Die Gewinnerin des Blauen Kompass‘ 2026 in der Kategorie „Schule“ kommt aus Sachsen-Anhalt: Die St. Mauritius-Sekundarschule in Halle (Saale) hat die Jury mit einem Projekt überzeugt, das Wasser vor Ort sammelt, mehrfach wiederverwendet und erst nach diesem Kreislauf das Wasser wieder in die Umwelt abgibt. Die Schule schafft sozusagen eine Schwammstadt im Kleinen. Wir haben uns das Projekt von der Schule genau beschreiben lassen.

Schwammstadt-Konzept stärkt die Resilienz vor Ort
Um Städte resilienter gegen Klimaextreme wie Dürre oder Starkregen zu machen, hat sich das Konzept der Schwammstadt etabliert. Statt Regenwasser schnell über versiegelte Flächen und die Kanalisation abzuleiten, wird es gespeichert, versickert, verdunstet oder später wieder genutzt. Solche dezentralen Lösungen können helfen, Klimaextreme abzufedern. Bei Starkregen wird zumindest ein Teil des Niederschlags vorübergehend zurückgehalten und fließt nicht unmittelbar ab. Während längerer Trockenphasen steht das gespeicherte Wasser dagegen für Pflanzen und Bewässerung zur Verfügung.
Dass das Schwammstadt-Konzept nicht nur auf Stadtebene funktioniert, zeigt die St. Mauritius-Sekundarschule in Halle (Saale) mit dem Projekt „Campus Cultiva“, das 2026 mit dem Bundespreis „Blauer Kompass“ in der Kategorie „Schule“ ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt steht die Idee, Wasser nicht einfach abzuleiten, sondern es vor Ort zu speichern, mehrfach zu nutzen und möglichst lange im lokalen Kreislauf zu halten. Damit greift das Projekt einen zentralen Gedanken des Schwammstadt-Prinzips auf.

Wasser ressourcenschonend nutzen
Herzstück von Campus Cultiva ist ein Gewächshaus mit Aquaponikanlage. Unter Aquaponik versteht man die Kopplung von Aquakultur, also der Aufzucht wasserlebender Nutztiere, mit Hydroponik, dem erdlosen Anbau von Nutzpflanzen, in einem weitgehend geschlossenen Wasserkreislauf. Das Wasser aus den Fischbecken versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen, wird dabei gereinigt und anschließend wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Auf den Einsatz von Pestiziden kann dabei verzichtet werden, und auch die Nährstoffversorgung der Pflanzen erfolgt weitgehend über die Ausscheidungen der Fische. Die benötigte Energie liefert eine Solaranlage. Ergänzt werden soll das System durch eine größere Anlage zur Sammlung und Nutzung von Regenwasser.
Schon beim Bau des Projekts haben die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften auf möglichst wenig Flächenverbrauch geachtet. So steht das Gewächshaus auf einem Streifenfundament, nicht auf einer komplett versiegelten Bodenplatte. Die Aquaponikanlage speist sich aus Regenwasser, das vor Ort gesammelt wird. Sollte das wider Erwarten nicht ausreichen, führen die Schülerinnen und Schüler Wasser aus dem benachbarten Grundwasserbrunnen zu. Trinkwasser aus der öffentlichen Leitung ist somit nicht nötig.
Die Schule verbindet zwei Herausforderungen
„Campus Cultiva“ verbindet so zwei Herausforderungen, die durch den Klimawandel zunehmend gemeinsam gedacht werden müssen: zu viel Regenwasser innerhalb kurzer Zeit und Wassermangel während längerer Trockenperioden. Das Projekt zeigt im überschaubaren Maßstab, wie sich Wasser ressourcenschonend nutzen lässt und zugleich ein Beitrag zur Nahrungsmittelproduktion geleistet werden kann.

Schulen als Multiplikatoren für Klimaanpassung
Besonders wertvoll ist, dass diese Prinzipien nicht nur technisch umgesetzt, sondern unmittelbar in den Schulalltag integriert werden. Schülerinnen und Schüler lernen, wie Wasserkreisläufe funktionieren, wie Regenwasser gesammelt und genutzt werden kann und wie technische und naturbasierte Lösungen zusammenspielen. Dabei bleibt es nicht bei theoretischem Wissen: Die Jugendlichen haben unter Anleitung die Anlagen geplant, betrieben und weiterentwickelt. Die Arbeit an den Projekten lässt sich auf vielfältige Weise in den Unterricht einbinden – etwa durch die chemische Analyse des Wassers im Chemieunterricht oder die Vermittlung der theoretischen Grundlagen der Solartechnik im Physikunterricht.
Gerade darin liegt eine besondere Stärke von Schulen als Orte der Klimaanpassung: Sie sind wichtige Multiplikatoren.
Was Schülerinnen und Schüler im Unterricht und bei praktischen Projekten kennenlernen, bleibt nicht auf dem Schulgelände. Sie tragen die Ideen in ihre Familien und ihr persönliches Umfeld weiter. Fragen wie „Was passiert eigentlich mit dem Regenwasser von unserem Dach?“, „Könnten wir Wasser auffangen?“ oder „Muss der Vorgarten vollständig versiegelt sein?“ können so auch zu Hause diskutiert werden. Aus einem einzelnen Schulprojekt kann dadurch ein deutlich größerer Lerneffekt entstehen. Klimaanpassung wird sichtbar, verständlich und konkret – und erreicht über die Schülerinnen und Schüler auch Eltern, Nachbarschaften und weitere Teile der Gesellschaft.

Kleinräumliche Prävention dient dem großen Ganzen
Kleinräumliche Projekte wie „Campus Cultiva“ der St. Mauritius-Schule sind ein Mosaikstein für einen funktionierenden, überregionalen Hochwasser- und Starkregenschutz. Jeder Tropfen Wasser, der auf der Fläche gesammelt und zeitlich versetzt abgeführt wird, verringert Hochwasserspitzen und mögliche Sturzfluten nach Starkregen. Solche mit vergleichsweise geringem Aufwand umsetzbaren Maßnahmen helfen aber auch unmittelbar vor Ort, da etwa weniger Regenwasser über versiegelte Flächen direkt zum Wohngebäude (oder in diesem Fall Schulgebäude) geleitet wird. Zusammen mit weitern baulichen Präventionsmaßnahmen ergibt sich ein resilienteres, vor Naturgefahren gewappnetes Gebäude.
Auch der Landkreis Fulda ist ausgezeichnet
Ein weiterer Preisträger des „Blauen Kompass“ in der Kategorie „Kommunen“ ist der Landkreis Fulda. Er hat ein interkommunales Starkregen-Frühwarnsystem etabliert, an dem alle 23 Städte und Gemeinden des Landkreises beteiligt sind. Hier stellen wir das Projekt genauer vor.
Weitere Infos
Der Bundespreis „Blauer Kompass“ zeichnet innovative Projekte aus, die zeigen, wie wir uns wirksam an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Ausgezeichnet werden engagierte Kommunen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Vereine und andere Organisationen, die konkrete Lösungen für die Klimaanpassung entwickeln und umsetzen. Der Preis wird vom Umweltbundesamt und dem Bundesministerium für Umwelt vergeben. Im Mittelpunkt stehen Projekte, die Vorbildcharakter haben und andere zum Nachmachen anregen. Alle Preisträger sowie Informationen zur Teilnahme für den nächsten Bundespreis „Blauer Kompass“ finden Sie hier.



