersage – eine Frage der Rechenmodelle
Computermodelle, die Hagelereignisse vorhersagen sollen, müssten eigentlich Prozesse abbilden, die von der mikroskaligen Hagelbildung in Gewitterwolken bis hin zu großräumigen Wetterdynamiken wie Frontensystemen reichen. Weil eine derart detaillierte Berechnung für die Hagelvorhersage technisch kaum umsetzbar ist, müssen in den Modellen notwendige Vereinfachungen vorgenommen werden. So konzentrieren sich Wetter- und Klimamodelle darauf, atmosphärische Bedingungen zu identifizieren, unter denen Hagel wahrscheinlich wird – etwa starke Windscherung oder hohe Luftfeuchtigkeit. Die direkte Modellierung der Bildung von Hagelkörnern ist dagegen zu rechenintensiv.
Stürme in Echtzeit aus Wetterdaten erkennen
Im Idealfall würden Wettermodelle kontinuierlich mit aktuellen Beobachtungsdaten gefüttert, wie das zum Beispiel bei Regen, Windgeschwindigkeit oder Windrichtung durch Satelliten und Wetterstationen gut funktioniert. Bei der Hagelvorhersage ist das schwieriger: Satelliten können Hagelkörner in der Wolke nicht direkt erfassen, sondern erkennen nur Niederschlag, aber nicht, ob es sich dabei um Regen, Hagel oder Schnee handelt.
Radarwellen können Hagelkörner erkennen
Einen besseren Einblick für die Hagelvorhersage liefern moderne Radarsysteme. Durch den Einsatz polarisierter Radarwellen kann etwa die Form des Niederschlags detektiert und so zwischen fallenden Regentropfen (diese sind eher horizontal abgeplattet) und Hagelkörnern (eher rund bis hochkant oval) unterschieden werden. Neueste Radarsysteme verwenden eine Dual-Polarisation, bei der das Signal horizontal und vertikal polarisierte Radarwellen aussendet und empfängt, was eine noch genauere Charakterisierung des Niederschlags ermöglicht.
Hagelpads zeichnen Einschläge auf
Objektive Messungen am Boden ermöglichen sogenannte Hagelpads – spezielle Messgeräte, die den Einschlag von Hagelkörnern aufzeichnen. Diese Pads bestehen typischerweise aus normierten Styropor- oder Schaumstoffplatten mit einer Einfassung aus Aluminiumfolie und zeichnen den Einschlag von Hagelkörnern auf. Sie liefern präzise Daten u.a. zur Hagelgröße und -Masse und Anzahl der Hagelkörner pro Flächeneinheit.
Hagelpads lassen sich aber nur punktuell einsetzen, was ein Manko ist, da Hagelstürme lokale Ereignisse sind mit einer zum Teil erheblichen räumlichen Variabilität. Ihre Verwendung schwank von Land zu Land, die Schweiz verfügt z.B. über ein wesentlich dichteres Messnetz zur Hagelvorhersage aus diesen Pads als Deutschland, vor allem in besonders hagelgefährdeten Regionen.
Meldung von aktuellen Wetterbeobachtungen
Neben Radar- und Satellitendaten sind aktuelle Wettermeldungen aus der Bevölkerung eine weitere wichtige Informationsquelle für die Hagelvorhersage. Hier können Wetterbeobachtungen in Echtzeit gemeldet werden:
Subjektive Meldungen helfen trotzdem
Solche Meldungen liefern wertvolle Hinweise über tatsächlich auftretenden Hagelschlag, sind aber naturgemäß subjektiv, vor allem wenn es um die Größe der Hagelkörner geht. Außerdem kommen sie oft mit stärkerer Verzögerung im Vergleich zu instrumentellen Wetterdaten.
Entwicklungen der Hagelvorhersage
In den vergangenen Jahrzehnten wurden enorme Fortschritte bei der Vorhersage und Beobachtung von Hagelunwettern erzielt. Zum einen haben sich die Wettervorhersagemodelle dank gesteigerter Rechenleistung deutlich verbessert. Zum anderen sind sie heute in der Lage, das tatsächliche Auftreten von Hagel immer zuverlässiger vorherzusagen.
Modelle lernen kontinuierlich dazu
Die Modelle der Hagelvorhersage „lernen“ dabei kontinuierlich, indem sie mit realen Wetterdaten abgeglichen werden. Dieser Lerneffekt wird zusätzlich durch modernste Radartechnologie unterstützt, die Hagelereignisse immer präziser erkennen kann. Ein so extremes Hagelunwetter wie jenes, das 1984 München traf, würde heute mit hoher Wahrscheinlichkeit frühzeitig erkannt und durch eine Wetterwarnung angekündigt – im Gegensatz zu damals, als eine entsprechende Warnung ausblieb.
Es besteht weiterhin Forschungsbedarf
Dennoch besteht weiterhin erheblicher Forschungsbedarf zu Hagelvorhersagen. So werden die Prognosen noch verlässlicher und lassen sie etwa in konkrete Warnungen für die Bevölkerung umsetzen – idealerweise mit Informationen zur erwarteten Größe der Hagelkörner.
Warnapps
Wichtig für die zeitnahe Warnung der Bevölkerung vor Gewitter mit Hagelschlag sind Warnsysteme:
- Verfügbar als App, SMS (auch für nicht-Smartphone)
- Herausgeber: Fraunhoferinstitut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS)
- Entwickelt im Auftrag der öffentlichen Versicherer
- Sehr lokale Informationen basierend auf NINA und den lokalen Behörden, Einrichtungen und Leitstellen; wird aber nur in bestimmten Städten und Gemeinden verwendet
- Zeichnet keine Bewegungsprofile auf (anders als BIWAPP und NINA)
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


