Herbststürme: Warum wird es im Herbst so windig?

Ursachen und Auswirkungen von starkem Wind und wie Sie sich schützen können

Im Herbst fallen nicht nur die Blätter – meist wird auch das Wetter deutlich windiger. Nach dem vergleichsweise ruhigen Sommer ziehen wieder häufiger kräftige Tiefdruckgebiete über Deutschland hinweg. Doch warum beginnt gerade im Herbst die Sturmsaison?

Sturmschäden.
Das Dach weist erhebliche Schäden auf, mit zerbrochenen Dachziegeln und einem teils freiliegenden Dachstuhl. Der Schornstein ist weiterhin intakt, während sich dunkle Wolken über dem Gebäude zusammenziehen und auf möglicherweise weiteres schlechtes Wetter hindeuten.© Adobe Stock

Temperaturunterschiede zwischen niedrigen und hohen Breiten

Der wichtigste Grund liegt in den zunehmenden Temperaturunterschieden zwischen niedrigen und hohen Breiten. Während sich die arktischen Regionen im Herbst rasch abkühlen, bleiben der Atlantik und die südlicheren Breiten zunächst noch vergleichsweise warm. Dadurch wächst der Temperaturgegensatz in der Atmosphäre, was wiederum die Entstehung und Verstärkung von Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik verstärkt.

Druckausgleich führt zu Luftmassenbewegungen – also Wind

Die Atmosphäre versucht diese Druckunterschiede auszugleichen – Luft strömt von Gebieten höheren zu Gebieten niedrigeren Luftdrucks. Je stärker der Druckgradient, desto stärker kann der Wind werden. Auf Wetterkarten erkennen wir diese Situation an kräftigen Tiefdruckgebieten und eng beieinanderliegenden Isobaren. Solche Tiefs ziehen häufig vom Nordatlantik über die Britischen Inseln und die Nordsee Richtung Mitteleuropa. Deshalb trifft stürmisches Wetter besonders häufig den Norden und Westen Deutschlands, bei entsprechend kräftigen Sturmtiefs aber auch große Teile des Landes.

Der warme Atlantik liefert zusätzliche Energie

Im Herbst kommt allerdings noch ein weiterer Faktor hinzu: Die Meere sind nach dem Sommer noch relativ warm. Das gilt insbesondere für den Atlantik, aber auch für das Mittelmeer.

Warme Meeresoberflächen geben große Mengen Wasserdampf an die Atmosphäre ab. Dadurch steht den Tiefdruckgebieten viel Feuchtigkeit zur Verfügung. Das bedeutet zunächst: Herbststürme können reichlich Regen mitbringen.

Hohe Luftfeuchtigkeit kann die Sturmbildung unterstützen

Die Feuchtigkeit kann aber auch die Entwicklung eines Sturms unterstützen. Wenn Wasserdampf in Wolken kondensiert, wird sogenannte latente Wärme freigesetzt. Diese zusätzliche Wärme beeinflusst die Luftströmungen innerhalb eines Tiefdruckgebiets und kann seine Verstärkung begünstigen.

Vereinfacht gesagt: Der zunehmende Temperaturgegensatz bringt die Sturmsaison in Gang, während der noch warme und feuchte Atlantik manchen Tiefdruckgebieten zusätzlichen Schub geben kann.

Doch welche konkreten Auswirkungen haben Stürme?

Aufräumen, bevor es stürmt

Im goldenen Oktober genießen die Menschen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen, versuchen, so oft es geht draußen zu sein. Entsprechend sehen unsere Gärten nach dem langen Sommer aus: Spielgeräte liegen auf der Wiese, Gartenstühle, Grill, Sonnenschirm und Sonnenliegen stehen auf der Terrasse oder dem Balkon. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, kann während eines Sturms zum Flugobjekt werden, das Fassaden beschädigt oder Scheiben einschlägt.

Darum sollten Sie das Wetter immer gut im Blick behalten. Im Herbst kann es schnell umschlagen. Vor einer Schlechtwetterfront kann es sonnig und vergleichsweise warm sein, binnen weniger Stunden aber regnerisch bis stürmisch. Machen Sie Ihr Haus und Ihr Grundstück unbedingt „herbstfest“: Spielsachen und Sonnenschirm sicher verstauen, Möbel sichern, Grill in die Garage. Überprüfen Sie dabei gleichzeitig, ob die Gasflasche fest verschlossen ist. Bestenfalls trennen Sie sie vom Grill.

Mülltonnen, Fahrräder und Leitern sollten Sie ebenfalls sichern oder in der Garage/dem Keller abstellen. Stellen Sie winterharte Kübelpflanzen windgeschützt auf, alle anderen gehören vor dem ersten Nachtfrost ins Haus. Verschließen Sie Gartenhäuser und Geräteschuppen und überprüfen sie, ob Fenster, Türen und die Dachabdeckungen fest und sicher sind. Das gleiche gilt natürlich auch fürs Wohnhaus. Überprüfen Sie Bäume auf ihre Standsicherheit und ob sie eventuell lose oder morsche Äste haben.

Wohngebäude langfristig schützen

Langfristig lohnt es sich vor allem in besonders sturmgefährdeten Regionen, Wohnhäuser auch baulich sturmfest zu ertüchtigen, etwa mit Sturmklammern an den Dachziegeln und ausreichend belastbaren Fenstern, Türen und Fassaden. Auch Vordächer, Wintergärten, Carports und Markisen lassen sich sturmsicher errichten.

Viele bauliche Präventionsmaßnahmen adressieren mehrere Naturgefahren gleichzeitig. Ein sturmsicheres Dach etwa schützt auch vor Starkregen, widerstandsfähige Fenster und Türen sind oft gleichzeitig wasser-, sturm- und hagelfest.

Im Notfall: Eigenschutz beachten!

Wichtig im Notfall: Wenn ein Sturm unmittelbar bevorsteht oder bereits an Ihrem Standort tobt, bringen Sie sich und Ihre Angehörigen in Sicherheit. Steigen Sie nicht auf Leitern und begeben Sie sich nicht in gefährdete Gebiete. Ihr Eigenschutz ist immer höherwertig als eilig versuchte Sicherungsmaßnahmen von Gegenständen oder am Gebäude.

Immer wieder kommt es vor, dass nach Herbst- und Winterstürmen der Strom kurzzeitig ausfällt. Beachten Sie daher auch die Empfehlungen des BBK für ein stets griffbereites Notfallpaket.


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