Starkregen – Vorhersage und Warnsysteme
Jede Form der Präventionsplanung für Starkregen fußt auf möglichst genauen Einschätzungen, welche Regenmengen an dem zu beplanenden Ort erwartbar sind, welche Dimensionen Starkregenereignisse annehmen können und wie bestmöglich auf diese Prognosen reagiert werden sollte. Einen entsprechend großen Fokus legt die Forschung auf Vorhersagen und darauf aufbauenden Warnsystemen.

Ermittlung der Niederschlagsmenge
Regenmengen werden in der Regel mithilfe von Bodenstationen ermittelt. Ein genormtes Gefäß fängt den Regen auf. Die aufgenommene Menge während einer bestimmten Zeitspanne lässt sich nun sehr einfach in die übliche Angabe Millimeter pro Quadratmeter umrechnen. Niederschlagsmessungen durch Bodenstationen bieten den Vorteil, dass es sich um präzise und punktgenaue Messwerte handelt.
Lückenhafte Bodenstation
Ein wesentlicher Nachteil dieser Methode liegt jedoch in ihrer räumlichen Begrenzung: Damit ein Niederschlagsereignis erfasst werden kann, muss die Messstation sich unmittelbar im Bereich des Ereignisses befinden. Insbesondere bei lokal begrenzten Starkniederschlägen, wie sie typischerweise in Gewittern auftreten, ist dies häufig nicht der Fall – oftmals gibt es in der Zone der intensivsten Niederschläge keine Station. In solchen Fällen stehen keine Messdaten zur Verfügung.
Großflächig messen: Das Wetterradar
Im Gegensatz dazu erfassen Wetterradare den Niederschlag flächenhaft. Durch die Vernetzung von 16 Radarstandorten wird eine bundesweite Erfassung ermöglicht. Die Radardaten liegen in einer räumlichen Auflösung von einem Quadratkilometer sowie in zeitlicher Auflösung von 5-Minuten- und Stundenwerten vor und geben die Niederschlagshöhe in Millimetern an. Die gemessenen Radarreflektivitäten werden dabei in Niederschlagshöhen umgerechnet. Um die Genauigkeit zu erhöhen, erfolgt eine Kalibrierung mit den Daten der Bodenmessstationen. Diese Anpassung ist ein zentraler Bestandteil der Radarauswertung und erlaubt eine realitätsnahe Einschätzung der Niederschlagsverteilung auch an Orten ohne Messstation. Dennoch ist zu beachten, dass Radardaten aufgrund der zugrunde liegenden Messmethodik mit Unsicherheiten behaftet sind und nicht als exakte Messwerte verstanden werden dürfen.
Genaue Analysen des DWD auf Anfrage
Auf Anfrage kann der Deutsche Wetterdienst (DWD) standortbezogene Starkniederschlagsauswertungen erstellen. Diese erfolgen entweder auf Grundlage von Stationsdaten oder Radardaten.
Meldung von aktuellen Wetterbeobachtungen
Neben Radar- und Satellitendaten sind aktuelle Wettermeldungen aus der Bevölkerung eine weitere wichtige Informationsquelle. Hier können Wetterbeobachtungen in Echtzeit gemeldet werden:
Warnapps
Wichtig für die zeitnahe Warnung der Bevölkerung vor Starkregen sind Warnsysteme:
- Verfügbar als App, SMS (auch für nicht-Smartphone)
- Herausgeber: Fraunhoferinstitut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS)
- Entwickelt im Auftrag der öffentlichen Versicherer
- Sehr lokale Informationen basierend auf NINA und den lokalen Behörden, Einrichtungen und Leitstellen; wird aber nur in bestimmten Städten und Gemeinden verwendet
- Zeichnet keine Bewegungsprofile auf (anders als BIWAPP und NINA)
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


MehrWetter
MehrWetter
- Verfügbar als App
- Herausgeber: Verband der öffentlichen Versicherer e.V.
- Entwickelt vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme
- Bis zu zehn Tage ortsbezogene Wettervorhersage, Push-Nachrichten zum Wetter für ausgewählte Aktivitäten (etwa Radfahren, Grillen, Wintersport…)
- ortsbezogene Unwettermeldungen von UBIMET
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


NINA
NINA
- verfügbar als App, SMS (als push-Nachricht, keine echte SMS), Web-Widget, und online-Webseite
- Herausgeber: Agentur Marktplatz GmbH
- Regionale bis Informationen basierend auf NINA; weiterhin geben Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und Städte Warnmeldungen an BIWAPP
- Zielgruppe: Privatpersonen
- App beziehen:


Fazit
Nicht nur für die langfristige Risikoanalyse sind genaue Daten und Analysen wichtig. Auch die Vorhersage für den Alltag und rechtzeitige und möglichst präzise Warnungen im Notfall basieren auf Messergebnissen, engmaschigen Überwachungen und langjähriger Erfahrung.
