Klimafolgen schlagen auf die Psyche

Nicht nur materieller Schaden sorgt für Spätfolgen nach Naturkatastrophen

Bei Naturkatastrophen denken die allermeisten zuerst an immense Schäden an Häusern und Infrastruktur und an womöglich zahlreiche Todesopfer. Der langfristige Wiederaufbau ist oft gut dokumentiert, die Medien berichten regelmäßig. So geschehen etwa jüngst bei dem Gedenken an die Ahrtalflut fünf Jahre nach der Katastrophe. Kaum Platz in der öffentlichen Wahrnehmung haben die psychologischen Folgen von Naturkatastrophen. Betroffen sind davon sowohl direkt Geschädigte als auch reine Zeugen von Katatstrophen, seien sie nun direkte Augenzeugen oder nur mittelbare Beobachter über die Medien. Während das Leid der Betroffenen von solchen Nachwirkungen kaum Beachtung findet, steigt deren Bereitschaft zum aktiven Schutz vor Naturgefahren im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich an.

Eine Frau steht sichtlöich frustriert im Regen. Im Hintergrund ist der unscharf der Westerhever Leuchtturm zu sehen.
Eine Frau steht frustriert im Regen.© Adobe Stock

Starkregen, Hochwasser, Sturm und Hagel können Wohnhäuser schwer beschädigen. Der Klimawandel erhöht regional bis deutschlandweit die Zahl schwerer Ereignisse. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt trotzdem: Hausbesitzer in Deutschland interessierten sich vergleichsweise wenig um aktive Klimaanpassung und Vorsorge gegen Klimarisiken. Besonders beim Schutz vor Überschwemmungen bestehe Nachholbedarf. Gleichzeitig spiele die psychische Verarbeitung von Extremwetter eine wichtige Rolle für die Bereitschaft zur Klimaanpassung.

Der Klimawandel verändert das Risiko für Wohngebäude in Deutschland. Extremwetterereignisse treten tendenziell häufiger auf und können somit Häuser und Wohnungen häufiger beschädigen – etwa wenn Starkregen Keller flutet, Hochwasser in Gebäude eindringt oder Sturm und Hagel Dächer und Fassaden treffen. Doch wie gut sind die Menschen darauf vorbereitet?

Dieser Frage geht der Schlussbericht „Die mentalen Auswirkungen des Klimawandels und die Bereitschaft zur Anpassung“ im Auftrag des Umweltbundesamtes nach. Die Forschenden werteten internationale Studien aus und befragten im Sommer 2023 insgesamt 1.306 Erwachsene in Deutschland. Untersucht wurden unter anderem Risikowahrnehmung, psychische Belastungen, Resilienz und konkretes Anpassungsverhalten. Studien und Befragungen stellten die Forscher des Instituts für ökologisches Wirtschaftswachstum Berlin und der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau gegenüber.

Überschwemmungsschutz ist die größte Schwachstelle

Für Eigentümerinnen und Eigentümer, Bewohnerinnen und Bewohner von Wohngebäuden ist vor allem ein Ergebnis interessant: Vor allem gegen Überschwemmungen sind Häuser kaum oder gar nicht geschützt. Von allen untersuchten Anpassungsformen war sie am geringsten ausgeprägt. Die allgemeine Vorsorge vor Gefahren – beispielsweise ein Notfallset im Haushalt – lag ebenfalls auf niedrigem Niveau. Hitzeschutz dagegen haben die Menschen in Deutschland häufiger auf dem Schirm.

Die Forscher fragten konkret danach, ob Haushalte Informationen zum Schutz vor Überschwemmungsschäden eingeholt und Maßnahmen gegen eindringendes Wasser getroffen hatten. Als Beispiele nennen sie Sandsäcke, Schalbretter oder mobile Schutzschotts. Bei Eigentümern erfassten sie außerdem bauliche Maßnahmen wie Rückstauklappen, erhöhte Steckdosen, Schwellen oder die Sicherung von Heizöltanks – selbst wenn sich die Bewohner als informiert bezeichnen.

Damit liefert die Untersuchung einen wichtigen Hinweis für die Klimaanpassung von Wohngebäuden: Zwischen dem Wissen um Klimarisiken und der tatsächlichen Vorsorge besteht weiterhin eine Lücke.

