Best Practice am Eigenheim: Individueller Starkregenschutz an Wohngebäuden
Vieles, was großflächig große Regenmengen zurückhält und verteilt, lässt sich auch zuhause kleinräumlich umsetzen. Das geschieht dann natürlich in deutlich geringeren Dimensionen – dafür aber oft auch mit erheblich weniger Aufwand.

Starkregenvorsorge am privaten Bauvorhaben
Im Folgenden finden Sie eine Auswahl kleinerer Projekte, die sich mit innovativen Ansätzen der Starkregenvorsorge befasst haben.
Neubaugebiet in Nürnberg
Mit einfachen Geländemodellen konnte ein Neubaugebiet im Nürnberger Stadtteil Höfles Regenwasser effizient zurückhalten und auf aufwendige Technik verzichten
Städtischer Kindergarten Stein (Immenstadt im Allgäu)
Gezielte Freiflächengestaltung machen einen Kindergarten widerstandsfähig gegen Regen.
Neubaugebiet in Nürnberg
Aufgabe
Im Nürnberger Ortsteil Höfles, am Rand des Knoblauchlands, wurde ein kleines Neubaugebiet mit sechs Doppel- und drei Reihenhäusern realisiert. Aus planerischen Gründen musste das Regenwasser komplett auf dem Gelände zurückgehalten werden. Das öffentliche Kanalsystem war bereits ausgelastet, und eine Ableitung in einen nahegelegenen Graben wäre technisch zu aufwendig und wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen. Gleichzeitig stellte der stark verdichtete Boden mit geringer Wasserdurchlässigkeit eine besondere Herausforderung dar. Einzig die Einleitung des Straßenwassers in den öffentlichen Kanal war erlaubt, alle anderen Abflüsse müssen auf dem Gelände verbleiben.
Die Lösung: Mulden
Die Lösung lag in der Geländeplanung: Statt teurer Technik wie Rohre oder Rigolen wurde das Gelände so modelliert, dass Regenwasser in flachen Mulden gesammelt und zwischengespeichert werden kann – auf den Grundstücken selbst, aber auch in gemeinschaftlich genutzten Bereichen wie Spielplätzen und am Ortsrand. Diese Flächen wurden so gestaltet, dass sie weiterhin als Garten oder Spielfläche nutzbar bleiben und maschinell gepflegt werden können. Zur Dimensionierung: Das Planungsbüro legte zuerst laut vorgeschriebenen Normen (etwa die DIN 1986) ein fünfminütiges Starkregenereignis mit zweijährlicher Wiederkehrzeit zu Grunde, was in der Region Nürnberg bei 7,5 Liter pro Quadratmeter liegt. Dies wurde aber als viel zu gering dimensioniert angesehen, da die Niederschlagsstatistik jährliche maximale Niederschlagsmengen von 60 bis 80 Liter pro Quadratmeter aufführt. Letztlich legten sie die Mulden auf Regenmengen von 60 Liter pro Quadratmeter aus.
Keine Rigolen
Auf technische Rückhaltesysteme wie Rigolen verzichtete die Planung, da die geringe Sickerfähigkeit des Bodens sie als ungeeignet erscheinen ließ – das Wasser würde nicht schnell genug aus den Speicherkörpern versickern. Ein weiteres Argument gegen den Einsatz von Rigolen waren die hohen Bau- und Wartungskosten. Durch den Verzicht auf unterirdische Technik entstehen keine Folgekosten – weder für Wartung noch für städtische Regenwassergebühren. Letztere entfallen vollständig, was pro Haus etwa 100 Euro jährlich einspart.
Bewährung in der Praxis
Es stellte sich heraus, dass selbst bei gefrorenem (und daher sehr undurchlässigem) Boden oder bei vollständig gesättigten Flächen das System in der Lage ist, das Wasser sicher zurückzuhalten. Obwohl in den Privatgärten die Mulden z.T. mit Oberboden verfüllt wurden, konnten keine Überflutungen oder Probleme beobachtet werden – im Gegenteil: Das zusätzlich verfügbare Wasser könnte langfristig im Sommer sogar einen positiven Effekt auf die Pflanzengesundheit in der klimatisch trockenen Region haben. Da der Oberboden sehr locker war, hat er Feuchtigkeit gut aufgenommen und die Rückhaltekapazität nicht deutlich beeinträchtigt. Bei einer nachträglichen Verdichtung des Oberbodens hätten aber Probleme auftreten können.


Fazit
Das Projekt in Höfles zeigt, wie sich durch simple Maßnahmen teure technische Entwässerungssysteme vermeiden lassen – kostengünstig, wartungsfrei und angepasst an die Herausforderungen des Klimawandels.
Mehr dazu: Baugebiet Höfles bei Nürnberg, in NEUE LANDSCHAFT, 01/2018
Städtischer Kindergarten Stein (Immenstadt)
Problem
Der Stadtkindergarten Stein in Immenstadt im Allgäu war wiederholt von wild abfließendem Oberflächenwasser betroffen. Bei starken Regenfällen sammelte sich das Wasser auf dem Gelände, überflutete Wege und gefährdete Spielflächen. Die vorhandenen Entwässerungssysteme konnten die Wassermengen nicht zuverlässig ableiten. Die Situation war nicht nur ein bauliches, sondern auch ein sicherheitsrelevantes Problem – besonders in einem sensiblen Umfeld wie einer Kindertagesstätte.
Lösung: Entsiegelung
Um dem zu begegnen, wurde ein umfassendes Konzept für eine klimaangepasste Freiflächengestaltung entwickelt und umgesetzt. Die Lösung kombiniert verschiedene Maßnahmen, die sowohl technische als auch gestalterische Aspekte berücksichtigen. Ein zentrales Element war die gezielte Entsiegelung: Versiegelte Flächen wurden reduziert, versickerungsfähige Beläge eingebaut und die Geländemodellierung so angepasst, dass Regenwasser oberflächlich in begrünte Mulden geleitet wird. Dort kann es zwischengespeichert und anschließend über unterirdische Rigolen dem Boden zugeführt werden.
Ökologischer und Mikroklimatischer Mehrwert
Diese Mulden-Rigolen-Systeme übernehmen die Aufgabe, Regenwasserspitzen abzufangen und langsam zu versickern – ein bewährter Ansatz, der technisch einfach, aber hochwirksam ist. Gleichzeitig wurden bepflanzte Flächen mit robusten, heimischen Stauden und Gräsern geschaffen. Sie fördern nicht nur die Verdunstung, sondern tragen auch zur Biodiversität bei und verbessern das Mikroklima auf dem Gelände.
Besonders bemerkenswert ist die Integration der Maßnahmen in den pädagogischen Alltag. Die Freiflächen des Kindergartens wurden so gestaltet, dass Kinder das Verhalten des Wassers beobachten und die Wirkung der Pflanzen erleben können. Damit wird der Außenbereich zu einem lebendigen Lernort, an dem Themen wie Wasserhaushalt, Natur und Klimaanpassung spielerisch vermittelt werden.
Das Projekt in Stein zeigt beispielhaft, wie mit relativ einfachen Mitteln ein Gebäudeumfeld nicht nur wirksam gegen Starkregen geschützt, sondern auch ökologisch und pädagogisch aufgewertet werden kann. Es liefert wertvolle Impulse für andere kommunale Einrichtungen, die ihre Infrastruktur zukunftsfähig, ökologisch und kindgerecht gestalten wollen.
