Starkregenkarten – Nutzungsinformationen

Viele Daten – weit verstreut

In Deutschland ist eine Vielzahl an Starkregenkarten verfügbar. Wie so oft in der föderalen Bundesrepublik basieren sie aber nicht auf einheitlichen Standards. Wer im Westen, Norden und Osten Deutschlands wohnt, kann Informationen für sein Wohnumfeld ganz einfach auf unserer Karte abrufen. Menschen aus dem Süden und Südwesten haben es da schwerer: Für Bayern, Hessen und das Saarland gibt es eigenständige Karten, auf die wir hier verlinken. Für Baden-Württemberg gibt es zwar sehr viele detailreiche kommunale Karten, diese sind aber ausschließlich über das Online-Angebot des Landes verfügbar.

Starkregendaten für Deutschland

DWD KOSTRA Daten

Datengrundlage

Die dargestellten Werte zeigen über eine Stunde summierte Niederschlagsmengen (in Millimeter bzw. Liter pro Quadratmeter) für Ereignisse mit Wiederkehrintervallen von 10 und 100 Jahren (dem Starkregenindex folgend entspricht das den Stufen SRI 3 und 7). Grundlage sind die KOSTRA-Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die auf kalibrierten Radardaten basieren und auf ein Raster mit 5 × 5 Kilometer interpoliert wurden. Für die internetbasierte Darstellung wurden diese Daten auf ein 10 × 10 Kilometer großes Raster skaliert.

Verwendung

In Warnapps oder in Nachrichten werden bei bevorstehenden Starkregenereignissen häufig Niederschlagsmengen wie „35 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit“ angegeben. Für viele Nutzer stellt sich die Frage, ob das viel ist und man sich etwa Sorgen um einen vollgelaufenen Keller machen muss. Um diese Werte besser einordnen zu können, hilft ein Blick auf die Starkregenkarten. Dabei wird auch klar, dass es hier erhebliche Unterschiede innerhalb der Bundesrepublik gibt. Im Hamburger Raum etwa entsprächen 35 Liter pro Quadratmeter ziemlich genau einem 100-jährigen, also durchaus extremen, Event. Im Erzgebirge oder im Alpenraum treten ähnliche Regenmengen etwa alle zehn Jahre auf, sind also weit weniger außergewöhnlich. Einerseits bedeutet dies, dass man hier, wie in anderen gebirgigen Regionen, häufiger mit heftigen Unwettern rechnen muss als im Flachland. Auf der anderen Seite sollte die Kanalisation auch auf die entsprechenden größeren Regenmengen hin bemessen sein.

Limitationen der Datenbasis

Da es sich bei KOSTRA um flächeninterpolierte Daten handelt, bilden sie lokal begrenzte Starkregenereignisse unter Umständen nicht exakt ab. Für eine genauere Einschätzung der Variabilität und Wiederkehrzeit lokaler Extrem-Niederschläge kann es sinnvoll sein, zusätzlich lokale Stationsdaten heranzuziehen und mit den KOSTRA-Werten abzugleichen. Zeitreihen von Wetterstationen können beispielsweise direkt beim Climate Data Center des DWD oder über den KNMI Climate Explorer abgefragt werden.

Limitationen der Aussagekraft der Daten für die Risikoabschätzung

Außerdem ist es für die Bildung von Sturzfluten und Überflutungsflächen als Folge von Starkregen entscheidend, wie das Gelände beschaffen ist, im ungünstigsten Fall können relative kleine Regenmengen eine verheerende Auswirkung haben. Diese Informationen werden in Starkregenhinweis-, oder noch besser Starkregengefahrenkarten vermittelt.

Starkregenhinweis- und Starkregengefahrenkarten

Interaktive Starkregenhinweiskarten des BKG

Datengrundlage

Dargestellt sind Starkregenhinweiskarten des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) mit Überflutungstiefen (in Zentimeter; je dunkler, desto tiefer) und Strömungsgeschwindigkeiten (in Meter pro Sekunde; je dunkler desto schneller) für ein 100-jährliches Ereignis (regional variabel, basierend auf KOSTRA-DWD Daten). Diese Karten werden sukzessive für das gesamte Bundesgebiet zur Verfügung gestellt, fehlen derzeit aber noch für Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und das Saarland.

