Am Morgen des 1. Juni 2016 geht alles rasend schnell. Seit Stunden schon regnet es in Strömen. Der Simbach, ein kleiner Nebenfluss des Inn, kann die Regenmenge nicht mehr aufnehmen. Der Wasserstand im Bachbett steigt und steig. An einem Straßendurchlauf oberhalb der Stadt staut sich ein regelrechter See auf – bis der Straßendamm dem Druck nicht mehr standhalten kann. Schlagartig werden 400 Häuser überflutet. Nachdem das Wasser abgeflossen und die Häuser leer gepumpt, die riesigen Schuttberge beseitigt sind, ist die Katastrophe für viele Menschen noch nicht zu ende. Denn nach der Flut kommt der Schimmel.





Verdacht: Schimmel und Heizöl im Mauerwerk
Das Haus direkt an Inn-Deich wird am Katastrophentag komplett vom Hochwasser umschlossen. Der Keller läuft voll, im Erdgeschoss stehen die Fluten 30 Zentimeter hoch. Als das Hochwasser zurckgeht, sinkt auch im Haus der Wasserspiegel. Der Keller aber bleibt voll – bis die Feuerwehr nach einigen Tagen endlich alles Wasser abpumpen kann. Schnell breitet sich ein Geruch nach Schimmel und Heizöl aus.
Der Schimmel sprießt
Glücklicherweise bestätigt sich der Verdacht auf Heizöl im Mauerwerk nur minimal. Dieses Problem lässt sich leicht beheben. Schon wenige Tage nach Abpumpen des Wassers aber sprießt munter der Schimmel in fast allen Räumen – ein deutlich schwerwiegenderer Schaden bahnt sich an.
Schimmel der Gefährdungsklasse 3
Ein Gutachter des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung untersucht das gesamte Gebäude. Vor allem der Schimmel bereitet ihm Sorgen. Große Teile des Gebäudes sind durchfeuchtet, einige Wände haben Risse. Die verbauten HWL-Platten aus Holzfasern bilden einen willkommenen Nährboden für Schimmelpilze. Die Schimmelsporen können für die Bewohner gesundheitsgefährdend sein. Daher stuft der Gutachter das Gebäude in die Gefährdungsklasse 3 ein. Das heißt: dringender Handlungsbedarf.
Schutzhülle um den von Schimmel befallenen Bereich
Die vom Schimmel bereits befallenen Räume müssen abgeschottet und mit einem Luftfilter ausgerüstet werden. Außerdem herrscht großer Zeitdruck. Denn wird nicht sofort saniert, kann sich der Schimmel ausbreiten und tief ins Mauerwerk ziehen. Setzt er sich dort fest, kann sogar der Abriss drohen.
Erfolgreiche Sanierung
Schließlich gelingt es, das gesamte Gebäude zu retten. Die Arbeiten aber sind aufwändig und langwierig. Die Bewohner verbringen viele Monate in provisorischen Unterkünften, ehe sie in ihr Haus zurückkehren können. Vom Leben vor der Flut ist kaum etwas übrig. Die meisten Möbel sind zerstört, viele Erinnerungsstücke, Kleidung, elektrische Geräte sind der Flut und dem Schimmel zum Opfer gefallen.



