Unterschätzter Boden

Der Untergrund und seinen Einfluss auf Extremwetter und Naturgefahren

Wenn von Wasserknappheit, Dürren oder Hochwasser die Rede ist, richtet sich der Blick meist auf Flüsse, Seen oder das Wetter. Doch eine aktuelle Analyse der Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt zeigt: Ein entscheidender Faktor liegt oft im Verborgenen – im Boden.

Ein Landwirt eggt mithilfe eines Traktors ein Feld.
Eggen eines Ackers mithilfe eines Traktors.© Adobe Stock

Böden: Mehr als bloße Nutzfläche

Denn Böden sind weit mehr als bloße Nutzfläche. Sie wirken wie ein komplexes Regulierungssystem im Landschaftswasserhaushalt: Sie speichern Niederschläge, filtern Schadstoffe und geben Wasser zeitverzögert wieder ab. Damit sichern sie nicht nur die Trinkwasserversorgung, sondern stabilisieren auch Ökosysteme und landwirtschaftliche Erträge. Ganz nebenbei haben sie bei Extremwetterereignissen eine wichtige Pufferwirkung. In Dürreperioden ebenso wie bei Starkregen und Hochwasser.

Menschlicher Eingriff bleibt nicht ohne Folgen

Diese Funktionen sind jedoch vielerorts gestört. Über Jahrzehnte hinweg griff der Mensch in natürliche Wasserprozesse ein – entwässerte Moore, begradigte Flüsse, versiegelte und verdichtete Böden durch intensive Nutzung. Die Folgen sind messbar: Wasser versickert schlechter, fließt schneller ab und steht Pflanzen in Trockenphasen weniger zur Verfügung. Gleichzeitig sinken Grundwasserstände, während das Risiko für Hochwasser steigt.

Boden wird als Puffer gebraucht

Im Kontext des Klimawandels verschärft sich diese Entwicklung. Längere Trockenperioden treffen auf zunehmend häufige Starkregenereignisse. Umso mehr braucht es ein funktionierendes Puffersystem in der Landschaft – aber das fehlt. Genau hier setzen die Empfehlungen der Kommission Bodenschutz an.

Konzept Schwammlandschaft

Zentral ist das Konzept der Schwammlandschaft. Dahinter steht die Idee, Landschaften so zu gestalten, dass sie Wasser aufnehmen, speichern und kontrolliert wieder abgeben können. Der Boden übernimmt dabei eine Schlüsselrolle. Entscheidend ist, seine natürlichen Funktionen zu stärken.

Grundlegender Wandel ist nötig

Die Empfehlungen der Fachleute sind konkret – und zielen auf einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Böden. Im Zentrum steht die Stärkung ihrer natürlichen Speicherfunktion. In der Landwirtschaft bedeutet das vor allem: Böden dauerhaft bedeckt halten, Humus aufbauen und Verdichtungen vermeiden. Tiefwurzelnde Pflanzen, vielfältige Fruchtfolgen und eine reduzierte Bodenbearbeitung verbessern die Infiltration und erhöhen die Wasserhaltefähigkeit.

Hecken sollen Landschaften Struktur verleihen

Gleichzeitig sollen Landschaften strukturell umgebaut werden. Hecken, Gehölze und Agroforstsysteme bremsen den Wasserabfluss, während Wälder durch gezielten Umbau zu stabilen Wasserspeichern werden. Technische Maßnahmen wie steuerbare Drainagen oder Retentionsflächen ergänzen diesen Ansatz.

Forderung: Moore und Auen wiedervernässen

Besonders wirksam ist die Wiederherstellung natürlicher Systeme: Moore und Auen sollen wiedervernässt, Flüsse renaturiert und Überflutungsräume erweitert werden. Ziel ist besagte Schwammlandschaft, die Wasser aufnimmt, speichert und zeitverzögert wieder abgibt – und so Extremereignisse abpuffert. Im Zentrum steht ein integrierter Ansatz, der Bodenschutz, Wasserwirtschaft und Landnutzung zusammendenkt.

Ökologiasche und ökonomische Folgen im Fokus

Die Argumente sind nicht nur ökologischer Natur. Die wirtschaftlichen Schäden durch Dürre und Hochwasser nehmen bereits heute deutlich zu. Gleichzeitig verpflichten europäische Vorgaben Deutschland dazu, den Zustand von Böden und Gewässern zu verbessern.

Folgen des Klimawandels an der Wurzel packen

Die zentrale Botschaft des Positionspapiers ist daher klar: Ein stabiler Landschaftswasserhaushalt ist ohne gesunde Böden nicht denkbar. Wer über Wasser spricht, muss über Boden sprechen. Und wer die Folgen des Klimawandels abmildern will, sollte genau dort ansetzen, wo Wasser gespeichert – oder verloren – wird.

Die Analyse der Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt können Sie unten herunterladen.


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