Verwendung

Anders als die Starkregenkarten berücksichtigen diese Karten das lokale Gelände und stellen den Weg von Sturzfluten dar. Das ist für die Risikoabschätzung bezüglich möglicher Starkregenfolgen wesentlich relevanter als die reine Regenmenge pro Zeiteinheit. Gefahrenstellen, wie etwa starke Ansammlung von Wassermassen in Senken oder reißende Strömung an Abhängen, können so in einem ersten Schritt erkannt werden.

Limitation

Die Hinweiskarten basieren allein auf den modellierten Oberflächenabfluss in einem Geländemodell mit einem Meter Genauigkeit. Wichtige Parameter wie Versickerungseigenschaften des Bodens oder die Kanalisation werden nicht berücksichtigt. Es wird auch keine explizite Gefahreneinschätzung vorgenommen.

Verfügbarkeit

Zurzeit sind die nach den Parametern des BKG gerechneten Starkregenhinweiskarten noch nicht öffentlich verfügbar für Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und das Saarland. Bis Ende 2025 soll diese Lücke geschlossen werden.

Weitere Starkregenhinweiskarten auf Länderebene

Die folgende Aufstellung enthält kurzgefasste Informationen zu öffentlich verfügbare Starkregenkarten einzelner Bundesländer und Gemeinden, außerhalb der BKG-Karten.

Saarland: Starkregengefahrenkarte (beachte: Überflutungstiefen und Strömungsdaten müssen erst aktiv angeklickt); Bemessung für 100-jährlichen Starkregen und einem mit einer Regenmenge von 200 mm/h, berücksichtigt; Kanalisation geht nicht in Modell ein

Bayern: „UmweltAtlas“ (dort über Menu:„KARTENINHALTE“ – „Inhalte hinzufügen“ – „Naturgefahren“ anklicken – „Überschwemmungsgefahren“ aufklappen – „Oberflächenabfluss und Sturzflut“): Rein auf Geländemodell beruhende Hinweiskarte für Sturzfluten, ohne Anzeige der Richtung der Sturzfluten und ohne differenzierte Aufstauhöhe; funktioniert nur für den Siedlungsmaßstab (1:10.000) aber nicht für das einzelne Haus;

Berlin: Starregengefahrenkarte, berücksichtigt Topographie, Bodenbeschaffenheit, Gebäude, Versiegelung und Kanalnetzes für drei Starkregenszenarien; nur für kleine Teilbereiche verfügbar.

Bremen: Starkregen-Vorsorgeportal, basierend auf einem 1×1 m Geländemodell, Kanalisation wird z.T. berücksichtigt, keine Fließrichtung oder Stärke angegeben.

Hamburg: Starkregengefahrenkarte, basierend auf 1×1 m Geländemodell; berücksichtigt Kanalisation und Bodeneigenschaften für drei Starkregengefahrenszenarien

Hessen: Starkregenviewer Hessen, bietet einen 1×1 km gerasterten „Starkregenindex“, basierend auf Anzahl der Starkregen-Ereignissen bei 15 und 60 Minuten Andauer (Grenzwert bzw. Wiederkehrzeit ist unklar) unter Berücksichtigung von Versiegelungsgrad und überflutungsgefährdeter Flächenanteil Senken und Abflussbahnen; bietet keine relevanten Informationen auf kleinskaliger Ebene; dazu kommen Fließpfadkarten basierend auf einem Geländemodell; Gefahreneinschätzungen für Gebäude und landwirtschaftliche Flächen; größere Bereiche im Rhein-Main-Gebiet sind nicht verfügbar.