MehrWetter
MehrWetter
- Verfügbar als App
- Herausgeber: Verband der öffentlichen Versicherer e.V.
- Entwickelt vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme
- Bis zu zehn Tage ortsbezogene Wettervorhersage, Push-Nachrichten zum Wetter für ausgewählte Aktivitäten (etwa Radfahren, Grillen, Wintersport…)
- ortsbezogene Unwettermeldungen von UBIMET
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


NINA
NINA
- verfügbar als App, SMS (als push-Nachricht, keine echte SMS), Web-Widget, und online-Webseite
- Herausgeberin: Agentur Marktplatz GmbH
- Regionale bis Informationen basierend auf NINA; weiterhin geben Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und Städte Warnmeldungen an BIWAPP
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


DWD WarnWetter App.
DWD WarnWetter App.
Cell Broadcast
Cell Broadcast
- Cell Broadcast ist ein standardisiertes Warnsystem für Mobilgeräte, das Behörden ermöglicht, standortbasierte Warnmeldungen direkt auf Mobiltelefone innerhalb eines bestimmten geografischen Gebiets zu senden – auch ohne installierte App.
Kommunale Warnsysteme & Sirenenanlagen
Kommunale Warnsysteme & Sirenenanlagen
Diese arbeiten teilweise unabhängig von den klassischen Warn-Apps und richten sich an Bevölkerung, Kommunen, Fachstellen und Einsatzkräfte:
Führt die Hochwasserportale der Bundesländer zusammen (Siehe Tabelle oben), biete aktuelle Pegelstände, -Prognosen und Warnungen
Hochwasserzentralen (HWZ):
- Digitale Sirenen- und Lautsprechersysteme:.
- Ampelsysteme an hochwassergefährdeten Straßen und Brücken
- Kommunale Webseiten, Newsletter und SMS-Systeme:
- Einige Städte wie Köln, Dresden oder Passau nutzen E-Mail-Newsletter, SMS-Dienste oder Messenger-Gruppen zur Warnung
- Fliwas: Hochwasserkrisenmanagementsystem, für die kommunale Verwendung entwickelt
Wetterdienste mit spezialisierten Diensten (i.d.R. kostenpflichtig)
Wetterdienste mit spezialisierten Diensten (i.d.R. kostenpflichtig)
WetterKontor, UBIMET, kachelmannwetter.com u. a. bieten Frühwarnung und spezifische Gefahrenanalysen für:
- Bauprojekte
- Industrieanlagen
Automated Severe Weather Guidance
Automated Severe Weather Guidance
- Verfügbar als Website
- Entwickler: European Severe Storms Laboratory (ESSL) (AR-CHaMo Modell)
- Bietet eine Europa-weite Karte mit Wahrscheinlichkeiten für Hagelschlag und Hagelgrößen an
- Enthält keine automatisierte Warnfunktion
- Erlaubt grafische Validierung vergangener Hagelschlag-Prognosen mit tatsächlichen Hagelmeldungen aus der European Severe Weather Database
- Die Website der Automated Severe Weather Guidance finden Sie hier.
