Europäer wegen extremer Hitze alarmiert – viele Haushalte schlecht vorbereitet
Europäer sorgen sich stark über extreme Hitze und weitere Folgen des Klimawandels. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Umfrage im Auftrag der European Environment Agency. Gleichzeitig sind viele EU-Bürger in ihrem Zuhause unzureichend auf zunehmende Naturgefahren wie Hitzewellen und Wasserknappheit, aber auch Überschwemmungen und Starkregen vorbereitet.

Europaweiter Überblick über die Wahrnehmung von Naturgefahren
Die Ergebnisse sind im Bericht „Overheated and underprepared“ („Überhitzt und unvorbereitet“) veröffentlicht, den die Europäische Umweltagentur (EEA) gemeinsam mit der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) vorgelegt hat. Der Bericht bietet einen europaweiten Überblick darüber, wie Maßnahmen zur Klimaanpassung wahrgenommen und umgesetzt werden. Er blickt dabei auf die einzelnen Haushalte ebenso wie auf Maßnahmen der öffentlichen Hand. Die Haushaltsebene basiert dabei auf den Angaben der Befragten selbst.
Mehr als 27.000 Teilnehmende aus 27 europäischen Ländern
Grundlage ist eine von Eurofound im vergangenen Jahr umgesetzte Online-Befragung mit mehr als 27.000 Teilnehmenden aus 27 europäischen Ländern. Die Demoskopen erfassten dabei Erfahrungen der Befragten mit Klimafolgen, deren Sorgen über künftige Auswirkungen sowie Anpassungsmaßnahmen im eigenen Haushalt. Die Teilnehmenden sollten auch Fragen nach öffentlichen Schutzprojekten an ihrem jeweiligen Wohnort beantworten.
Prävention ist nötig, um Wohlstand zu sichern
Die Ergebnisse machten deutlich: Um Wohlstand und Lebensqualität in Europa unter den Bedingungen eines sich rasch wandelnden Klimas zu sichern, braucht es eine breite Umsetzung präventiver und vorbereitender Maßnahmen. Zugleich müsse die Vorsorge auf Haushaltsebene gestärkt werden. Dies müsse aber bezahlbar sein und sozial gerecht gestaltet werden, damit niemand zurückbleibt, betont EEA-Direktorin Leena Ylä-Mononen:
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass die Sicherstellung des Wohlergehens und des Wohlstands der europäischen Gesellschaft unter den Bedingungen eines sich rasch verändernden Klimas eine breit angelegte Umsetzung von Maßnahmen erfordert, die Klimafolgen vorbeugen und auf sie vorbereiten. Dies bedeutet zugleich, dass es notwendig sein wird, die Vorsorgefähigkeit auf Haushaltsebene zu stärken und sicherzustellen, dass Maßnahmen auf Haushaltsebene bezahlbar und sozial gerecht sind, damit niemand zurückgelassen wird.
Leena Ylä-Mononen
EEA Executive Director
Vier von fünf EU-Bürgern sind vom Klimawandel betroffen
Vier von fünf EU-Bürgern seien bereits von Klimawandelfolgen betroffen, so der EEA-Bericht. Doch nur ein Viertel verfügt über geeignete Mittel, um damit umzugehen, sagt Eurofound-Direktor Ivailo Kalfin. Für Politik und Forschung lieferten die Ergebnisse eine wichtige Perspektive darauf, wie sich Klimavorsorge zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen unterscheidet – und wo der Handlungsbedarf am größten sei.
Der Klimawandel hat Auswirkungen auf das Leben von vier von fünf EU-Bürgerinnen und -Bürgern, doch nur ein Viertel von ihnen ist mit geeigneten Instrumenten ausgestattet, um damit umzugehen. Für politische Entscheidungsträger und Forschende liefern diese auf 27.000 Umfrageantworten aus ganz Europa beruhenden Ergebnisse eine wichtige Perspektive darauf, wie sich die Klimavorsorge zwischen den Gemeinschaften unterscheidet – und wo Handlungsbedarf am dringendsten ist.
Ivailo Kalfin
Eurofound Executive Director
Mehrheit erlebt Klimafolgen
Vier von fünf Befragten haben in den vergangenen fünf Jahren mindestens eine klimabedingte Auswirkung erlebt – darunter Hitze, Überschwemmungen, Starkregen, Waldbrände, Wasserknappheit, Sturm oder vermehrte Mücken- und Zeckenstiche. Mehr als die Hälfte äußerte zudem große oder recht große Sorgen vor künftig extrem hohen Temperaturen und vor Waldbränden.
Jeder fünfte Befragte hat keinerlei Naturgefahren-Schutz
Jede fünfte befragte Person verfügte über keine der im Fragebogen genannten Schutzmaßnahmen gegen Extremwetter, etwa Verschattung, Klimatisierung oder Lüftung, Hochwasserschutz, Regenwassernutzung oder eine Extremwetterversicherung. Mehr als 38 Prozent gaben an, sich im Sommer keine ausreichende Kühlung ihrer Wohnung leisten zu können. Regional betrachtet lag der Anteil der Befragten, die sowohl Klimafolgen erlebt haben als auch über entsprechende Anpassungsmaßnahmen verfügen, in Nordeuropa am niedrigsten.
Ärmere Haushalte sind stärker betroffen
Die Umfrage untersuchte zudem, ob den Teilnehmenden Anpassungsmaßnahmen ihrer Kommunen bekannt sind. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Klimafolgen einkommensabhängig unterschiedlich stark wirken: So berichteten Haushalte mit den geringsten finanziellen Mitteln viermal häufiger von Problemen beim Zugang zu sauberem und sicherem Trinkwasser.
Hintergrund
Die gemeinsame Analyse von EEA und Eurofound liefert politischen Entscheidungsträgern eine Momentaufnahme der wahrgenommenen Widerstandsfähigkeit der EU und der Fähigkeit ihrer Bürger, mit den Folgen des Klimawandels im Alltag umzugehen. Ziel ist es, bestehende und künftige Maßnahmen zur Klimaanpassung und zum Risikomanagement gezielter auszurichten.
Die Ergebnisse bestätigen zahlreiche Studien, darunter die Europäische Klimarisikobewertung, die auf erhebliche Risiken für Gesundheit, gebaute Umwelt, Infrastruktur und Ökosysteme in Europa hinweisen. Der Umgang mit aktuellen und künftigen Klimarisiken gilt in der EU-Politik als zentral, um Wohlstand und Lebensqualität zu sichern. Die Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit Partnern des Europäischen Klima- und Gesundheitsobservatoriums.
Zur Umfrage
Der Bericht stützt sich auf Daten der jährlichen Eurofound-Onlinebefragung „Living and Working in the EU“ („Leben und arbeiten in der EU“). In der Erhebung 2025 sind erstmals Fragen zu erlebten Klimafolgen, Sorgen über die Zukunft sowie zu Anpassungsmaßnahmen enthalten. Die Umfrage ist Teil der Aktivitäten des Europäischen Klima- und Gesundheitsobservatoriums (Climate-ADAPT) und dient der Unterstützung der europäischen Klimaanpassungspolitik mit Schwerpunkt auf Gesundheit und Wohlbefinden.



