UBA fordert mehr Platz für Gewässer

Um den Hochwasserschutz zu verbessern und die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, müssten deutschlandweit etwa 7000 Quadratkilometer Fläche an Fließgewässern renaturiert werden, teilt das Umweltbundesamt (UBA) mit. Das entspricht etwa zwei Prozent der Landesfläche. Eine Umsetzung hätte viele positive Effekte, unter anderem eine höhere Resilienz gegen Naturgefahren. Die Wasserrahmenrichtlinie ist seit 2000 in Kraft, umgesetzt ist davon so gut wie nichts.

Renaturierte Flusslandschaft.
Eine renaturierte Flusslandschaft dient dem Hochwasserschutz – und noch viel mehr. © Pixabay

Resilienz erhöhen

Der aktuelle Zustand der Bäche und Flüsse in Deutschland hat direkte Auswirkungen auf Starkregen und Hochwasser. Im Vergleich zum natürlichen Zustand haben die Fließgewässer hierzulande durch befestigte Ufer, Begradigungen, Eindeichungen und mehr etwa 80 Prozent ihrer ursprünglichen Ausbreitungsflächen verloren. 2022 waren etwa 90 Prozent aller Bäche und Flüsse in keinem guten ökologischen Zustand, rechnet das Umweltbundesamt vor. Hochwasser wird dadurch ebenso verstärkt wie die Auswirkungen langanhaltender Dürren.

Mehr als 40 positive Effekte

Im Umkehrschluss ergäben sich durch mehr Platz für Fließgewässer zahlreiche positive Effekte: Naturnahe Flüsse und Auenlandschaften erfüllten mehr als 40 verschiedene positive Funktionen. Sie speichern etwa Trinkwasser, stellen Nahrung bereit und erfüllen als Naherholungsgebiete eine gewichtige Rolle für Freizeit und Erholung, betont das UBA. Zudem speichern naturnahe Gewässer Kohlenstoff, was unmittelbar dem Klimaschutz dient.

Mehr Platz zum Schutz vor Klimafolgen

Mehr Fläche für Gewässer hilft, das Wasser länger zurückzuhalten, verlangsamt also den Abfluss. Hochwasserwellen werden abgemildert. Überschwemmte Auen speichern Wasser, das während Trockenperioden langsam an die Umgebung abgegeben werden kann. Dies trägt zur Kühlung der Umgebung bei und beugt Dürren vor. Auch die Grundwasserneubildung verbessert sich. Das Umweltbundesamt fordert bei der Wasserhaushaltung nicht weniger als einen Paradigmenwechsel: Nicht das möglichst schnelle Ableiten des Wassers muss zukünftig das Ziel sein, sondern es so zu verteilen und zu speichern, dass es nicht zum Hochwasser wird und länger vor Ort zur Verfügung steht.

Ist-Zustand ist ernüchternd

Obwohl die EU-Wasserrahmenrichtlinie als Ziel ausgibt, alle Fließgewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen, ist der Ist-Zustand ernüchternd. 2022 – 22 Jahre nach Inkrafttreten der EU-Richtlinie – waren 90 Prozent der insgesamt 590.000 Kilometer Fließgewässer in Deutschland in keinem guten Zustand. Nahezu alle Fließgewässer in Deutschland sind im Laufe der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte vom Menschen verändert worden. Im Summe bedeutet das vor allem: Die Gewässerfläche in Deutschland hat sich enorm verkleinert. Das deutsche Gewässernetz werde intensiv genutzt. In der Vergangenheit wurde es zu Gunsten von Siedlungen, Landwirtschaft, Verkehr und Energiegewinnung weitreichend umgestaltet. „Flüsse wurden begradigt, von ihren Auen durch Deiche getrennt, Ufervegetation entfernt, Gewässerbetten tiefer gelegt und mit Steinen oder Beton befestigt“, zählt das Umweltbundesamt auf. Am Ende dieser Entwicklung stehe ein Flächenverlust für die Ausbreitung von Bächen und Flüssen von etwa 80 Prozent.

Renaturierung muss sehr viel schneller gehen

Seit 1983 seien laut UBA nur 71 Quadratkilometer Überschwemmungsflächen wiederhergestellt worden. Zum Vergleich: Seit dem Jahr 2000 sind 4500 Quadratkilometer neue Siedlungs- oder Verkehrsflächen entstanden – also zum Teil erheblich versiegelt worden. Dieses Missverhältnis müsse beseitigt werden. Neben den positiven Effekten für den Klimaschutz ergeben sich auch kleinräumliche Vorteile. So schaffen naturnahe Fließgewässer auch dringend benötigten Lebensraum für zahlreiche Organismen. Sie erhöhen zudem für Menschen die Aufenthalts- und Lebensqualität, in dem sie Raum für Freizeit und Erholung schaffen, so das UBA.


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