Die Säulen erfolgreicher Starkregen-Vorsorge

Starkregen lässt sich nicht verhindern. In Zukunft wird es aufgrund des Klimawandels sogar zu häufigeren und schwerwiegenderen Starkregen kommen – da ist sich die Forschung weitgehend einig. Entsprechend geht der effektive Schutz von Wohngebäuden und Siedlungen nur über reaktive Maßnahmen. Hochwasser- und Starkregenschutz muss dabei zwingend auf mehrere Schultern verteilt werden. Dabei ist ein Management nötig, das Schäden verhindert, nicht verteilt oder verschiebt.

Bauliche Maßnahmen schützen ein Haus vor Hochwasser.© Elementa / Christina Haristes

Starkregenschutz baut auf mehreren Säulen auf

Regen macht weder vor Gemeinde- noch vor Kreis- oder Landesgrenzen, schon gar nicht vor Grundstücksgrenzen Halt. Um Schäden an Gebäuden, der Verkehrs- und technischen Infrastruktur sowie landwirtschaftlichen Flächen zu vermeiden, bedarf es daher konzertierter Anstrengungen verschiedener Akteure. Ganz individuell können Gebäudebesitzer und Gebäudebesitzerinnen durch resilientes Bauen dafür sorgen, dass Oberflächenwasser ihre Häuser möglichst wenig beschädigt. Das aber wird großflächige Überflutungen nicht verhindern. Vielmehr müssen die Gesellschaft und ihre Vertreter auf unterschiedlichen Ebenen dazu beitragen, dass Überflutungen entweder unterbunden oder – je nach Ereignis – kontrollierbar werden.

Starkregen- und Hochwasserschutz – politischer und regionaler Spielball

Eine naheliegende Reaktion auf zu viel Wasser ist, es möglichst schnell und kontrolliert ab- und umzuleiten, sodass es an Ort und Stelle keine Schäden anrichtet. Das gilt kleinräumlich wie großflächig. Das Wasser ist dann aber nicht weg, sondern nur an einen anderen Ort verdrängt. Überschwemmungsschutz beginnt also im Grunde dort, wo Regenwasser auf den Boden trifft – endet dort aber beileibe nicht. Ein Starkregen kann im Oberlauf eines Gewässers zu einer Sturzflut führen, im weiteren Verlauf zu einem Flusshochwasser werden. Starkregen löst eine Kettenreaktion aus, der konzertiert begegnet werden sollte. Da Überschwemmungs- und Hochwasserschutz aber Geld, Platz und weitere Ressourcen kosten, sind entsprechende Planungen oft umstritten.

Siedlungen und Landnutzung

Deutschland ist dicht besiedelt, liegt im EU-Vergleich hinter den Niederlanden und Belgien auf dem dritten Rang. 230 Menschen teilen sich hierzulande im Durchschnitt einen Quadratkilometer, in den Ballungsräumen deutlich mehr. Entsprechend umkämpft ist die Landnutzung. Siedlungs- und Gewerbegebiete, Verkehrsflächen und landwirtschaftliche Flächen sowie Wälder konkurrieren miteinander. Darum fallen Diskussionen oft heftig aus, wenn große Flächen als Überflutungsgebiete mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten ausgewiesen werden sollen. Zumal wenn diese Flächen nicht oder nur kaum dem unmittelbaren Schutz der Anrainer, sondern womöglich weit flussabwärts lebenden Menschen dienen. Regionale, politische und wirtschaftliche Interessen stoßen hier aufeinander. Am Ende stehen Abwägungsentscheidungen, die nicht zwangsläufig zum bestmöglichen Überschwemmungsschutz führen.

So positioniert sich Elementa – Zentrum Naturgefahren

Nur wenn alle Ebenen ihren Beitrag leisten, ist ein umfassender Schutz vor Überflutungen möglich. So, wie eine komplizierte Mechanik nur dann funktioniert, wenn alle Zahnräder ineinandergreifen, gelingt effektiver Hochwasserschutz nur gemeinsam. Gleichzeitig ist Überschwemmungsschutz von komplexen Variablen abhängig, sodass übergeordnete Planungen ohne kleinräumliche Differenzierungen nicht möglich sind. Genau das macht den umfassenden Schutz vor Überflutungen so schwierig. Eine Wechselwirkung zwischen lokalen Maßnahmen und überregionalen Vorgaben ist also unerlässlich – und muss zwingend möglichst großflächig koordiniert werden.