
Hagel: Erläuterungen zu der Karte und dem Risiko-Radar von Elementa
Vorbemerkung:
Um die durch die Adresseingabe ermittelte Koordinate wird ein Kreis mit einem Radius von 50 m gelegt, um eine repräsentative Einschätzung des Naturgefahrenrisikos zu erhalten. Es wird für die weitere Bewertung stets das höchste Naturgefahrenrisiko innerhalb dieses Umkreises angenommen.
Die Einschätzung des Hagelrisikos basiert auf einer radargestützten Karte der jährlichen Hagelhäufigkeit nach Mohr et al. (2026), die Elementa von Prof. Dr. Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zur Verfügung gestellt wurde. Die Karte zeigt die durchschnittliche Anzahl der Hageltage pro Jahr. Um zufällige Schwankungen und Messartefakte der Rohdaten zu reduzieren, werden die Werte über Rasterflächen von 10 × 10 Kilometern gemittelt.
Anders als beispielsweise in der Schweiz oder in Österreich stehen für Deutschland keine flächendeckend verlässlichen Daten zur Hagelgröße zur Verfügung. Die maximale Korngröße ist jedoch entscheidend für das potenzielle Schadensausmaß eines Hagelsturms. Da eine entsprechende Datengrundlage fehlt, gehen wir davon aus, dass Regionen mit einer höheren Anzahl von Hagelereignissen statistisch auch ein höheres Risiko für Gebäudeschäden aufweisen. Diese Annahme wird durch den Vergleich mit der Schadendatenbank des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gestützt. So zeigt die Arbeit von Mohr et al. (2026) eine gute Übereinstimmung zwischen den radarbasiert ermittelten Hagelhäufigkeiten und den tatsächlich gemeldeten Schadenereignissen. Bekannte Schwerpunkte größerer Hagelereignisse in Deutschland, darunter die Schwäbische Alb, das Alpenvorland sowie Teile der südlichen Mittelgebirge, werden durch die Karte gut abgebildet.
Da für Deutschland bislang keine belastbare empirische Beziehung zwischen der Anzahl von Hagelereignissen und den jeweils maximal auftretenden Korngrößen etabliert ist, orientiert sich die Einteilung der Gefährdungsstufen (geringe, mittlere, erhöhte Gefahr) an der statistischen Häufigkeit von Hagelereignissen sowie an der räumlichen Übereinstimmung mit bekannten Risikoregionen.
Gebiete mit statistisch mehr als einem Hagelereignis pro Jahr werden als „erhöhte Gefahr“ eingestuft. Diese Bereiche decken sich weitgehend mit der Schwäbischen Alb, dem Alpenvorland und dem südhessischen Bergland.
Für Regionen mit seltenen Hagelereignissen wird bewusst nicht die Kategorie „keine Gefahr“ verwendet. Auch in Gebieten mit niedriger statistischer Häufigkeit können außergewöhnlich starke Einzelereignisse auftreten. Ein Beispiel ist ein Hagelsturm über Nordfriesland im Juli 2025 mit Korngrößen von bis zu 9 cm Durchmesser (laut European Severe Weather Database) – in einer Region, die üblicherweise nur selten von Hagel betroffen ist.
Im Vergleich zu klassischen Hagelregionen im Alpenraum und insbesondere in Norditalien (Po-Ebene) ist das durchschnittliche Hagelrisiko in Deutschland insgesamt moderat. Dennoch können einzelne Ereignisse sehr hohe Schadenssummen verursachen. Um diese Verhältnismäßigkeit angemessen darzustellen, wird als höchste Gefährdungsstufe die Kategorie „erhöhte Gefahr“ ausgewiesen.
Referenz:
Mohr S, Tonn M, Augenstein M, Sperka C, Kavil Kambrath G and Kunz M (2026) A 20-year spatio-temporal analysis of 3D radar-based hail tracks in Germany: trends and regional differences. Front. Environ. Sci. 14:1736782 (Stand März 2026)