Saarland: Starkregengefahrenkarte (beachte: Überflutungstiefen und Strömungsdaten müssen erst aktiv angeklickt); Bemessung für 100-jährlichen Starkregen und einem mit einer Regenmenge von 200 mm/h, berücksichtigt; Kanalisation geht nicht in Modell ein

Starkregenhinweis- und Gefahrenkarten auf kommunaler Ebene

Wir stellen neben den oben genannten Karten eine Auflistung kommunaler Anbieter zur Verfügung. Da immer neue Kommunen dieses Angebot machen, sich aber gleichzeitig Verlinkungen ändern können, erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, regen aber ausdrücklich Feedback zu fehlenden oder nicht funktionierenden Verlinkungen an. Manche Kommunen stellen Starkregenkarten nicht online zur Verfügung, hier ist eine Anfrage beim Amt sinnvoll, ob nicht-öffentliche Karten existieren. Die kommunalen Starkregenkarten wurden nach z.T. sehr unterschiedlichen methodischen Ansätzen erstellt – hier ist es ratsam, sich die verfügbaren Informationen genau anzuschauen. Manche arbeiten ohne definierte Regenmenge, andere verwenden Regenszenarien mit unterschiedlicher Wiederkehrzeiten. Kanalisation und Bodeneigenschaften werden eher selten berücksichtigt. Die Qualität der Geländemodelle schwankt ebenfalls. Ausgegeben werden Überflutungstiefen, häufig Strömungsgeschwindigkeiten und -richtung. Manche Anbieter leiten daraus eine konkrete Gefahrenschätzung für ein Gebäude oder Grundstück ab, andere nicht.

Hinweise zu Aussagekraft der Risiko- bzw. Gefahrenkarten

Generell ist es wichtig, zwischen Starkregenhinweiskarten und Starkregengefahrenkarten zu unterscheiden: Hinweiskarten dienen primär der Sensibilisierung und der groben Orientierung – sie zeigen potenzielle Gefährdungsbereiche auf, ohne verbindliche Aussagen zum Risiko einzelner Objekte zu treffen. Gefahrenkarten hingegen enthalten eine konkrete Risikoabschätzung für Gebäude oder Gebiete. Die einzelnen Karten, ob auf Länder- oder Gemeindeebene, basieren auf unterschiedlichen Herangehensweisen und Methoden. Die Begrifflichkeiten werden allerdings auch nicht stringent verwendet. Die einzelnen Komponenten und ihre Relevanz sind im Folgenden kurz erläutert.

  • Geländemodell

In der einfachsten Ausführung berücksichtigen Starkregenkarten die Fließgeschwindigkeit und Auflaufhöhe des Wassers basierend auf bundesweit verfügbare Geländedaten mit einer räumlichen Auflösung von 5 × 5 Metern. Dadurch werden abflusslose Senken hervorgehoben und die Fließwege des Wassers bei Starkregen sichtbar gemacht. Diese Informationen liefern erste wichtige Anhaltspunkte für die Gefahrenanalyse und mögliche präventive Maßnahmen. Einige Hinweis- und Gefahrenkarten basieren allein auf diesen topografischen Informationen.

Für die Bewertung der Gefährdung einzelner Gebäude sind jedoch kleinräumige Geländeformen entscheidend – beispielsweise die Höhe von Bordsteinkanten oder die Lage von Kellerabgängen. Kommunale Gefahrenkarten mit höherer Auflösung (idealerweise <1 × 1 Meter) werden häufig individuell an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Die Erstellung solcher hochaufgelösten Karten – etwa mithilfe von LiDAR-Daten – ist wünschenswert, jedoch zeit- und kostenintensiv.

  • Bodeneigenschaften

Die Einbeziehung von Bodeneigenschaften wie der Versickerungsfähigkeit oder der Rauigkeit von Oberflächen erhöht die Genauigkeit der Simulationen weiter, ist aber mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Zudem verändert sich die Versiegelung von Siedlungsflächen stetig, sodass regelmäßig aktualisierte Datengrundlagen erforderlich sind.

