Fünf Jahre nach der Flut

Im Ahrtal ist der Wiederaufbau weiterhin nicht abgeschlossen / Bewohnerinnen und Bewohner setzen auf resiliente Gebäude

Fünf Jahre nach der verheerenden Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 ist im Ahrtal nichts wie vor der Katatstrophe. Die Sturzflut, ausgelöst durch Sturmtief „Bernd“, kostete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 180 Menschenleben, allein 134 waren es im Ahrtal. Auch wenn das Erinnern in diesen Tagen im Mittelpunkt steht: Die Menschen blicken auch und vor allem nach vorn. Vor allem die privaten Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sowie die Gewerbetreibenden bauen in einer Mischung aus Trotz und Zuversicht ihre Existenzen wieder auf. Resilienz und Schutz vor einer erneuten Flut haben sie dabei stets im Fokus.

Fehlentscheidungen vor, während und nach der Flut

Eine ganze Reihe Fehlentscheidungen vor, während und nach der Sturzflut haben zu deren fatalen Auswirkungen beigetragen. Mehr als 8800 Gebäude zerstörten die Fluten allein an der Ahr, außerdem 17 Schulen. Warnungen blieben aus, Katastrophenschutz-Strukturen wurden teils viel zu spät aktiviert. Diese Strukturen sind seitdem verbessert. Weite Teile der Infrastruktur sind wieder hergestellt. Klar ist aber auch: Individueller Selbstschutz ist wichtig. Zumal überörtlicher Hochwasser- und Sturzflutschutz nicht von heute auf morgen realisiert werden kann. So gibt es zwar weitreichende Planungen für Rückhaltebecken und Flutpolder. Bis die aber gebaut sind, können noch Jahrzehnte vergehen.

Das Hochwasser in Altenahr-Altenburg.
Das Hochwasser in Altenahr-Altenburg.© Martin Seifert (ursprünglich: CnndrBrbr), CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=107715728

Dauerregen mit punktuellen Starkregenspitzen

Doch was war passiert? Damals sorgte das ortsfeste Tiefdruckgebiet „Bernd“ für ergiebigen Dauerregen mit zahlreichen punktuellen Starkregenspitzen vor allem über Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Böden, Bäche und Flüsse konnten die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, versiegelte Flächen verschlimmerten die Situation zusätzlich. Enorme Schäden in der gesamten Region waren die Folge. Im engen Ahrtal stieg das Wasser extrem an, riss alles mit. Mehr zu den Ursachen und den direkten Auswirkungen lesen Sie hier.

Eindrückliche Dokumentation der Provinzial

Mit mehr als 11 Milliarden Euro versicherter Schäden ist „Bernd“ die bisher teuerste Naturkatastrophe in Deutschland. Die Provinzial trug dabei die meisten Schäden, da sie der größte Gebäudeversicherer der Region ist. Das nahm die Versicherung zum Anlass, zum fünften Jahrestag eine eindrückliche Dokumentation zur Flut zu produzieren:

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Unbeziffert bleibt der immaterielle Schaden. Denn die Wassermassen haben auch Erinnerungen weggespült: Hochzeitskleider, Fotoalben, Handarbeiten, Erbstücke, deren Wert sich nicht in Geld bemessen lässt. Erst langsam sammeln sich bei den Menschen im Ahrtal neue Erinnerungsstücke an. Einige Häuser werden wieder aufgebaut, andere neu errichtet. Dabei spielt ein Gedanke immer mit: Was, wenn eine solche Flut wieder kommt?

Resilienz mildert Schäden ab und schützt Menschenleben

Elementa will dazu beitragen, zukünftig Katastrophen wie „Bernd“ einen Teil ihres Schreckens zu nehmen. Die tragischen Stunden in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 haben uns vor Augen geführt, wie verwundbar wir sind. Sie haben aber auch gezeigt, dass Resilienz maßgeblich dazu beiträgt, Schäden abzumildern und Menschenleben zu schützen. Zumal aufgrund des Klimawandels ähnliche Ereignisse sehr wahrscheinlich immer häufiger auftreten werden.

Hochwasser-Demenz ist ein messbares Problem

Tatsächliche Resilienzen aufzubauen scheitert dabei nicht nur an Ressourcen. Die Bereitschaft zu eingreifenden Veränderungen zum Eigenschutz sinkt, je länger ein einschneidendes Ereignis wie die Ahrtalflut zurückliegt – vor allem bei den nicht direkt betroffenen Zeugen einer solchen Katastrophe. Das als „Hochwasser-Demenz“ bezeichnete Verdrängen realer Gefahren stellt insbesondere bei größeren Schutzprojekten mit spürbarem Eingriff in die Landschaft und die Gewohnheiten der Menschen Hürden dar, die nicht immer überwindbar scheinen. Dies ist einschlägig dokumentiert und erforscht. Auch hier will Elementa gegensteuern, unter anderem mit kontinuierlicher Pressearbeit und Präsenz in den Sizialen Medien wie LinkedIn, Instagram und Facebook.

Neue Forschungsergebnisse: Gefahrenkarten waren unzureichend

Eine Lehre aus der Flut war schon kurz nach dem Zurückweichen des Wassers: Der Katastrophenschutz hat nicht lückenlos funktioniert. Die Verantwortlichen wähnten sich in viel geringerer als der tatsächlich drohenden Gefahr. Das lag unter anderem daran, dass sich keiner der Entscheider auch nur annähernd einen solch dramatischen Verlauf hatte vorstellen können. Die vorliegenden Gefahren- und Risikokarten ließen ein solches Ausmaß auch nicht erahnen. Sie gingen von deutlich niedrigeren Pegelständen aus. Da sich auch die akuten Prognosen zum Teil auf diese Kartierungen beriefen, wähnten sich die Verantwortlichen einer weit geringeren Gefahr ausgesetzt. Tatsächlich übertraf die Katastrophe sogar die pessimistischsten Befürchtungen.

Klimawandel ist Teil des Problems

Dabei lagen Nachweise ähnlich starker Hochwasser unter den Füßen der Menschen im Ahrtal. Bohrkerne aus dem Uferbereich deuten an, dass es in den vergangenen 1500 Jahren mindestens vier ähnlich starke Sturzfluten gegeben hat, zuletzt um 1910 (Zielhofer et al, 2026). Die Kartierungen beriefen sich aber ausschließlich auf Pegelstände, die nach Ende des zweiten Weltkriegs aufgezeichnet worden sind.

Der Klimawandel sorgt dafür, dass meteorologische Konstellationen wie während der Ahrtal-Flut häufiger auftreten. Ausgeschlossen waren sie aber auch in vorindustrieller Zeit nicht, auch das zeigen die Forschungsergebnisse.

Die Forscher der Unis Leipzig und Potsdam, des Curt-Engelhorn-Zentrums Mannheim, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig sowie des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa Leipzig fordern daher, dass flächendeckend auch historische, archäologische und geologische Erkenntnisse in die Notfallkarten und in die Gefahrenanalyse mit einfließen sollen.


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