Erster öffentlicher Auftritt bei der 18. Klimaschutzkonferenz des DStGB in Bonn
Einen Tag nach dem offiziellen Startschuss von Elementa, hat sich das Zentrum Naturgefahren erstmals öffentlich präsentiert: Bei der 18. Klimaschutzkonferenz des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) „Kommunen aktiv für den Klimaschutz“ in Bonn informierten wir zusammen mit dem Verband öffentlicher Versicherer (VöV) über die Klimaschutz- und Klimaanpassungsaktivitäten der Gruppe der öffentlichen Versicherer. Hauptredner der Konferenz und Besucher am Elementa-Stand: Meteorologe, Autor und ARD-Wetter-Moderator Sven Plöger.
Berlin unter einer dicken Eisschicht, alle Alpentäler bis zu den umgebenden Berggipfeln von Gletschern bedeckt: So sah es hierzulande vor etwas mehr als 11.000 Jahren aus. Damals war es gut drei bis vier Grad kälter als heute. „Die Welt war eine total andere. Daher will und kann ich mir nicht ausmalen, wie unsere Welt aussieht, wenn es drei oder vier Grad wärmer ist“, sagte Plöger gestern in seiner Auftaktrede im Wisssenschaftszentrum in Bonn. Nur eins sei klar: Sie werde mit der Welt, wie wir sie kennen, nicht viel gemeinsam haben. Eindrückliche Worte, die deutlich machen: Es ist Zeit zu handeln. Schon jetzt bedrohen Extremwetterereignisse unsere Lebensgrundlagen im Großen wie im Kleinen.

Plöger kritisiert so genannte Klimaleugner
Plöger zeichnete in verständlichen und eindrücklichen Worten und Bildern den aktuellen Klimawandel nach. Er sparte nicht mit Kritik an so genannten Klimaleugnern. Die Fakten lägen offen vor uns. Sie ließen nur wenig Spielraum für wissenschaftsfremde Interpretation. „Zur Physik brauchen wir keine Meinung, wir müssen sie verstehen“ – so fasste Plöger die Debatte zusammen.
Plöger: Keine Angst vor Veränderungen!
Es läge ihm fern, Panik machen zu wollen, versicherte der Meteorologe. Denn noch sei Zeit, einzulenken und „vom Reden ins Handeln zu kommen“. Diese Zeit aber werde immer knapper. Gleichzeitig nahm er den Anwesenden die Angst vor der Veränderung, etwa bei der Energieerzeugung. „Wir haben uns immer verändert“, sagte Plöger. Was fast immer gleich geblieben sei, waren die Argumente der Gegner der Veränderung. „Zu teuer, nicht umsetzbar. Das galt zum Beispiel für den Wandel von Gusseisen zu Stahl. Da gab es erbitterten Widerstand dagegen. Irgendwann um 1880 dann übertraf die Stahlproduktion erstmals die Produktion von Gusseisen.“ Das sei Transformation.

Transformation der Energieversorgung wird kommen
Diese Transformation werde auch bei der Energieversorgung kommen. Bei Energieeffizienz sei der Wendepunkt weg von überbordender Energieverschwendung hin zur Nutzung der gesamten bereit gestellten Energie bereits erreicht. Bei der Energieerzeugung komme der Wendepunkt immer näher. Etwa 2030, schätzt Plöger, gleiche sich die Produktion aus erneuerbaren und fossilen Quellen an, bis 2050 könne der Anteil fossiler Energie auf weniger als zehn Prozent der gesamten Energieerzeugung gesunken sein.
Unfassbare Regenmengen
Die Klimaveränderung sei bereits sichtbar. Plöger verwies unter anderem auf die Clausius-Clapeyron-Regel, wonach wärmere Luft mehr Wasserdampf speichert. „Das führt wiederum zu mehr Wasser in der Athmosphäre, das dann auch abregnen kann.“ Als Beispiel nannte er die schweren Starkregen in der Region Valencia 2024. „In Turis bei Valencia fielen im Oktober 2024 771 Liter Wasser pro Quadratmeter an einem Tag.“ Diese Regenmenge kenne man auch in Bonn. „Aber nicht an einem Tag. Das ist die Menge, die hier im Durchschnitt pro Jahr fällt“, rechnete Plöger vor. Zum Vergleich nannte er auch die Niederschlagsmenge bei der Fluitkatastrophe im Ahrtal: „Dort fielen in 24 Stunden etwa 100 bis 200 Liter Regen pro Quadratmeter.“

Prävention gelingt nur gemeinsam
Prävention und Resilienzsteigerung seien also dringend geboten, so der Wetterexperte der ARD. Ein Appell, der sich auch durch den Vortrag von Dr. Martin Creutz, Direktor Agrarwirtschaft und Schadenverhütung der Provinzial-Versicherung, und die Debattenbeiträge von Dr. Christian Schwierten vom VöV bei der Podiumsdiskussion der Konferenz zog. Entsprechend war die Brücke geschlagen zum Angebot von Elementa. Gerade Kommunen sprechen wir an, um nicht nur Best-Practice-Beispiele (z.B. zu den Themenfeldern Starkregen und Hochwasser) zu entdecken, sondern auch die Perspektive der Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sowie der Planerinnen und Planer einnehmen zu können. Denn fruchtbare Prävention gelingt nur gemeinsam.