  • Kanalisation

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Berücksichtigung der Kanalisation. Diese reduziert den Oberflächenabfluss, sofern sie ausreichend dimensioniert ist. Die realitätsnahe Abbildung des Kanalnetzes in numerischen Modellen kann Hinweise auf mögliche Unterdimensionierungen und Engpässe liefern.

  • Regenmengen

Auch die zugrunde gelegten Regenmengen unterscheiden sich zum Teil erheblich. Viele Modelle arbeiten mit festgelegten Niederschlagsmengen (z. B. 100 Liter pro Stunde) oder hohen Wiederkehrzeiten (z.B. 100-jährliche Niederschlagsmengen pro Stunde) in Form von Worst-Case-Szenarien. Häufig wird auch der Starkregenindex (SRI) verwendet, der die örtliche klimatische Situation besser erfasst. Extremwerte zeigen zuverlässig Schwachstellen und potenzielle Gefahrenzonen auf. Für Bauherren und interessierte Bürger wäre es jedoch ebenso relevant zu wissen, ob bereits bei häufigeren Ereignissen – etwa mit einer Wiederkehrzeit von fünf Jahren – eine Überflutungsgefahr besteht (z. B. ein vollgelaufener Keller), und ob daher gezielte Vorsorgemaßnahmen erforderlich sind. Solche moderaten Simulationen finden sich aber kaum.

Hinweis zu Modellgrenzen

Alle Karten basieren auf vereinfachten Annahmen und idealisierten Eingangsdaten. Die tatsächlichen Verhältnisse im Ereignisfall können erheblich abweichen – etwa durch kurzfristige Hindernisse, blockierte Abläufe oder veränderte Bodenverhältnisse. Starkregenmodelle und Karten sollten deshalb immer als Entscheidungshilfe verstanden werden, nicht als genaue Vorhersage. Eine transparente Kommunikation dieser Unsicherheiten ist entscheidend, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Nutzung im Planungsprozess

Trotz ihrer Grenzen stellen Starkregenhinweiskarten und -gefahrenkarten ein wichtiges Instrument in der Bauleitplanung sowie bei Genehmigungsverfahren dar. Kommunen können sie nutzen, um sensible Bereiche zu identifizieren und geeignete Vorsorgemaßnahmen festzulegen – etwa die Festsetzung von Baugrenzen, Auflagen zur Bauausführung (z. B. Aufkantungen, Schutzmauern) oder die Integration von Retentionsflächen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Karten regelmäßig aktualisiert und mit lokalem Wissen kombiniert werden und vor allem niedrigschwellig öffentlich verfügbar sind.

Ab welchen Überflutungstiefe und Strömungsgeschwindigkeiten muss man sich Sorgen machen?

Deutliche Risiko- oder Gefahrenaussagen werden in Starkregenhinweiskarten sehr unterschiedlich gehandhabt. Häufig handelt es sich um reine Hinweis- oder Informationskarten, die keine verbindliche Risikoeinstufung vornehmen. Eine einheitliche Norm existiert bislang nicht. Es gibt jedoch weit verbreitete Empfehlungen, insbesondere aus dem Regelwerk der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA), wie etwa das Merkblatt DWA-M 119. Dieses ist allerdings kostenpflichtig (aktuell ca. 92 €). Auf Grundlage solcher Richtlinien lassen sich definierte Schwellenwerte für Wasserstände, Fließgeschwindigkeiten oder andere Kenngrößen ableiten.

ParameterSchwellenwertBedeutung
Aufstauhöhe≥ 0,15 mKritisch, Schäden an Gebäuden möglich
Aufstauhöhe≥ 0,30 mGefährlich für Menschen, Fahrzeuge können schwimmen
Fließgeschwindigkeit≥ 0,5 m/sKritisch in Kombination mit >0,15 m Aufstauhöhe
Fließgeschwindigkeit≥ 1,0 m/sLebensgefährlich bei ≥ 0,30 m Aufstauhöhe
Tiefe × Geschwindigkeit> 0,4 m²/sPotenziell lebensgefährlich
Auswirkungen von Fließgeschwindigkeit und Überflutungstiefe bei Starkregenereignissen.