Klimaanpassung als Pflichtaufgabe
Mit dem Inkrafttreten des Klimaanpassungsgesetzes im Dezember 2023 wurde die Anpassung an den Klimawandel in Deutschland erstmals gesetzlich verpflichtend. Bund, Länder und Kommunen sind seither dazu verpflichtet, die Folgen des Klimawandels systematisch in ihre Planungs- und Entscheidungsprozesse zu integrieren.
Einen besonderen Stellenwert hat in diesem Zusammenhang das überregionale Starkregenmanagement. Denn Starkregenereignisse nehmen infolge des Klimawandels zu – in Häufigkeit, Intensität und Unvorhersehbarkeit – und stellen eine erhebliche Gefahr für Bevölkerung, Infrastruktur und Umwelt dar.

Starkregenmanagement als Teil der kommunalen Klimaanpassung
Im Gegensatz zum klassischen Hochwasserschutz, der durch gesetzliche Rahmenwerke und technische Richtlinien (z. B. die Hochwasserrisikomanagementrichtlinie der EU) umfassend geregelt ist, fehlen für den Umgang mit Starkregenrisiken bislang weitgehend einheitliche gesetzliche Vorgaben. Lokale Starkregenereignisse sind meist kurzzeitig, schwer vorhersehbar und räumlich sehr begrenzt – das erschwert präventive Maßnahmen und langfristige Planung erheblich.
Gerade deshalb ist ein koordiniertes, überregionales Starkregenmanagement entscheidend: Frühwarnsysteme, interkommunale Zusammenarbeit und ein abgestimmter Wissenstransfer tragen dazu bei, lokale Maßnahmen effizient umzusetzen.
Frühwarnsysteme und überregionale Koordination
Ein zentraler Beitrag des überregionalen Starkregenmanagements ist die Etablierung leistungsfähiger und interoperabler Warnsysteme für Starkregen. Durch die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, wissenschaftlichen Einrichtungen und Wetterdiensten (z. B. DWD) können Risikogebiete frühzeitig identifiziert und kommunale Akteure rechtzeitig informiert werden.
Darüber hinaus ermöglichen zentrale Systeme zur Starkregenmodellierung, zur Risikobewertung und zur Datenbereitstellung eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Städte, Gemeinden und Landkreise. So entsteht eine bundesweite Wissensbasis, auf der lokale Maßnahmen aufsetzen können.
Größere Regenmengen gezielt verteilen
Regionale Maßnahmen wie Auen- und Biotopverbünde, größere, technische Retentionsflächen bis hin zu kleineren Talsperren und ein regionales Zusammenspiel der naturnahen Maßnahmen und technischen Bauwerke kann bereits größere Regenmengen verteilen und dadurch Schäden verhindern oder minimieren. Große Schutzanlagen schließlich wie Stauwehre, große Auengebiete etwa an den Altarmen der Ströme, Flussdeiche und weitere große, technische Bauwerke schließlich sind ein weiteres Rädchen im Zusammenspiel.
Forschung, Finanzierung und Unterstützung durch Bund und Länder
Eine effektive Klimaanpassungsstrategie bei Starkregenereignissen erfordert nicht nur technische Maßnahmen, sondern auch die gezielte Förderung von Forschung, Entwicklung und kommunaler Umsetzung. Der Bund sowie die Länder spielen hier eine wichtige Rolle durch:
- Koordination und Finanzierung von Forschungsprojekten zum Starkregenrisiko,
- Entwicklung überregionaler Starkregenkarten und Risikokatastern,
- Unterstützung bei innovativen Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung,
- Förderprogramme zur Entsiegelung, Versickerung und Rückhaltung von Regenwasser,
- Schaffung von Plattformen für Wissenstransfer und Zusammenarbeit.
Starkregenvorsorge als gemeinsame Aufgabe aller Ebenen
Zwar liegt die Zuständigkeit für konkrete Starkregenmaßnahmen häufig bei den Ländern und Kommunen, doch deren erfolgreiche Umsetzung hängt maßgeblich von einer übergeordneten Koordination, Finanzierung und Rahmensetzung ab. Gefordert ist ein integriertes und übergreifendes System, das Informationen, Methoden und Fördermöglichkeiten effizient bündelt.
Die zunehmende Bedrohung durch extreme Wetterereignisse wie Starkregen erfordert ein Umdenken in Politik und Verwaltung. Mit dem Klimaanpassungsgesetz ist der gesetzliche Rahmen geschaffen worden, doch die Wirkung dieser Verpflichtung hängt entscheidend von der praktischen Umsetzung ab.