Risiko wird wahrgenommen – aber nicht automatisch gehandelt

Diese Lücke ist allerdings geringer als bei Personen, die sich nicht um sie umgebende Risiken kümmern oder deren Folgen bewusst ausblenden. Oder anders ausgedrückt: Je höher die persönliche Risikowahrnehmung, desto stärker das allgemeine Anpassungsverhalten. Wer die eigenen Risiken durch den Klimawandel höher einschätze, habe demnach eher ein Notfallset im Haushalt. Konkret nachgefragt nach Überschwemmungsvorsorge waren die Zusammenhänge aber weniger eindeutig.

Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass reine Information nicht ausreiche. Entscheidend sei auch die wahrgenommene Selbstwirksamkeit: Menschen müssen davon überzeugt sein, dass sie sich mit konkreten Maßnahmen tatsächlich schützen können. Die untersuchten internationalen Studien bestätigen das. Auch soziale Normen – also die Wahrnehmung, dass andere Menschen vorsorgen – können eine wichtige Rolle spielen.

Starkregen, Hochwasser, Sturm und Hagel: Erfahrung verändert die Risikowahrnehmung

Besonders relevant sei die persönliche Erfahrung mit Extremwetter. Die Studie erfasste unter anderem Sturm, Hagel und Überschwemmungen sowie die dadurch entstandenen persönlichen Schäden und Beeinträchtigungen. Solche Erfahrungen flossen in den Indikator für die geografische Betroffenheit ein.

Die Untersuchung zeigt, dass Extremwetter nicht nur eine materielle Dimension besitzt, sondern auch sehr häufig psychische Schäden hervorruft. Beispielhaft dafür sei unter anderem die Flutkatastrophe im Ahrtal und in der Eifel 2021. Starkregen und Überschwemmungen gefährden demnach Leben, Eigentum und psychische Gesundheit gleichzeitig.

Klimaanpassung kann auch psychisch entlasten

Die Schlussbetrachtung macht einen weiteren Zusammenhang sichtbar: Wer sich handlungsfähig fühlt, kann mit den Folgen des Klimawandels besser umgehen. Wer davon ausgeht, das Klimaproblem sei lösbar, leidet seltener unter Klimaangst und belastenden Klimaemotionen. Auch der Zugang zu Naturräumen senkt psychische Belastungen.

Für die Klimaanpassung von Wohngebäuden bedeutet das: Vorsorge ist nicht ausschließlich eine technische Aufgabe. Information, konkrete Schutzmöglichkeiten und das Gefühl, eigene Handlungsoptionen zu haben, können die Bereitschaft zur Anpassung stärken. Die Autoren empfehlen deshalb unter anderem problemorientiertes Handeln – also konkrete Maßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung – mit einer realistischen Zuversicht zu verbinden.

Fazit: Beim Schutz deutscher Wohngebäude besteht Handlungsbedarf

Das UBA-Papier zeichnet ein klares Bild: Die Risiken des Klimawandels werden in der Bevölkerung durchaus wahrgenommen, die konkrete Vorsorge deutscher Haushalte und ihr Schutz bleiben aber vielfach hinter dieser Wahrnehmung zurück. Besonders die Überschwemmungsvorsorge sei schwach ausgeprägt, da hier die Überzeugung gering ist, als einzelner Haushalt erfolgreich Vorsorge leisten zu können.

Für Hausbesitzer und Bewohner bedeutet das: Die Beschäftigung mit dem individuellen Naturgefahrenrisiko sollte nicht erst nach einem Schaden beginnen. Gerade bei Starkregen, Hochwasser, Sturm und Hagel kann eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den möglichen Gefahren die Grundlage für gezielte Schutzmaßnahmen am Wohngebäude bilden.

Das Papier liefert dafür allerdings keine vollständige technische Anleitung. Sie zeigt vielmehr, warum Klimaanpassung ins Handeln kommen muss – und welche psychologischen Faktoren dabei eine Rolle spielen. Zugleich betonen die befragten Expertinnen und Experten, dass Klimaschutz und Klimaanpassung zusammengehören.

Elementa hilft!

Wer sich über die konkreten Gefahren am eigenen Wohnstandort informieren will, dem sei unser Risiko-Radar ans Herz gelegt. Konkrete Informationen, was genau am eigenen Wohngebäude verbesser werden sollte, liefern wir sachbezogen zu den Themen Starkregen, Hochwasser, Sturm und Hagel.


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