Forschung – 2026: Ein Super-El Nino Jahr?

Wann sprechen wir von einem El Niño Ereignis?

In den Medien taucht derzeit ein Begriff immer häufiger auf: El Niño. Einige Prognosen sehen für das Jahr 2026 eine steigende Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis. Teilweise wird sogar über einen möglichen „Super-El Niño“ spekuliert. Doch was bedeutet das eigentlich – und welche Auswirkungen hätte ein solcher Zustand auf das Wetter bei uns?

Die „Wetterküche“ im Pazifik

El Niño gehört zu den wichtigsten natürlichen Klimaphänomenen der Erde. Es entsteht im tropischen Pazifik und ist ein klassisches Beispiel für die enge Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre.

Unter normalen Bedingungen wehen entlang des Äquators kräftige Passatwinde von Osten nach Westen. Sie schieben warmes Oberflächenwasser in Richtung Südostasien und Australien. Vor der Küste Südamerikas steigt im Gegenzug kühleres Tiefenwasser auf. Diese Konstellation prägt auch das Wetter: Über dem westlichen Pazifik steigt warme, feuchte Luft auf und sorgt für intensive Niederschläge. In den Küstenregionen Südamerikas ist es dagegen vergleichsweise trocken.

Alle paar Jahre verändert sich dieses Muster jedoch deutlich. Dann schwächen sich die Passatwinde ab oder kehren sich zeitweise sogar um. Warmes Oberflächenwasser verlagert sich nach Osten in Richtung Südamerika, während das Aufsteigen von kaltem Tiefenwasser stark nachlässt. Genau dieses Ereignis wird El Niño genannt.

Die Gegenspielerin: La Niña

El Niño ist nur eine Phase eines natürlichen Klimazyklus. Die Gegenphase heißt La Niña. Dabei verstärken sich die normalen Bedingungen im Pazifik: Die Passatwinde wehen stärker als üblich, warmes Wasser sammelt sich besonders stark im westlichen Pazifik, und vor Südamerika steigt noch mehr kaltes Tiefenwasser auf. El Niño und La Niña wechseln sich in unregelmäßigen Abständen ab, meist im Rhythmus von etwa zwei bis sieben Jahren.

Warum 2026 besonders im Blick steht

Nach einer schwachen La-Niña-Phase in den vergangenen Monaten erwarten viele Klimamodelle Anfang 2026 zunächst einen Übergang zu neutralen Bedingungen. Gleichzeitig zeigen mehrere Beobachtungen, dass sich im tropischen Pazifik Veränderungen entwickeln, die später zu einem El-Niño-Ereignis führen könnten.

Ein wichtiges Signal kommt aus dem Ozean selbst. Im westlichen Pazifik hat sich in Tiefen von etwa 100 bis 250 Metern ein großer Bereich ungewöhnlich warmen Wassers angesammelt. Solche Wärmereservoirs können später an die Oberfläche gelangen und eine El-Niño-Phase verstärken (man beachte den mächtigen Pool an warmem Wasser unterhalb der Oberfläche in der obigen Grafik).

Auch die Atmosphäre zeigt erste Veränderungen. In den letzten Wochen wurden vermehrt ostwärts gerichtete Windschübe über dem tropischen Pazifik beobachtet – also Winde, die der üblichen Richtung der Passatwinde entgegenlaufen. Solche Ereignisse können den Transport von warmem Wasser nach Osten begünstigen und damit die Entwicklung eines El Niño unterstützen.

Was ein „Super-El Niño“ bedeutet

Der Begriff „Super-El Niño“ ist kein streng definierter wissenschaftlicher Fachbegriff. In der Regel wird damit ein besonders starkes Ereignis bezeichnet, bei dem sich der östliche tropische Pazifik außergewöhnlich stark erwärmt.

Als Orientierung gilt häufig eine Erwärmung der Meeresoberfläche von mehr als zwei Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt in Teilen des tropischen Pazifiks. Solche extremen Ereignisse sind selten. In den vergangenen drei Jahrzehnten gab es nur zwei solch starke El-Niño-Episoden: 1997/98 und 2015/16.

Für das Jahr 2026 sehen aktuelle Prognosen zwar eine wachsende Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen, doch die Chance auf ein extrem starkes Ereignis liegt derzeit nur im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Mit anderen Worten: Ein außergewöhnlich starkes Ereignis ist möglich, aber keineswegs sicher – zumindest zum heutigen Stand (14. April 2026).

Globale Folgen eines El Niño

El-Niño-Ereignisse verändern die atmosphärische Zirkulation über großen Teilen der Erde. Dadurch verschieben sich Niederschlagsmuster und Temperaturverteilungen weltweit.

El Niño Ereignisse führen weltweit zu Dürren und Überschwemmungen (hier in Südäthipien) (Adobe Stock).

Typische Auswirkungen können sein:

  • Starke Regenfälle und Überschwemmungen in Teilen Südamerikas und im Süden der USA
  • Trockenheit und erhöhte Waldbrandgefahr in Indonesien und Australien
  • Störungen mariner Ökosysteme vor der Küste Südamerikas, weil weniger nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt

Auch wirtschaftliche Bereiche können betroffen sein – etwa die Fischerei oder die Landwirtschaft. Durch die globalen Verflechtungen der Wirtschaft können solche Effekte sogar weit entfernte Regionen indirekt beeinflussen.

Ein weiterer Effekt betrifft die globale Durchschnittstemperatur. Während eines starken El Niño wird häufig zusätzliche Wärme aus dem Ozean an die Atmosphäre abgegeben. Dadurch können einzelne Jahre besonders warm ausfallen.

Und welche Folgen hat das für Europa?

Für Europa sind die direkten Auswirkungen eines El Niño meist deutlich schwächer als in vielen anderen Regionen der Welt. Das europäische Wetter wird vor allem durch ein anderes Klimasystem geprägt: die Nordatlantische Oszillation. Sie beschreibt das wechselnde Druckverhältnis zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief und beeinflusst damit die Stärke und Lage der Westwinde über dem Atlantik. Diese Zirkulation bestimmt maßgeblich, ob die Winter in Mitteleuropa eher mild und feucht oder kalt und trocken ausfallen.

El Niño kann diese Muster zwar indirekt beeinflussen, doch sein Effekt ist deutlich geringer als in den Tropen. Deshalb lässt sich aus einem möglichen El-Niño-Ereignis kein eindeutiger Wettertrend für Europa ableiten.

Im Mai/Juni wird sich zeigen, ob sich die Signale im Pazifik weiter verstärken – und ob aus der aktuellen Entwicklung tatsächlich ein neuer, vielleicht sogar ein Super El Niño entsteht.


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